Hof/Coburg/Bayreuth – Statistisch gesehen dürfte das gar nicht passieren: Mitte Juni wurden eine Spaziergängerin und ihr Begleiter am Röhrensee in Bayreuth durch einen Blitzschlag verletzt. Der Blitz traf ihren Regenschirm. Die Wahrscheinlichkeit, vom Blitz getroffen zu werden, ist verschwindend gering – zumal in Bayreuth: In keinem Stadt- oder Landkreis schlug es im vergangenen Jahr im Verhältnis seltener ein als in den Städten Bayreuth, Hof, Schweinfurt und Würzburg, wie aus dem am Dienstag von Siemens veröffentlichten Blitzatlas hervorgeht. 

In Hof und Bayreuth kamen nur 0,07 Blitze auf einen Quadratkilometer. Deutscher Durchschnitt waren 0,9 im Jahr 2019. Schweinfurt lag bei 0,14, was auch deswegen überrascht, weil die Stadt 2018 noch auf mehr als fünf Einschläge je Quadratkilometer kam und Deutschlands Blitz-Hotspot war. Neue deutsche Blitzhochburg ist Speyer mit einer Blitzdichte von 3,1.

Insgesamt liegen sieben der zehn blitzärmsten Kreise in Franken. Kulmbach, der Landkreis Bayreuth sowie Fürth folgen auf den Plätzen acht bis zehn. Aus der Reihe tanzt allerdings Coburg als siebte der blitzreichsten Städte. Nahe dran am deutschen Durchschnitt von 0,9 Blitzen pro Quadratkilometer ist der Landkreis Haßberge, die anderen Kreise der Region bewegen sich bei 0,4, 0,5 Blitzen.

Trotz der fränkischen Blitzarmut kommt Bayern dank seiner Fläche mit insgesamt gut 66 000 auf die meisten Blitze aller deutschen Bundesländer. Bei der Blitzdichte lagen mit Berlin, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen und Thüringen aber fünf Länder aus dem Osten vor Bayern.
Insgesamt war 2019 in Deutschland „ausgesprochen blitzarm“, wie der Leiter des Blitz-Informationsdienstes von Siemens, Stephan Thern, sagt. Es habe deutlich weniger Gewitter und Blitzeinschläge gegeben. „Es war schlicht zu trocken“, erklärt er. „Denn Gewitter benötigen Hitze und Feuchtigkeit.“ So gab es in Deutschland vergangenes Jahr 329 000 Einschläge – so wenige wie noch nie seit Start des Blitzatlasses im Jahr 2007. 2018 waren es noch 446 000 Blitze, 2007 sogar deutlich mehr als eine Million. Die stärkste Gewittertätigkeit in Deutschland gab es 2019 in den Sommermonaten Juni und Juli, blitzreichster Tag war der 12. Juni mit 24 245 Einschlägen.

Die Blitze werden mit Hilfe von rund 160 miteinander verbundenen Messstationen in Europa gemessen. Obwohl zwischen den Sensoren bis zu 350 Kilometer liegen, können die Blitzeinschläge damit auf bis zu 50 Meter genau ermittelt werden, wie Thern erklärt. Erst vor einigen Tagen hatten die deutschen Versicherer eine Bilanz der gemeldeten Blitzschäden des vergangenen Jahres gezogen. Sie kamen dabei auf die niedrigste Anzahl der vergangenen 20 Jahre und Gesamtschäden von rund 200 Millionen Euro.