Studentenprojekt Lebensmittel-Lieferdienst per Fahrrad

Gemüseradl-Lieferant Jonathan Schmidt (links) holt Lebensmittel aus großer Transportkiste und übergibt sie in dieser gestellten Szene an Kunden Sebastian Liesecke (rechts). Der Gemüseradl-Lieferdienst wird ab Mai in Bayreuth getestet. Foto: red

BAYREUTH. Manche Menschen schaffen den Ausflug zum Supermarkt nur schwer, andere suchen vergeblich nach Arbeit – Nachhaltigkeit und Umweltschutz sind aktueller denn je. Sechs Bayreuther Studierende versuchen diesen auf den ersten Blick nicht zusammenhängenden Problemen mit dem Projekt Gemüseradl zu begegnen. Durch einen besonderen Lebensmittellieferdienst in Bayreuth.

Für viele Menschen ist der Weg zum Supermarkt eine Herausforderung. Wenn sie alt sind oder keinen Führerschein haben, sind sie für den Wocheneinkauf schnell auf Hilfe angewiesen. Diese könnten sie künftig durch den Fahrradlieferdienst Gemüseradl bekommen.

Das Konzept funktioniert so: Per Telefon oder Internet bestellen die Kunden Lebensmittel. Die werden dann an zwei bis drei festen Wochentagen gegen eine kleine Liefergebühr mit einem Elektrofahrrad an die Haustür geliefert. 

Trägt sich der Lieferdienst selbst, sollen Langzeitarbeitslose als Lieferdienstfahrer eingestellt werden – mit guten Arbeitsbedingungen und fairem Lohn. Die soziale Komponente ist den Studierenden schließlich sehr wichtig. 

Förderung der Elektrofahrradmobilität

„Ich wollte Erkenntnisse aus meinem Wirtschaftsstudium praktisch anwenden und eine positive soziale Wirkung erzielen“, sagt Vico Kutz, verantwortlich für rechtliche Belange des Projektes.

Jonathan Schmidt, aus der Abteilung für Business Development bei Gemüseradl, sagt ähnliches: „Ich habe mir Gedanken gemacht, wie es möglich ist, etwas Gutes zu bewegen und bin dabei auf das Thema Sozialunternehmertum gestoßen“.

Durch den Einsatz von Elektrofahrrädern sei das Gemüseradl-Projekt nachhaltig und biete eine Möglichkeit, Elektrofahrradmobilität zu fördern. Jeder Einkauf, der mit dem Elektrofahrrad geliefert wird – anstatt mit dem Auto selbst geholt zu werden – komme der Umwelt zugute. 

Mit Gemüseradl versuchen die 20-jährigen Studierenden, mit unternehmerischen und nachhaltigen Lösungen gezielt zu helfen. Sie folgen dem Missionsziel der internationalen non-profit Organisation Enactus, die weltweit Studierende zu Projekten dieser Art animiert und sie dabei unterstützend begleitet.

Wie Anastasia von der Decken, verantwortlich für die rechtlichen Belange des Projektes, im Gespräch mit dem Kurier erklärt: „Ich habe bei Enactus die Möglichkeit gesehen, etwas zu entwickeln, das langfristig Menschen und Umwelt hilft, aber zugleich das Potenzial hat, sich selbst zu tragen.“ 

Zweiter Platz bei 
Start-up-Wettbewerb

Das Projekt Gemüseradl wurde vor etwa eineinhalb Jahren ins Leben gerufen. Im Juni 2018 entstand eine offizielle Kooperation mit dem Bayreuther Lebensmittelladen Biobio, aus dessen Angebot die Produkte geliefert werden sollen.

Bei einem Start-up-Wettbewerb sahnte das Gemüseradl-Team Platz zwei und 600 Euro ab. Seit September ist durch eine Kooperation mit Carry&Smile, ein Bayreuther Händler für Lastenfahrräder, der Bedarf an Elektrofahrrädern für die Auslieferung gedeckt. Anfangs sollen die benötigten Räder geliehen werden. Funktioniert das Konzept, will man sie später übernehmen.

Ab Mai soll es losgehen. Aus dem Studium ist bekannt: Zum Start eines Unternehmens ist Marketing sehr wichtig. Da die Kundenzielgruppe zu einem großen Teil ältere und immobile Menschen sind, planen die Studierenden ab April für ihren Lieferdienst in Seniorenresidenzen zu werben. Einen Monat später, Anfang Mai, beginnt eine achtwöchige Testphase: Dann sollen die ersten Bestellungen entgegengenommen und die ersten Lebensmittel ausgeliefert werden. 

Doch wie plant sich der Lieferdienst langfristig zu finanzieren? Die 600 Euro Siegprämie waren eine gute Starthilfe und die bisherigen Kosten gering, da die meiste Arbeit ehrenamtlich durch die Studierenden geleistet wurde. Doch nun sollen Bestellungen entgegengenommen, Elektrofahrräder geliehen und Lieferungen ausgefahren werden. Anfangs wollen die Studierenden noch vieles selbst stemmen, doch langfristig soll sich das Projekt mit bezahlten Angestellten selbst tragen können. 

In Zukunft sollen Betriebskosten durch drei Einnahmequellen gedeckt werden: Die vom Kunden gezahlte Liefergebühr und dem mit Biobio ausgehandelten Einbehalt von zehn Prozent des Warenumsatzes. Durch Werbung auf den Fahrrädern kommen Werbeeinnahmen hinzu – erster Sponsor sind die Bayreuther Stadtwerke.

 

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