Ständig beobachtet Medi-Neuzugang Bryce Alford mit schwieriger Collegezeit

Die Stärken von Bryce Alford (links) liegen ganz klar in der Offensive. Ob er ein guter oder ein exzellenter Spieler in Europa wird, hängt laut Medi-Trainer Raoul Korner aber von seinem Fortschritt am defensiven Ende des Feldes ab. Foto: Sebastian J. Schwarz

BASKETBALL. An der University of California, Los Angeles (UCLA) stand Bryce Alford unter ganz besonderer Beobachtung. Anfangs sah sich der Neuzugang von Medi Bayreuth dort sogar enormer Fan-Kritik ausgesetzt, Vorwürfe der Vetternwirtschaft waren ob des Trainerjobs seines Vaters Steve allgegenwärtig – eine wertvolle Erfahrung für den 24-jährigen Shooting Guard.

„UCLA ist das bekannteste College-Programm der Vereinigten Staaten. Wenn man dort spielt, muss man wissen, dass jede Bewegung, jeder Fehler, jede Aussage in Blogs, Internetforen und sozialen Netzwerken wochenlang auseinandergenommen wird“, sagt Bryce Alford. „Wenn man dort aber als der Sohn des Headcoaches spielt, potenziert sich alles ins Absurde.“

Am Anfang habe ihn das belastet, aber gegen Ende seiner Collegezeit sei er dazu übergegangen, diese Konstellation als Motivation zu begreifen. „Denn die Tatsache, dass so viele Leute über einen reden, beweist ja nur, dass man wohl irgendetwas richtig machen muss. Diese harte Schule hat mich sehr gut auf meine Profilaufbahn vorbereitet.“ Diese startete der fünftbeste Scorer in der Geschichte der Bruins – direkt hinter NBA-Legende Reggie Miller – sowie UCLA-Rekordhalter bei Dreierversuchen, getroffenen Dreiern und gespielten Minuten in der NBA G-League bei den Oklahoma City Blue, dem Farmteam der Oklahoma City Thunder. Auch in seinen zwei Spielzeiten dort trat Alford als herausragender Scorer und Distanzwerfer in Erscheinung.

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Drei Jahre als Point Guard

Diese Stärken soll er laut Sportlichem Leiter Matthias Haufer auch in Bayreuth ausspielen, aber auch Spielmacherfähigkeiten zeigen und kreativ sein. Kein unbekanntes Terrain für Alford, gab er doch in den ersten drei Jahren an der UCLA den Point Guard. Erst als Senior folgte dann der Wechsel auf Position zwei, weil Lonzo Ball (jetzt New Orleans Pelicans) die Eins übernahm. Mit Zach LaVine (Chicago Bulls) und Norman Powell (Toronto Raptors) haben weitere ehemalige Teamkollegen bereits den Sprung in die NBA geschafft. Auch Alford träumt noch von einem Engagement in der besten Liga der Welt und ist auch davon überzeugt, in der NBA bestehen zu können, wenngleich er mit 84 kg bei einer Körpergröße von 190 cm weiß: „Ich sehe einfach nicht aus wie ein NBA-Spieler, das ist mein größtes Problem. Nach zwei guten Jahren in Oklahoma war das NBA-Interesse dennoch überschaubar.“ Deshalb sei ihm klar gewesen, dass es an der Zeit sei, es in Übersee zu probieren. „Wenn ich hier beweise, dass ich mich auch in den physischeren Ligen durchsetzen kann, wird der Weg zurück sich irgendwann eröffnen.“

Für Medi-Trainer Raoul Korner steht jedenfalls fest, dass „am Ende sein Fortschritt am defensiven Ende des Feldes bestimmen wird, ob er ein guter oder ein exzellenter Spieler in Europa wird.“ Dass er richtig spielen könne, sehe man Alford sofort an. „Nicht nur werfen, das ohnehin. Aber er hat ein sehr gutes Gefühl für das Spiel. Man merkt, dass er der Sohn eines Coaches ist und schon in frühester Kindheit permanent der Sportart ausgesetzt war.“ Geboren in Albuquerque im US-Bundesstaat New Mexico, legte er dort in seinem letzten High-School-Jahr mit 37,7 Punkten pro Spiel unfassbare Scoring-Werte auf. Vater Steve, ehemaliger NBA-Spieler und College-Star bei Indiana unter Trainerlegende Bobby Knight, war zu der Zeit Headcoach der University of New Mexico.

Kurz vor dem Abflug noch geheiratet

Empfohlen wurde Bryce Alford den Bayreuthern bereits vor zwei Jahren von Martin Schiller, ehemaliger Wegbegleiter von Raoul Korner und jetzt Headcoach der Salt Lake City Stars, dem G-League-Team der Utah Jazz. „Wir haben ihn seither verfolgt und konnten ihn jetzt von einem Wechsel nach Europa überzeugen“, freut sich Matthias Haufer. Ähnlich wie James Woodard hat auch Alford kurz vor dem Abflug noch geheiratet und kam deswegen etwas später nach Bayreuth, wo man Woodards und Alfords eigentlich nur zusammen sieht.

Apropos zusammen: Die Teamchemie spielt für Alford eine besondere Rolle. „Aus meiner Sicht ist sie oft wichtiger als Talent. Ich habe in talentierten Mannschaften gespielt, die einfach nicht zusammengewachsen sind, und dann ist es schwer, das komplette Potenzial eines Teams zu realisieren. Deswegen glaube ich, dass wir in Bayreuth eine gute Chance haben, viel zu erreichen. Wir haben eine gute Gruppe beieinander.“

 

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