Studenten planen alternatives Turnier mit sozialem Anspruch Fußball-WM 2018 kommt aus Bayreuth

Von Norbert Heimbeck

32 Mannschaften aus aller Welt wollen Fußball-Weltmeister werden. Im Jahr 2018. Aber: Es sind ausschließlich Amateur-Kicker. Und dieses große Turnier wird von Studenten organisiert. In den beiden Wochen vor der offiziellen Fifa-WM will der Bayreuther Sportstudent Alexander Grimm mit seinen Kumpels den "Social World Cup 2018" in fünf deutschen Stadien austragen.

Sie haben die Idee für eine alternative Fußball-Weltmeisterschaft für Amateure entwickelt: Carmen Grimm, Jelena Rothermel, Timo Kretschmer, Robin Kiwitt, Alexander Grimm und Niklas Sanders (von links). Foto: red Foto: red

Es klingt zunächst nach einer "spinnerten" Idee: Sechs junge Leute, alle Mitte bis Ende 20 und Studenten in Bayreuth, Heidelberg und Göttingen, stellen ein Projekt auf die Beine, für das der Fußball-Weltverband eine riesige Organisation mit Hunderten Mitarbeitern einsetzt. Alexander Grimm hat an der Deutschen Sporthochschule in Köln studiert und macht derzeit in Bayreuth seinen Master in Sportökonomie. Er erzählt: "Hört sich tatsächlich ein wenig verrückt an. Aber wir arbeiten ganz konkret an dem Projekt. Im Mai haben wir das Crowdfunding gestartet. Bis zum 10. Juli wollen wir 150 000 Euro zusammenhaben. Dann starten wir die nächste Stufe."

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Alexander Grimm ist 25 Jahre alt. Er bezeichnet sich selbst als "aktiven Fan" des 1. FC Köln und hat selbst in der Oberliga beim TSC Euskirchen gespielt. Auch seine fünf Freunde, die zum inneren Kreis des Organisationsteams gehören, sind Sportler und Fans. Sie wollen mit dem Social World Cup ein Ausrufezeichen gegen die Kommerzialisierung der Turniere durch den Weltverband setzen. "Im Idealfall können wir eine Debatte in Gang setzen," sagt Grimm. Es geht ihm um die Korruption im Weltverband, um die Missachtung der Menschenrechte auf den WM-Baustellen und um die unterschätzte Macht der Fans.

„Wir wollen zu einem Fußball beitragen, den wir mit gutem Gewissen unterstützen können“, sagt Grimm. Seine Wunschvorstellung: Im Weltfußball sollen Fans Mitspracherechte bekommen, soziale Verantwortung und Nachhaltigkeit die Turniere bestimmen – nicht Gewinnmaximierung. Die Idee entstand schon vor Bekanntwerden des Fifaskandals im Sommer 2015: „Wir können uns mit einer WM, wie sie die Fifa organisiert, nicht mehr identifizieren.“ sagt der 25-Jährige.

Und weil die Gruppe sicher ist, dass dass andere Fans ähnlich sehen, haben sie beschlossen ihre Alternativ-WM ins Leben zu rufen. Sie haben dafür den Verein Sport-Watch gegründet. Mithilfe der Schwarmfinanzierung per Internet wollen sie nun 150 000 Euro einwerben, um wenigstens zwei Vollzeitstellen für die Organisation des Turniers einrichten zu können. Denn die verbleibenden eineinhalb Jahre bis zum Start der Fifa-WM sind fast zu  kurz, um die Aufgabe zu stemmen. Alexander Grimm hat nicht nur ein Zeitproblem: "Obwohl wir fast überall große Zustimmung für unsere Idee bekommen haben, gehen die Spendenzusagen nur sehr zögerlich ein."  Knapp 7000 Euro zeigt die Marke auf Startnext.com an, bis zum 10. Juli läuft die Kampagne noch: "Dabei haben die Spender keinerlei Risiko - wir sagen: Alles oder Nichts. Sollten wir das Ziel verfehlen, wird kein Geld abgebucht."

Trotz Zustimmung zu der Fifa-Kritik die Turniere anschauen und mitfiebern - in diesem Konflikt sind viele Fußballfans, auch Alexander Grimm. Umso stärker setzt er sich für die Alternativ-WM  ein: "Unsere Zielsumme ist gar nicht so utopisch: Wenn jeder Bayreuther Student nur zehn Euro gäbe, hätten wir das Ziel erreicht." Obwohl international agierende Fanorgansiationen wie Football Supporters Europe und Pro-Fans den Neu-Bayreuther unterstützen, fließt das Geld nur spärlich.

Wenn's nicht klappt, was dann? "Unser Plan ist langfristig angelegt. Deshalb haben wir auch den Verein gegründet. Wir bleiben auf jeden Fall an der Sache dran!" bekräftigt Alexander Grimm. So wie Greenpeace das Bewusstsein für den Umweltschutz aufgebaut hat, so wollen die sechs Studenten wieder mehr Ethik ins Sport-Business bringen.

Info:  Der Plan für den "Social World Cup 2018": 18 Tage lang sollen 32 Amateur-Nationalmannschaften in den Stadien in Hamburg, Köln, Berlin, Leipzig und München um den Titelgewinn kämpfen. Jedes Team besteht aus einem 18-köpfigen Kader und einer Betreuergruppe. Bewerben können sich alle Fußballer, die zwischen der Bezirksliga und der Regionalliga spielen. Neben dem Fußball ist ein Rahmenprogramm mit Konzerten, Diskussionen und Show-Einlagen geplant. Auf www.startnext.com ist die Spendenaktion zu finden. Infos zum Turnier auf www.socialworldcup.com