Stolz überwiegt Positive WM-Bilanz von Meyer-Siebert

Die Durchschlagskraft des ägyptischen Rückraums war das größte Problem für die deutsche Abwehr. In dieser Szene reichten auch die 206 cm Körpergröße von Julius Meyer-Siebert (rechts) nicht aus, um einen der acht Treffer des Spielmachers Ahmed Hesham El Sayed zu verhindern. Foto: Imago-Images

HANDBALL. Wenige Tage nach der bitteren Niederlage im Finale der U-19-Weltmeisterschaft gegen Ägypten im nordmazedonischen Skopje hat Julius Meyer-Siebert die Enttäuschung fast schon überwunden. In der persönlichen Bilanz des Talents aus dem Nachwuchs von Haspo Bayreuth, das nun seit zwei Jahren beim SC DHfK Leipzig spielt, überwiegt jedenfalls bei Weitem das Positive.

„Es war eine sehr intensive Zeit mit dem ganzen Team, in der wir – auch durch den Dämpfer zum Auftakt gegen Portugal – zu einer richtig guten Mannschaft zusammengewachsen sind“, hebt der Vizeweltmeister aus Bayreuth hervor. „Ich bin dankbar für diese großartige Erfahrung.“ Der Gedanke an die verpasste Chance auf die Goldmedaille ist zwar noch nicht verflogen, aber die Freude über die Silbermedaille und das beste deutsche WM-Ergebnis aller Zeiten in dieser Altersklasse ist inzwischen stärker. „Nach dem Spiel waren wir alle natürlich erst mal enttäuscht. Mittlerweile überwiegt allerdings der Stolz, mit einem guten Team etwas Besonderes geschafft zu haben.“, sagt der 2,06 m große Rückraum-Hüne.

Weniger Einsatzzeit in den K-o.-Spielen

Der ehemalige Haspo-Akteur trug zudem einen enormen Teil zu diesem Erfolg bei. In den ersten vier Gruppenspielen war er mit einer durchschnittlichen Einsatzzeit von 44 Minuten der deutsche Feldspieler, der am längsten auf der Platte stand. In Spiel vier gegen Brasilien (28:22) zeigte er seine wohl beste Turnierleistung, erzielte vier Tore, stabilisierte die Defensive und wurde zurecht zum Spieler des Spiels gewählt. Beim Abschluss der Gruppenphase gegen Island (26:22) fand Meyer-Siebert hingegen nicht ins Spiel hinein und wurde nach 15 Minuten ausgewechselt. In der Folge bekam er in den K.-o.-Spielen nicht mehr die Einsatzzeiten, die er zuvor gewohnt war.

Das ärgerte den Bayreuther schon: „Natürlich wäre ich gern in den K.-o.-Spielen noch mehr zum Einsatz gekommen. Dennoch denke ich, dass ich auch dort meinen Teil zum Erfolg beisteuern konnte.“ Nachdem Meyer-Siebert bereits in der Gruppenphase elf seiner insgesamt 14 Turniertreffer erzielt hatte, konnte er ab dem Achtelfinale vor allem seine defensiven Qualitäten unter Beweis stellen und trug dazu bei, dass Deutschland mit durchschnittlich 23,11 Gegentreffern pro Spiel die beste Abwehr aller Mannschaften stellte. So stand der Wahl-Leipziger beispielsweise im Achtelfinale gegen Argentinien (33:25) und im Halbfinale gegen Dänemark (31:23) fast die Hälfte der Spieldauer auf dem Feld. In der Summe aller neun Turnierspiele wurde seine Einsatzzeit nur von vier deutschen Feldspielern noch übertroffen. Neben seinen 14 Toren (bei 22 Versuchen) zählten die Statistiker beim spielintelligenten Rückraumlinken auch neun Assists.

„Keine Lösung gegen das Tempo gefunden“

Am meisten in Erinnerung bleiben wird Meyer-Siebert das Finalwochenende: „Nach dem überragenden Spiel von uns gegen Dänemark im Halbfinale wollten wir unbedingt Gold holen und auch Ägypten schlagen.“ Bekanntlich unterlagen die Deutschen den imponierenden Nordafrikanern aber zurecht mit 28:32, obwohl sie mehrmals die Chance hatten, das Momentum auf die eigene Seite zu verschieben: „Leider haben wir keine Lösung gegen das enorme Tempo von Ägypten gefunden und selbst ein-, zweimal die Gelegenheit verpasst, es noch mal spannend zu machen. Ägypten hat sich dann einfach in einen Rausch gespielt. Dennoch war es ein Wochenende, das mir für immer in Erinnerung bleiben wird“, so Meyer-Siebert.

Kaum zurück in Deutschland, beginnt für den Bayreuther nun wieder der Alltag in Leipzig. Die Schule hat wieder begonnen und bereits am kommenden Wochenende startet die Drittligasaison mit der U23 des SC DHfK Leipzig. Zum Auftakt steht am Samstag (19:30 Uhr) ein Heimspiel gegen die SG Nußloch an, die vergangene Saison Vizemeister hinter dem ThSV Eisenach wurde. Meyer-Siebert wird fester Bestandteil des U23-Teams sein, aber auch regelmäßig beim Bundesligateam der Sachsen trainieren, dem mit Neuzugang Philipp Müller (zuvor MT Melsungen) ein weiterer Bayreuther angehört.

 

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