Steigende Strompreise Run auf Photovoltaikanlagen

Frank Heidler
Jede Menge zu tun haben Techniker bei der Montage neuer Photovoltaikanlagen. Nach den drastischen Strompreiserhöhungen wollen immer mehr Hausbesitzer und Mieter unabhängig werden. Foto: dpa/Marijan Murat

Stromerhöhungen von 40, in Einzelfällen sogar um 100 Prozent. Viele Verbraucher – Mieter oder Eigenheimbesitzer – wissen kaum mehr ein noch aus. Etliche suchen nach Auswegen. Wie etwa den Kauf einer eigenen Photovoltaikanlage (PV). Wenn man genügend Geld auf der hohen Kante liegen hat. Aber selbst dann gibt es keine dieser umweltfreundlichen Anlagen von heute auf morgen.

Pegnitz/Auerbach - „Wir haben eine lange Warteliste“, bestätigt der Auerbacher Stefan Findeiß (Solaid). Und fügt hinzu: „Wir haben bereits seit zwei Jahren einen Run auf Photovoltaikanlagen.“ Die durchschnittlichen Investitionskosten für eine PV-Anlage beziffert er auf 20.000 bis 25.000 Euro netto.

Speicher empfohlen: Darin enthalten wären aber nicht nur die PV-Module für das Hausdach, sondern auch der Stromspeicher im Keller oder Carport. Nur so könne der tägliche Stromertrag in die abendlichen Stunden ohne Sonnenstrom gerettet werden. „Ohne Speicher macht es keinen Sinn“, sagt Findeiß.

Wartezeit auf die PV-Anlage bei diesem Anbieter: „Gegenwärtig mindestens ein Dreivierteljahr.“ Aber damit nicht genug: „Wir haben noch 250 Kundenanfragen offen.“ Also noch nicht einmal bearbeitet. Tendenz weiter steigend.

Nadelöhr sei aber nicht das fehlende Material, sondern die „Manpower“. Solaid hat momentan 15 Mitarbeiter. Diese seien praktisch „rund um die Uhr im Einsatz“. Spätestens im Februar wolle man die Mitarbeiterzahl erhöhen, Termine fürs Probearbeiten wurden bereits vereinbart.

Auch der Pegnitzer Elektromeister Hans Glenk registriert „deutlich mehr Anfragen“ nach PV-Anlagen. Gleichzeitig sieht er aber bei einzelnen Bestandteilen dieser Anlagen erste Lieferschwierigkeiten. Als Beispiel nennt der erfahrene Betriebsleiter die Wechselrichter.

Im Augenblick könne man ohnehin wegen des Schnees nirgends aufs Dach. Das sei erst wieder im Frühjahr möglich. Glenk glaubt, dass eine PV-Anlage „in vier Monaten“ montiert sein könne. Voraussetzung: „Alle Bestandteile müssen lieferbar sein.“ Auch bei den Aluminiumschienen als Grundträger für die PV-Module habe es schon erste Probleme gegeben, fügte der Elektrofachmann hinzu.

Kunden stöhnen: Den Unmut gebeutelter Kunden bekommen inzwischen viele Stromversorger ab. Bei Eon bemüht man sich um Abhilfe. Dort erklärt ein Sprecher: „Im Bereich der Photovoltaikanlagen stellen wir seit einigen Jahren kontinuierliches Wachstum bezüglich der Nachfrage fest. Immer mehr Kundinnen und Kunden wollen selbst einen Beitrag zur Energiewende leisten und eigenen, klimafreundlichen Strom auf ihrem Dach produzieren.“ Deshalb gebe es nicht nur den passenden Stromvertrag, sondern als willkommene Alternative auch die komplette PV-Anlage zu kaufen. Mindestpreis ohne Speicher: knapp unter 10.000 Euro.

Aus der Eon-Pressestelle heißt es weiter: „Die Mehrheit der Privatkunden entscheidet sich mittlerweile für die Kombination aus Eon-PV-Anlage und passendem Batteriespeicher.“ Dann werde es natürlich deutlich teurer. Diese Kunden ließen vermehrt auch die Wallbox für das Laden eines Elektroautos zuhause gleich mit installieren. Was aber letztlich heißt. Wer günstigen Strom vom Dach für etwa zehn Cent pro Kilowatt genießen, will, muss erst einmal Tausende Euro investieren.

Energieberatung: Für einigermaßen Orientierung im Anbieter- und Tarifdschungel will die Energieagentur Oberfranken sorgen. Und das alles zum Nulltarif. Denn die Energieagentur ist ein eingetragener Verein. „Wir bieten Bürgerberatungen in ganz Oberfranken an“, erklärt Sprecher Markus Ruckdeschel und hat gute Nachrichten: „Der Staat macht zum Teil unglaublich viel Geld locker.“ Das betreffe allerdings nicht nur PV-Anlagen.

Warten wird teuer: Nach der „Schockwelle“ der Strompreiserhöhungen gab es auch bei der Energieagentur „vermehrte Anfragen von Bürgern“. Denn es nütze Kunden nichts, angesichts drastischer Preiserhöhungen in „Wut oder Panik“ zu verfallen. Oder das Problem einfach aussitzen zu wollen und auf die lange Bank zu schieben. Denn dann werde alles noch teurer.

Ruckdeschel ist überzeugt: „Erneuerbare Energien sind die Lösung.“ Gerade in den vergangenen sechs bis neun Monaten seien Gas- und Strompreise auf breiter Front gestiegen. „Der Gaspreis schlägt voll auf den Strompreis durch.“ Kundengespräche bringt er manchmal auf die griffige Formel: „Wer mit Putin ins Bett geht, zahlt jetzt 60 Cent für die Kilowattstunde Strom.“ Das könne natürlich auch für Privathaushalte, vor allem aber auch für mittelständische Firmen schnell „existenzbedrohend“ werden.

Besichtigung vor Ort: Welche Energiemaßnahme tatsächlich ergriffen werde – egal ob PV-Anlage, Dämmung, neuer Heizkessel oder Wärmepumpe – das könne nur nach einer Vor-Ort-Besichtigung entschieden werden. Immerhin könnte bei einer PV-Anlage samt Speicher eine Eigenversorgung von „60 bis 70 Prozent“ erreicht werden. Wer auf den Stromspeicher verzichte, könne immerhin eine Eigenversorgung von bis zu 30 Prozent erreichen.

Schwierig werde es für Mieter. Aber diese könnten sich – nach Rücksprache mit dem Wohnungseigentümer – Strommodule ans Balkongeländer hängen. Denn auch das mindere die Stromrechnung schon erheblich.


Weitere Informationen bei der Energieagentur Oberfranken unter der Telefonnummer 0 92 21/8 23 90 oder im Internet unter www.energieagentur-oberfranken.de
 

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