Stefan Uhl aus Eschenbach Von Höhlen gefesselt

Vanessa Lutz
Die ganze Familie Uhl in einer Höhle in Slowenien. Foto: exb/Stefan Uhl

Stefan Uhl aus Eschenbach hat eine besondere Berufung: Er ist Höhlenforscher und reist mit seiner Familie für Erkundungen um die Welt. Auch sein Sohn ist vom Höhlen-Fieber angesteckt. Wie kommt man zu diesem ungewöhnlichen Hobby?

Eschenbach/Nürnberg - Als dieser Tage im Fernsehen das TV-Duell „Klein gegen Groß“ ausgestrahlt wurde, war auch der zehnjährige Niklas Uhl zu Gast. Er duellierte sich mit Komödiant Bernd Hoecker darum, wer von beiden anhand von Eckdaten die meisten Höhlen erraten konnte.

Mit dabei: Mutter Jutta und Vater Stefan, gebürtig aus Eschenbach. Seine Eltern haben den Sohnemann mit dem Höhlenfieber infiziert – und gemeinsam bereist die kleine Familie die ganze Welt, immer auf der Suche nach neuen Räumen in imposanten, teils Tausende Jahre alten Höhlen.

Ein ungewöhnliches Hobby

Es ist ein ungewöhnliches Hobby, das die Familie vereint. Dessen ist sich auch Vater Stefan Uhl bewusst, wie er lachend verrät. Wie kommt man dazu, sich, ausgerüstet mit Stirnlampe, robustem Overall und Seilen teilweise in Untiefen zu schwingen?

„Seit 1985 fesseln mich Höhlen und ihre natürlichen Gegebenheiten“, erzählt Uhl. Damals, mit 15 Jahren, sei er durch Zufall auf dieses Hobby gestoßen. „Der Freund von meinem Vater und er haben einen Kurs mitgemacht und mich in eine Höhle in Steinamwasser bei Auerbach mitgenommen.“ Gepackt habe ihn dieses Erlebnis – und zwar so sehr, dass es ihn seitdem immer wieder in Höhlen in allen Ecken der Region und der Welt treibt.

2010 hat sich Uhl schließlich in der Schweiz gegen Gebühr zum Höhlenforscher ausbilden lassen, insgesamt zwei Jahre lang dauerte die Schulung. „Da lernt man das ganze Detailwissen. Wie man in Höhlen reingeht und das Material erkennt, beispielsweise. Aber auch Pädagogik und Gruppenpsychologie.“

Am Ende folgt eine Prüfung: Nämlich der Gang in eine unbekannte Höhle. Und dort gilt es, das gelernte Wissen anzuwenden. Nun dreht sich Uhls Arbeit als Höhlenforscher darum, die Umgebung zu vermessen, Steine zu analysieren, Fledermäuse zu zählen und neue Räume zu erschließen.

Mit vier Monaten auf Erkundungstour

Als Sohn Niklas gerade vier Monate alt war, nahmen die Uhls ihn schon mit auf Erkundungstour in der Fränkischen Schweiz. Ist das nicht gefährlich? Uhl verneint vehement. „Wenn alle Sicherheitsvorkehrungen eingehalten sind, man eine ordentliche Ausrüstung dabei hat und ein verantwortungsbewusster Umgang herrscht, ist der Gang in eine Höhle für ausgebildete Personen unbedenklich.“

Man müsse vorab genau analysieren, ob womöglich gefährliche Situationen in der Höhle lauern könnten. Und ganz wichtig: Man dürfe sich nicht selbst überschätzen. Auch wenn man eine Höhlentour gebucht hat oder erfahren ist in diesem Bereich, solle man immer auf sein Bauchgefühl hören. „Die Frage, die man sich stellen muss, ist: Wie fühle ich mich?“ Wenn es einem an besagtem Tag des „Abstiegs“ nicht gut geht, sollte man es nicht tun. Das gelte auch für Kinder, die an Touren teilnehmen möchten: „Wenn sie weinen oder doch lieber Fußball spielen möchten, soll man sie nicht zwingen mitzugehen.“

Uhl möchte Höhlen von ihrem schlechten Image befreien. „Meistens hört man nur von schlimmen Unglücken. Dass Menschen sich verletzt haben oder gar umgekommen sind.“ Das Bild von dunklen, gefährlichen Schächten habe sich beim Großteil der Menschen im Gedächtnis verankert. „Dabei ist Höhlenforschung vor allem auch aus pädagogischer Sicht sinnvoll.“

In Nürnberg, wo Uhl mit seiner Familie aktuell lebt, bietet Uhl beispielsweise ehrenamtlich Kurse für Schulkinder an, in denen er den Kindern von seiner Arbeit berichtet. Aktuell hat er mit seinem Sohn auch im Nürnberger Kindermuseum eine Ausstellung zum Thema initiiert. „Mir geht es in meiner Arbeit vor allem auch darum, den Kindern von klein auf ein Bewusstsein für die Wertschätzung der Natur beizubringen.“

Nicht leichtsinnig in eine Höhle

Wo sonst solle man das auch besser vermitteln können als in einer Jahrtausende alten Umgebung mit funkelnden Kristallen und Tropfsteinen, die sich im Laufe der langen Zeit geformt haben? Wichtig sei es jedoch, als Laie nicht einfach leichtsinnig eine Höhle zu betreten – und schon gar nicht alleine und ohne die passende Ausrüstung. „In Bayern sind leider viele Höhlen offen zugänglich. Das kann zu sehr gefährlichen Situationen führen“, sagt Uhl.

Trotz all der Schönheit dürfe man die Gefahre nicht unterschätzen. Uhl rät, bei Interesse Höhlenvereine aus der Region zu kontaktieren und dort einen Termin für eine Tour zu vereinbaren. Dort könne man sich auch passende Ausrüstung leihen und sei mit einem erfahrenen Team unterwegs. „So ist man auf der sicheren Seite.“

 

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