Suche nach Konstanz Medi-Team hofft auf Coup gegen Vierten Crailsheim

Ihn gilt es zu kontrollieren: Lässt man – wie hier Würzburgs Murphy Holloway (links) – den Crailsheimer Point Guard Trae Bell-Haynes keine Geschwindigkeit aufnehmen, leidet darunter das gesamte Spiel der Merlins. Foto: /Marijan Murat/dpa

Der Sieg in Bonn hat Selbstvertrauen gegeben. Jetzt will Medi Bayreuth nachlegen.

Basketball - Konstanz ist für Medi Bayreuth nur eine Stadt am Bodensee. Die Bayreuther muten ihren Fans in dieser Saison regelmäßig Gefühlsschwankungen zu, doch selten waren diese so groß wie in den vergangenen Tagen. Auf den beängstigenden Auftritt beim 92:97 in Gießen folgte ein erstaunlich souveräner 91:76-Sieg am Dienstagabend in Bonn, und nun stellt sich vor dem Heimspiel am Freitagabend (20.30 Uhr) gegen die Crailsheim Merlins zwangsläufig die Frage, welches Gesicht die Mannschaft diesmal präsentieren wird.

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Dabei ist die Erfolgsformel doch eigentlich recht simpel. Seine Mannschaft, sagt Trainer Raoul Korner, sei immer dann stark, „wenn sich jeder aktiv beteiligt und Verantwortung für den Teamerfolg übernimmt. Dann brauchen wir auch keine Überleistung eines Einzelnen, dann reichen solide Leistungen von mehreren.“ In Bonn sei dies von Anfang an der Fall gewesen: „Da waren wir klar die bessere Mannschaft.“ Nur leider ist Konstanz eines jener Qualitätsmerkmale, das besonders schwer zu erreichen ist. Nur die besten Teams und Spieler glänzen mit Verlässlichkeit. Der Gestaltungsmacht eines Trainers, das schöne Gesicht zum Vorschein zu bringen, sind da natürliche Grenzen gesetzt. Das bedeutet nicht, dass der Medi-Coach keinen Ehrgeiz darauf verwenden würde, an der Launenhaftigkeit seiner Mannschaft zu arbeiten. „Wir tun das ja schon sehr lange und wissen um die Baustellen“, sagt Korner. Mit manchen Schwächen müsse man sich aber auch abfinden, gerade als Bundesligist mit einem der niedrigeren Budgets. Das Rebounding etwa werde sicher nicht mehr zu einer Stärke des Medi-Teams. Sich der eigenen Limitation bewusst zu werden, um dann das Beste aus der Situation herauszuholen, vor dieser Aufgabe stehen ja längst nicht nur die Bayreuther, sondern die meisten Mannschaften, die in der unteren Tabellenhälfte der BBL umher wabern.

Von den Berlinern zweimal vermöbelt

Der Erfolg in Bonn hat die Bayreuther sicher nicht plötzlich zu einem Playoff-Aspiranten transformiert, den Glauben an eine Siegchance gegen die viertplatzierten Crailsheimer aber sehr wohl gestärkt. „Crailsheim ist ohne Zweifel ein Playoff-Team“, sagt Korner, „aber die Mannschaft ist nicht so stark, wie es die Tabelle derzeit spiegelt.“ Bereits beim 77:82 im Hinspiel waren die Bayreuther nah dran an einem Überraschungscoup, und damals dürfte das Selbstbewusstsein der Hohenloher noch größer gewesen sein als aktuell. Seit dem sensationellen 105:103-Erfolg bei Bayern München am 31. Januar verzeichnete das Team von Trainer Tuomas Iisalo genauso viele Siege wie Niederlagen (jeweils drei).

Von den Berlinern wurden die Crailsheimer zweimal vermöbelt (101:77 und 100:62), doch noch größeres Aufsehen erregte die 84:94-Heimniederlage gegen S.O. Würzburg am Mittwochabend. „Würzburg hat mittlerweile eine sehr starke Mannschaft“, betont Korner zwar, doch deutet einiges darauf hin, dass die Niederlage weniger eine Anomalie, als vielmehr Ausdruck eines Leistungsknicks ist. Das lässt sich insbesondere am überragenden Spielmacher Trae Bell-Haynes festmachen. Der Kanadier hat die Dominanz der ersten Saisonhälfte eingebüßt, was deshalb sofort auf den Teamerfolg durchschlägt, weil die Crailsheimer „am Tropf der Point-Guard-Situation hängen“, wie es Korner formuliert.

Schlüsselduell Walker gegen Bell-Haynes

Mit dem Point Guard, also mit Bell-Haynes oder seinem Vertreter Nimrod Hilliard, steht und fällt das Spiel des Tabellenvierten. Adressaten ihrer Pässe sind häufig die starken Dreipunkteschützen, von denen Elias Lasisi mit einer Trefferquote von 52,9 Prozent noch herausragt. „Wir müssen verhindern, dass Bell-Haynes Geschwindigkeit aufnehmen kann“, erklärt Korner ein Mittel gegen den „MVP-Kandidaten“. Das bedeutet für die Bayreuther, die Crailsheimer ins Halbfeldspiel zu zwingen, und das gelingt wahrscheinlicher, wenn das Medi-Team selbst kontrolliert in der Offensive agiert, wie Korner betont. Leichte Ballverluste wären für die schnellen Crailsheimer ein gefundenes Fressen. Im Hinspiel hatte David Walker die Kreise von Bell-Haynes lange Zeit gut einengen können. „Er ist prädestiniert für diese Rolle“, sagt Korner.

In der Offensive setzt der Österreicher auch darauf, dass Topscorer Frank Bartley nach einigen schwächeren Auftritten wieder an Selbstvertrauen gewonnen hat. „Das ist elementar für sein Spiel“, weiß Korner. Elementar für Bayreuther Erfolge war in den vergangenen Jahren auch die Heimspiel-Atmosphäre. Doch ohne Fans hat die „Oberfrankenhölle“ ihren Schrecken verloren. Nur zwei seiner neun Heimpartien hat das Medi-Team bislang gewonnen. Mit den Fans im Rücken könnten die Bayreuther vielleicht häufiger ihr schönes Gesicht präsentieren.

 

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