Studenten-Film: Wenn Papa prügelt

Von Katharina Wojczenko

Der Vater säuft, schlägt seine Tochter. Der kleine Bruder bekommt davon nichts mit. Dafür sorgt seine große Schwester, so gut sie kann. Für ihre Abschlussarbeit haben sich zwei Bayreuther Studenten einen harten Stoff ausgesucht. Regisseur und Drehbuchautor Frank Förschler (21) erklärt, warum er einen Film über Missbrauch machen wollte.

Szene aus dem Studenten-Film über Missbrauch: Der Vater (Sven Röckl) greift seine Tochter (Carolin Hohlweg) an. Er ist die Abschlussarbeit von Kathrin Benker und Frank Förschler, Studenten der Uni Bayreuth. Arbeitstitel: "Alltag". Screenshot: Frank Förschler Foto: red

Er wollte ein Happy End. Gerade weil es das in Wirklichkeit in den meisten Fällen nicht gibt, sagt Frank Förschler. Happy End bedeutet im Film: Das Mädchen, dem Gewalt angetan wird, wendet sich an die Polizei. „Normalerweise passiert das nicht“, sagt Förschler. Er und seine Kommilitonin Kathrin Benker (22) wollen Mut dazu machen.

Nach der Werbung weiterlesen

 

Ein kleiner Vorgeschmack auf den Film.

 

Sie stammt aus Zell im Fichtelgebirge, studiert Theater und Medien und hat sich um Produktion, Sponsoren, Aufnahmeleitung beim Dreh gekümmert. Förschler (21) aus Melkendorf im Landkreis Kulmbach, studiert Medienwissenschaft und Medienpraxis, hat das Drehbuch geschrieben, Regie geführt, gefilmt und schneidet den Film gerade.

Eine Bekannte hat ihn zu dem Film inspiriert

Das Thema liegt Förschler am Herzen. In seinem Bekanntenkreis sei ein Mädchen gewesen, deren Mutter der Vater regelmäßig verprügelt habe - und schließlich auch sie. Gemerkt habe das kaum einer, weil sie sich schämte, darüber zu sprechen, sagt er. Irgendwann kam die Polizei, brachte die beiden ins Frauenhaus.

„Ins Frauenhaus zu gehen, war einfach. Aber darin kann man nicht ewig bleiben“, sagt Förschler. Der Vater hätte Druck ausgeübt, Versprechungen gemacht. Heute würden beide wieder bei ihm leben. Gewalttätig sei er immer noch.

Polizei hat beim Drehbuch geholfen

Die Bayreuther Stiftung Bündnis für Kinder und der Weiße Ring haben den Film unterstützt, der künftig in der Aufklärungsarbeit eingesetzt werden soll. Die oberfränkische Polizei hat mit dem Streifenwagen geholfen, der im Film zu sehen ist, und Förschler beim Drehbuch beraten.

„Wir haben deshalb im Flur der Wohnung einen Spiegel angebracht“, sagt Förschler. Denn nur mit Hilfe des Spiegels können die Beamten, die an der Tür läuten, die Verletzte im Schlafzimmer liegen sehen. „Sonst hätten sie ohne Durchsuchungsbefehl nicht die Wohnung betreten dürfen.“ Sie gibt nämlich keinen Laut von sich.

Das Team: Urlaubsbekanntschaft, Bekannte, Ex-Nachbar

Gedreht haben sie in der Wohnung einer Bekannten von Heinz Petri, Außenstellenleiter der Opferhilfe-Organisation Weißer Ring in Bayreuth. Petri, ein begeisterter Schauspieler, hat sich gleich als Statist angeboten.

Die Musik komponierte Eléonore Scholler, eine Filmmusik-Studentin, die im kanadischen Quebec studiert. „Ich habe sie im August beim Urlaub im Elsass kennengelernt und angequatscht“, sagt Förschler. Das hat er bei seinem ganzen Team gemacht. Alle helfen, ohne Geld zu nehmen.

"So ein hübsches Madla, hast ned Lust?"

Carolin Hohlweg aus Enchenreuth (Lkr. Hof) kennt er schon länger. Die Kindergärtnerin spielt im Film die Tochter und fürsorgliche große Schwester. „Carolin modelt und ist lustig“, sagt Förschler. Er habe zu ihr kurzerhand gesagt: „Du bist doch so ein hübsches Madla, hast ned Lust, vor der Kamera zu stehen?“ Hatte sie.

Dann brauchte er noch einen gewalttätigen Vater. Den spielt Sven Röckl, sein ehemaliger Nachbar. „Er ist Stahlbetonbauer, hat Tattoos, ist rasiert und kräftig“, sagt Förschler und lacht: „Da mussten wir nicht viel schminken, das Gesicht schaut schon bös’ aus.“

Der Stahlbetonbauer kann bös schauen, aber nicht verprügeln

Problem: Furchteinflößend aussehen sei für Röckl zwar ein Leichtes gewesen, Gewaltszenen aber gar nicht. „In einer Szene sollte er seinen Filmsohn verprügeln“, sagt Förschler. „Also einfach in die Luft hauen.“

Doch Röckl sei dafür zu gutmütig und zu vorsichtig gewesen, um Filmsohn Adrian Teichmann nicht zu verschrecken. „Das habe ich rausgeschnitten, weil’s scheiße aussah“, sagt Förschler trocken. „Wir werden die Prügel jetzt mit Schreien aus dem Off darstellen.“

2000 Euro für eine neue Kamera und Catering

Für Förschler ist es nicht der erste Film. Seinen ersten hat er in der Schule gedreht, im Nebenjob macht er Hochzeitsfilme. Das Gesamtbudget für den Abschlussfilm beträgt 2000 Euro für eine neue Kamera und Catering. 1000 Euro kamen von der Stiftung Bündnis für Kinder, 750 Euro vom Studentenwerk.

„Andere Studenten-Abschlussfilme haben deutlich mehr gekostet“, sagt Förschler, „da sind schon fürs Catering hunderte Euros draufgegangen.“ Er hofft, dass der Film bis Mitte November fertig ist. „Ich muss ihn jetzt noch von 20 auf zehn Minuten kürzen.“

Polizei könnte Film in Gesprächen einsetzen

Alle Unterstützer dürfen den Film uneingeschränkt nutzen und in ihrer Präventionsarbeit einsetzen. „Wir haben den Film noch nicht gesehen, aber wir könnten ihn zum Beispiel in den Sozialen Medien oder bei Aufklärungsgesprächen mit Betroffenen einsetzen“, sagt Jürgen Stadter, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberfranken.