Die Mundhöhle ist ein idealer Lebensraum für Bakterien. An kaum einem anderen Ort unseres Körpers tummeln sich mehr Bakterien als in diesem ersten Abschnitt des menschlichen Verdauungstrakt mit Mund und Kauapparat.
Wie gesund ist der häufige Gebrauch von Mundspülungen? Eine spezielle Sorte könnte möglicherweise kontraproduktiv für die Mundflora und sogar krebserregend sein. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Studie aus Belgien. Doch die Forscher schränken selbst die Gültigkeit ihrer Ergebnisse ein.
Die Mundhöhle ist ein idealer Lebensraum für Bakterien. An kaum einem anderen Ort unseres Körpers tummeln sich mehr Bakterien als in diesem ersten Abschnitt des menschlichen Verdauungstrakt mit Mund und Kauapparat.
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Wird die Zahnreinigung vernachlässigt, werden Keime nicht mehr in Schach gehalten. Die Folge: Es können Entzündungen entstehen, die zunächst Zähne und Zahnfleisch betreffen und dann über Nervenbahnen und Blutgefäße in den Körper wandern.
Der Zusammenhang zwischen Zahnhygiene und einer Reihe von Krankheiten ist schon seit längerem bekannt – etwa bei Lungen- und Herzentzündungen, Erektionsstörungen, Herzinfarkten und Schlaganfällen. Forscher vermuten, dass regelmäßiges Zähneputzen Bakterien in den schwer erreichbaren Taschen zwischen Zahnfleisch und Zähnen reduziert und damit verhindert, dass diese in den Blutkreislauf gelangen.
Doch zu viel und vor allem einseitige Zahnhygiene kann auch schaden. Forscher der medizinischen Fakultät der Universität Antwerpen in Belgien haben untersucht, wie sich die tägliche Anwendung der Mundspülung „Listerine Cool Mint“ auf das oropharyngeale Mikrobiom auswirkt. Darunter versteht man sämtliche in der Mundhöhle angesiedelten Mikroorganismen und Bakterien sowie deren Bedeutung für die orale Gesundheit.
Die Wissenschaftler fanden heraus, dass eine erhöhte Bakterienanzahl in der Mundhöhle nicht nur mit Erkrankungen im Mund-Rachen-Raum zusammenhängen kann, sondern auch mit Krebs. Die Studie („The effect of daily usage of Listerine Cool Mint mouthwash on the oropharyngeal microbiome“) ist im Fachmagazin „Journal of Medical Microbiology“ veröffentlicht worden.
Zur Info: „Listerine Cool Mint“ ist ein sogenanntes bakterizides Mundwasser, das zur Vorbeugung von Zahnbelag und Zahnfleischentzündungen verwendet wird. Bis dato ist wissenschaftlich unklar, ob speziell diese Lösung tatsächlich ein gesundes Mundmikrobiom fördert oder eher untergräbt.
Was sind Mundspülungen?
Mundspülungen sind antiseptisch wirkende Flüssigkeiten, die der Prophylaxe im Mundraum dienen und in kosmetische und medizinische Produkte unterschieden werden. Abhängig von den jeweils verwendeten Inhaltsstoffen können sie laut Herstellern Karies, Zahnbelag, Zahnfleischentzündung und Zahnerosion vorbeugen.
Was sagt der Hersteller?
Die Marke "Listerine" gehört zum US-Konsumgüterkonzern Kenvue Inc. mit Hauptsitz in Skillman (Bundesstaat New Jersey). Auf dessen Website heißt es, dass es „keine glaubwürdige Verbindung zwischen alkoholhaltigen Mundspülungen und Mundkrebs“ gebe. „Entscheidende Reviews zur Untersuchung potenzieller Verbindungen zwischen alkoholhaltigen Mundspülungen und Mundkrebs ergaben keinen derartigen Zusammenhang“, so das Unternehmen weiter. Auf Nachfrage des Privatsenders RTL, erklärte Kenvue Inc.: „Es gibt keinen Beleg dafür, dass Listerine Krebs verursacht.” Das Mundwasser sei sicher, wenn man es wie auf dem Etikett angegeben verwende. Die Studie aus Antwerpen weise zudem „mehrere methodische Schwächen“ auf, „wodurch die Aussagekraft der Ergebnisse infrage gestellt werden könnte”.