Steigende Zahlen BAT-Sprecherin warnt vor Folgen von Zigarettenschmuggel für Bayreuther Werk

Von Elmar Schatz

Mehr als jede fünfte in Deutschland konsumierte Zigarette wird nicht in Deutschland versteuert, teilt Karin Schlömer, Pressesprecherin von British American Tobacco (BAT) auf Kurier-Anfrage mit. Davon sei etwa die Hälfte eingeschmuggelt, schätzt der Deutsche Zigarettenverband (DZV) in Berlin. Steigender Schmuggel und paralleler Konsumrückgang würden mittelfristig negativen Einfluss auf in Bayreuth zu produzierendes Zigaretten-Volumen haben, warnt Schlömer.

Ein Zollfahnder hält beschlagnahmte Schmuggelzigaretten in den Händen. Foto: dpa Foto: red

Auf die Frage, ob die geplanten Schock-Fotos auf Zigarettenpackungen Arbeitsplätze bei BAT in Bayreuth kosten, erwidert sie, die Warnhinweise mit Schockbildern seien nur eine der geplanten Maßnahmen, die voraussichtlich ab 2016 in Deutschland im Markt zu sehen sein würden. Dazu kämen zum Beispiel die Standardisierung von Produkt und Verpackung sowie ein Verbot kompletter Produktsegmente. Dies komme einer Marken-Enteignung gleich. Die gesundheitspolitischen Ziele würden so nicht erreicht, sondern vielmehr durch zu erwartenden Anstieg von Produktfälschungen und Schmuggel konterkariert. Noch aber seien viele Detailfragen der Umsetzung in deutsches Recht offen. BAT sehe noch erheblichen Klärungs- und Abstimmungsbedarf, bevor die neue europäische Tabakproduktdirektive in die Praxis umgesetzt werden könne.

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Mengen in Gesamteuropa geht zurück

Nicht nur in Deutschland, sondern in Gesamteuropa gingen derzeit die Mengen an Zigaretten zurück. Da das BAT-Werk Bayreuth nicht nur für den deutschen Markt, sondern auch für weitere europäische Märkte produziert, wirke sich dieser Volumenrückgang auch auf die Produktion in Bayreuth aus, so Schlömer, ohne aktuell genauere Angaben für Bayreuth zu machen.

Im vergangenen Jahr sind in Deutschland so wenige Zigaretten versteuert worden wie noch nie seit der Wiedervereinigung, meldet das Statistische Bundesamt. Mit 80,3 Milliarden Stück registrierte der Staat zwar einen Rückgang um 2,6 Prozent zum Vorjahr, musste dank Steuererhöhungen aber keine sinkenden Einnahmen hinnehmen: Mit 14,1 Milliarden Euro erreichte die Tabaksteuer fast den Wert des Vorjahres. Unter dem Strich haben sich die Kosten für das Rauchen in Deutschland in den vergangenen 20 Jahren mehr als verdoppelt. Die Preise für Zigaretten und andere Tabakprodukte stiegen um 124 Prozent, die allgemeine Teuerung lag in diesem Zeitraum bei 41 Prozent.

Der Anteil der nicht in Deutschland versteuerten Zigaretten sei 2013 im Vergleich zu 2012 bundesweit um 1,1 Prozent auf 21,7 Prozent angestiegen, erklärt Schlömer. In Ostdeutschland gelte das für fat die Hälfte der Ziaretten. In Bayern habe der Anteil der nicht in Deutschland versteuerten Zigaretten von Oktober bis Dezember 2013 schätzungsweise durchschnittlich 35,1 Prozent betragen. Im Freistaat sei der Anteil um zehn Prozent im Vergleich zum vierten Quartal 2012 gestiegen.

Steuerschaden 2012: 21,5 Milliarden Euro

Die 21,5 Milliarden im Jahr 2012 nicht in Deutschlkand versteuerten Zigaretten entsprächen einem geschätzten Steuerschaden von bis zu vier Milliarden Euro sowie einem Schaden für die Industrie von bis zu 1,2 Milliarden Euro. Seit Jahren arbeite BAT gemeinsam mit deutschen und internationalen Behörden an Lösungen für das Problem des organisierten Schmuggels. In Bayreuth analysiere und bewerte das Product Centre Europa im Auftrag von deutschen Behörden geschmuggelte Produkte.