Sterbehilfe: Alles falsch gemacht

Von Sarah Bernhard

Die Entscheidung des Bundestags zum Thema Sterbehilfe ist typisch deutsch: Lieber verbieten statt vertrauen, lieber einen Schritt zurück als nach vorne. Das ist traurig. Und ziemlich dumm.

Die Entscheidung des Bundestags zum Thema Sterbehilfe ist ein Rückschritt. Und ziemlich dumm. Foto: dpa Foto: red

Es ist eine typisch deutsche Entscheidung, die der Bundestag am Freitag getroffen hat. Statt mit einer positiven Grundhaltung die Rechte von Ärzten und Patienten zu stärken, wird hysterisch alles verboten, was irgendwann mal irgendwie zum Problem werden könnte: Die Angst vor einem ominösen sozialen Druck, der in keinem Land mit einer liberaleren Sterbehilfe-Regelung je nachgewiesen wurde, wird künftig das Recht auf einen selbstbestimmten Tod aushebeln.

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Menschen dieses Recht zu gewähren, hieße nicht, dass Ärzte jedem gleich den Giftcocktail reichen dürfen: Durch eine gute palliativmedizinische Versorgung müsste sichergestellt sein, dass der Patient so schmerzfrei ist, dass nicht Angst seine Motivation ist. Und durch umfassende Gespräche müsste eine psychische Erkrankung als Grund für den Suizidwunsch ausgeschlossen werden. Den sozialen Druck auf Patienten würde das nicht erhöhen. Denn schon jetzt könnten diese indirekte Sterbehilfe, etwa durch starke Schmerzmittel einfordern. Das ist erlaubt und wird auch praktiziert.

Die Mehrheit der Abgeordneten hat sich stattdessen für einen Entwurf ausgesprochen, der Ärzte in eine rechtliche Grauzone schubst: Weil die Frage, wann Beihilfe zum Suizid geschäftsmäßig – und damit künftig verboten – ist, nicht definiert wird. Auch wenn die Initiatoren des Entwurfs diese Möglichkeit von sich weisen: Ob schon zweimalige oder erst zehnmalige Beihilfe geschäftsmäßig ist, werden wohl Gerichte entscheiden. Und deren Urteile sind nicht immer nachvollziehbar.

Ärzte werden sich künftig also noch mehr davor hüten, Menschen bei ihrem letzten Gang zu unterstützen. Das ist ein Rückschritt, der nicht hätte sein müssen. Die deutsche Ängstlichkeit hat wieder einmal gewonnen.