Sturm aufs Rathaus Endlich wieder Fasching wie früher

Drei Böllerschüsse, launige Reden, Gardetanz und Tanzmariechen: Für die Bayreuther Stadtspitze könnten – wenn es nicht anders wäre – ruhige Zeiten anbrechen, denn die Narren mit Bianca I. und Heiko I. an der Spitze haben am späten Freitagnachmittag mit dem Sturm aufs Rathaus die fünfte Jahreszeit eingeläutet – und die Macht übernommen.

Es ist ein Auftakt, wie man ihn in Bayreuth nicht oft gesehen hat: Mit Böllerschüssen, mit einer klaren Aufforderung: Her mit dem Stadtschlüssel. Und mit einer fast überbordenden Freude auf die fünfte Jahreszeit, die neue Faschings-Session, die endlich wieder daran anknüpfen soll, was den Narren am wichtigsten ist: Normalität in der Narretei.

Eine zweite Amtszeit

Nicht nur der Auftakt am Freitag um 16.30 Uhr vor dem Bayreuther Rathaus ist besonders. Besonders ist auch, dass Bianca I. und Heiko I. von der Faschingsgesellschaft Schwarz Weiß eine zweite Amtszeit als Prinzenpaar geschenkt bekommen. So etwas gab es zwar schon einmal, als der Fasching wegen des Kriegs im Irak ausgefallen ist, aber wie Prinzessin Bianca I. am Freitag im Gespräch mit unserer Zeitung sagt, freue sie sich zusammen mit ihrem Prinzen – der im richtigen Leben auch ihr Ehemann ist – „total darüber, dass wir es allen drei Bayreuther Vereinen zu verdanken haben, dass wir eine zweite Amtszeit bekommen“.

Von Termin zu Termin

Fasching, das ist in Bayreuth für das Prinzenpaar ein Flitzen vom Termin zu Termin, was im vergangenen Jahr komplett ausgefallen ist, nachdem sich die beiden den Stadtschlüssel abgeholt hatten: „Wir hatten gerade mal sieben Auftritte – sonst sind es immer um die 80. Zumindest war das vor Corona so“, sagt sie. Sie hoffe, sagt die Prinzessin, die im richtigen Leben Erzieherin ist, dass in der kommenden fünften Jahreszeit deutlich mehr möglich ist, „wir freuen uns vor allem auf die Tollen Tage auf dem Markt, unsere Prunksitzung im Zentrum und die Kindersitzung“ – und auf die Termine, die als Einladung befreundeter Vereine bereits jetzt schon nach und nach in den hoheitlichen Kalender kommen. „Das rollt jetzt richtig los. Wir sind bereits für November überall eingeladen – im Dezember ist es ein wenig ruhiger wegen Weihnachten, aber dann geht es gleich wieder weiter.“

Keine Auflagen mehr – aktuell zumindest

Es gibt keine Auflagen mehr, was es möglich mache, „dass deutlich mehr Leute als bisher dabeisein können“, sagt Bianca I. im Kurier-Gespräch. Das sei natürlich vor allem für die wichtig, die das ganze Jahr darauf hinfiebern, trainieren, sich vorbereiten: Die Garden und die Tanzmariechen.

Gardetanz als Hochleistungssport

Garden und das Tanzmariechen sind auch beim Rathaussturm dabei, um zu zeigen, was sie im 2021 nicht zeigen konnten: Tanz, Akrobatik – durchaus Hochleistungssport. „Darauf“, sagt die Faschings-Prinzessin, „liegt gerade bei uns bei Schwarz Weiß der Fokus. Auf unserer Sportabteilung. Wir sind ja der einzige Bayreuther Verein, der mit den Garden auf Turniere geht.“

Große Hoffnung auf Normalität

Die Hoffnung sei groß, sagt der Schwarz-Weiß-Vorsitzende Markus Roßner, „dass es in diesem Jahr eine einigermaßen normale Session wird. Wir haben tatsächlich alles so geplant wie vor der Pandemie. Die Galasitzung am 23. Januar im Zentrum steht, die Planung für die Kindersitzung läuft.“ So ein wenig habe man dennoch Angst, „dass doch wieder irgendwas passiert“, sagt Roßner. Denn auch die Schwarz-Weißen hätten durchaus Federn lassen müssen: „Etwa ein Drittel der Kinder hat aufgegeben.“ Hat Schluss gemacht mit Gardetanz als Sport.

Erst am Aschermittwoch weiß man mehr

In den Bereich des Kaffeesatz-Lesens fällt die Antwort auf die Frage, wie der Fasching 2022/2023 werden könnte: „Das ist ein Jahr, das hatten wir so noch nie“, sagt Roßner mit Blick auf seinen Verein, die Hexen und die Mohrenwäscher. „Erst am Aschermittwoch können wir wirklich mit Gewissheit sagen, wie es gelaufen ist.“

Ebersberger gibt die Kasse gar nicht so ungern heraus

Doch all das soll die Vorfreude auf die närrischen Monate nicht trüben, vor allem nicht mit dem Stadtschlüssel in der Tasche, den das Prinzenpaar natürlich Oberbürgermeister Thomas Ebersberger abluchsen konnte. Ebersberger rückt Schlüssel und Stadtkasse “salopp gesagt gar nicht so ungern heraus“, wie er sagt. Verbunden mit der Hoffnung, gerade die Kasse im neuen Jahr „gut gefüllt zurück zu bekommen“.

Die Bayreuther können Fasching

Dass die Bayreuther Fasching können, das steht für die närrische Hoheit Bianca außer Frage: Das zeige sich bei der Begeisterung, bei der die Zuschauer mitgehen, wenn Vorführungen oder Veranstaltungen angehen. Und erst recht bei den vielen, vielen Menschen, die die Straßen beim Umzug am Rosenmontag säumen. „So viele, die verkleidet kommen – und ihren Spaß haben.“

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