Steigen die Preise weiter? Tanken wieder teurer

Von Elmar Schatz

Autofahrer und Heizölkunden verfolgen wieder besorgt die Preise: Treibstoff ist teurer geworden, Sprit kostet aber noch immer etwa 20 Cent weniger als vor einem Jahr, sagt Alexander von Gersdorff, Sprecher des Mineralölwirtschaftsverbandes. Treiben die weltweiten Krisen die Preise weiter hoch?

Die schöne Zeit des billigen Sprits ist schon wieder vorbei. Foto: dpa Foto: red

Der Heizölpreis zog seit Januar um knapp zehn Cent je Liter an, der Dieselpreis um weniger als zehn Cent, sagt Robert Raimund, Chef der gleichnamigen Firma in Creußen (Kreis Bayreuth). Kunden hätten vorher das Preistief genutzt, um schnell vollzutanken. Immer mehr Sammelbestellungen bei immer geringerer Litermenge seien ihm aufgefallen.

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"Da haben fünfzehn Kunden insgesamt zehntausend Liter Heizöl bestellt." Seit eineinhalb Wochen spüre er eine schwächere Nachfrage, sagt Raimund, der im Jahr rund 20 Millionen Liter Heizöl und Diesel verkauft. Trotz aller Krisen sei der Heizölpreis allerdings gerade wieder leicht gefallen. Die Versuchung sei jetzt groß, einen Jahreskontrakt zu schließen. Das könne aber schiefgehen, falls die Preise doch wieder sinken - und dann vertragsgemäß ein höherer Preis bezahlt werden muss.

In der Billigbenzin-Phase bis Januar habe er 20 bis 30 Prozent mehr Absatz gehabt, sagt Wolfgang Iger, Pächter der OMV-Tankstelle an der Nürnberger Straße in Bayreuth. „Es lief besser, als es billiger war.“ Eine gewisse Zurückhaltung der Kunden merke er derzeit auf jeden Fall. Er glaube nicht, dass die Spritpreise wieder so tief sein werden wie im Januar, sagt Iger.

Mitte Januar waren die Benzin- und Heizölpreise auf den Stand von 2009 gefallen. Ein Liter Superbenzin kostete zeitweise kaum mehr als 1,20 Euro, Diesel weniger als 1,10 Euro je Liter. Seit Anfang Februar sind die Preise wieder gestiegen. Für Superbenzin E10 müssen die Autofahrer wieder um die 1,30 Euro bezahlen und Diesel liegt im bundesweiten Durchschnitt bei 1,20 Euro je Liter.

Ähnlich sieht es bei Heizöl aus. Von 53 Euro für 100 Liter, bei Abnahme von 3000 Litern, inklusive Mehrwertsteuer, vor vier Wochen gingen die Heizölpreise rauf auf 65 Euro. Das sind allerdings immer noch 16 Euro weniger als vor einem Jahr.

Teurer wurde es aus zwei Gründen: Der Preis für Rohöl der Nordsee-Sorte Brent erholte sich von seinem Tief bei 46 Dollar je Barrel (159 Liter) und bewegt sich nun bei 62 Dollar. Dieser Preisanstieg liegt bei mehr als 30 Prozent. Gleichzeitig schwächelt der Euro. Inzwischen ist er noch 1,14 Dollar wert. Vor einem halben Jahr waren es noch 1,35 Dollar. Der schwache Euro macht das in Dollar gehandelte Rohöl ebenfalls teurer.

Vergangenes Jahr hat Deutschland vom Rohöl-Preisverfall kräftig profitiert. Bei leicht rückläufigen Importen von 89,3 Millionen Tonnen (minus 1,4 Prozent) verringerte sich die Ölrechnung um 5,8 Milliarden auf 49,6 Milliarden Euro. Das heißt: Wirtschaft und Verbraucher wurden um fast sechs Milliarden Euro entlastet.

In Deutschland seien vergangenes Jahr nach vorläufigen Zahlen ein Prozent mehr Benzin und vier Prozent mehr Diesel verbraucht worden, sagt der Sprecher des Mineralölwirtschaftsverbandes von Gersdorff. Die relativ gute Konjunktur und die Rekordbeschäftigung in Deutschland hätten sich anscheinend in verstärkter Mobilität bemerkbar gemacht. Ob nun wegen der höheren Preise weniger Auto gefahren wird, kann der Sprecher noch nicht sagen.

Die spannende Frage lautet jetzt: Wie geht es weiter? Die Expertenwelt ist uneins. Bankanalysten, Wirtschaftsforscher und Akteure auf den Märkten sehen sowohl Gründe für steigende wie auch für fallende Preise in diesem und den nächsten Jahren.

Shell-Chef Ben van Beurden erwartet eine wachsende Nachfrage nach Öl in diesem Jahr. „Bei den heutigen Preisen wird das Angebot mit der Nachfrage nicht Schritt halten“, sagte er vergangene Woche. Vielleicht gehe das Angebot sogar zurück.

„Energieunternehmen könnten einen Teil ihrer existierenden Produktion stilllegen und neue Projekte verschieben oder ganz aufgeben“, so van Beurden. Bleibe die Ölförderung in den USA aber hoch und das globale Wachstum schwach, könnte dies noch für eine längere Zeit für niedrige Preise sorgen.

Maria van der Hoeven, Generalsekretärin der Internationalen Energie Agentur (IEA), meint: „Das Schieferöl aus den USA hat die Spielregeln verändert.“ Die US-Förderung passe sich flexibel der Nachfrage am Ölmarkt und den schwankenden Ölpreisen an.

Bei einem Ölpreis von weniger als 70 Dollar ist laut Goldman Sachs nur ein Drittel aller Investitionen in neue Öl- und Gasfelder noch profitabel. Fast eine Billion Dollar seien „Zombie-Investments“, die sich nicht rechneten. Diese Angst treibt die großen Ölkonzerne um, die nach heftigen Gewinneinbrüchen allesamt ihre Investitionen zurückfahren.

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Mit Material von dpa