Straßenkunst an Bayreuths Wänden

Der Street-Art-Künstler Drew Merritt hat am Parkplatz Münzgasse ein Bild von Elisabeth Friederike Sophie von Brandenburg-Bayreuth auf die Häuserfassade gesprüht. Foto: Andreas Harbach

Markgräfin Wilhelmine hat Bayreuth einzigartigen Glanz verliehen. Zur Wiedereröffnung des Markgräflichen Opernhauses interpretieren Street-Art-Künstler das kulturelle Erbe neu. An Häuserwänden in der Stadt ist das schon zu sehen.

Unter leichtem Seufzen, aber sichtlich zufrieden, dehnt Drew Merritt seine rechte Hand. Zwei volle Tage hatte der Künstler jetzt eine Spraydose in der Hand, da zieht es schon mal ein wenig in den Fingergelenken. Doch der Schmerz hat sich gelohnt: Vom Platz in der Münzgasse aus kann ab heute jeder ein eindrucksvolles, riesiges Porträt bewundern. Und nicht nur da: sechs hohe Häuserwände wurden und werden in diesen Tagen zur Projektionsfläche junger Straßenkunst.

Weitere großformatige Werke geplant

Initiiert hat das Projekt Jessica Matijevic gemeinsam mit Stefan Mayer, Lehrer am Markgräfin-Wilhelmine-Gymnasium (MWG). Beide freuen sich über das gelungene Kunstwerk. In Kürze werden noch weitere großformatige Werke Bayreuths Innenstadt bunter machen: Die Badstraße 27 und 33 sowie ein weiteres Gebäude in der Richard-Wagner Straße 42 bekommen einen neuen Look, der, modern interpretiert, doch immer wieder auch die kulturhistorische Geschichte Bayreuths eindrücklich in den Fokus rückt.

Es gehe darum, das kulturelle Erbe Bayreuths mit den Mitteln des 21. Jahrhunderts – der Street Art – neu zu interpretieren, wie Jessica Matijevic auf ihrer Internetseite schreibt. Dafür hat sie international bekannte Künstler gewinnen können, mit Unterstützung des Vereins Förderkreis Skulpturenmeile Bayreuth und des MWG.

Niemand Geringeres als Elisabeth Friederike Sophie von Brandenburg-Bayreuth

Dass er heute Häuserwände bemalen darf, darauf ist Drew Merritt mächtig stolz, das merkt man dem jungen Mexikaner sofort an. Und richtig: wer in diesen Dimensionen Stadtverschönerung betreibt, der muss sich bereits einen Namen in der Kunstszene gemacht haben. Locker sechs Meter ist es hoch, das Porträt einer wunderschönen Frau. Niemand Geringeres als Elisabeth Friederike Sophie von Brandenburg-Bayreuth blickt mit festem Blick von der Hausfassade hinunter auf die Stadt.

Das Besondere: Merritt malt sie so, wie die Adelige vielleicht heutzutage aussehen könnte, jedoch ohne den Blick für die sanften Gesichtszüge der berühmten Tochter von Markgräfin Wilhelmine zu verlieren. Der große Casanova, so sagt die Legende, habe sie einst als schönste deutsche Prinzessin betitelt. Historisch und ortsverbunden, das ist die eindeutige Prägung dieses Street-Art-Festivals, das am 12. April um 17 Uhr mit einer Vernissage im Liebesbier offiziell eröffnet wird.

Stilmittel der Kalligrafie und des Graffiti

Aber auch immer mit dem gewissen Tüpfelchen Zeitgeist: So entsteht am Parkhaus gegenüber der Schwanen-Apotheke beispielsweise in Großformat eine malerische Kampfszene: Zwei Hähne streiten um die Gunst ihrer Herzensdame, natürlich auch hier mit historischem Kontext, stehen die Kampfhähne hier für Protagonisten eines Voltaire-Stückes. Der Aufklärer war mit Bayreuth und seiner Markgräfin eng verbandelt, ein weiterer, gelungener Bezug zur Wagner-Stadt und ihren Freunden und Förderern. Der Künstler des Werkes heißt Matthias Mross und ist bekannt für seine Vorliebe für Hahn und Henne.

Beeindruckend und ganz im Stile fantastischer wie linguistischer Kreativität ist das Werk des Künstlers Stohead aus Berlin. Er vermischt Stilmittel der Kalligrafie mit denen des Graffiti zur „Calligraffiti“ und konzipiert kurzerhand eine ganz eigene Sprache mit ihren eigenen Buchstaben. Wer sich bereits verzückt bei J.R.R. Tolkiens „Elbisch“ in Fantasysprachen entführen lässt, dem sei geraten, sich die Wand der Bayreuther Stadtbibliothek in der Dilchertstraße einmal genauer anzusehen. „Einige Schüler des MWG, unserer Partnerschule, können bereits alles entziffern“, sagt Jessica Matijevic.

 

0 Kommentare

Kommentieren

Wenn Sie einen Kommentar verfassen, so wird dieser unter Ihrem Klarnamen, also dem von Ihnen angegebenen Vor- und Nachnamen veröffentlicht. Sollte Ihr Kommentar nicht sofort erscheinen, bitten wir Sie um etwas Geduld. Wir behalten uns vor, Kommentare vor der Veröffentlichung zu prüfen. Bitte beachten Sie hierzu auch unsere Netiquette.

loading