Städtebauförderung Virtuell über die Ölschnitz fliegen

Ort der Begegnung und Anziehungspunkt auch für Touristen: So stellt sich Stararchitekt Peter Haimerl die Ölschnitzpromenade an der Brauhausbrücke vor. Grafik C Peter Haimerl

BAD BERNECK. Einmal über die Ölschnitz in Bad Berneck fliegen und schauen, wie es hier in Zukunft aussehen könnte: Das soll zum Tag der Städtebauförderung an diesem Samstag, 11. Mai, möglich sein. Die Bürger sollen sich im Wortsinn ein Bild machen und auch mitwirken können an der wichtigsten Baumaßnahme in der Fichtelgebirgsstadt auf unabsehbare Zeit.

Die „Mutter aller Baumaßnahmen“ hat Bad Bernecks Bürgermeister Jürgen Zinnert die Sanierung des Ölschnitzufers einmal genannt. Die Arbeiten könnten zwei Jahre dauern, immense Belastungen durch Lärm, Umleitungen, Lastwagenverkehr in der Oberstadt und durch die hohen Kosten sind zu erwarten. „Das wird in den zweistelligen Millionenbereich gehen“, schätzt Zinnert.

Die Chance für Bad Berneck

Doch die Sanierung sei längst nötig. Die Kanalrohre im Uferbereich seien marode, die bröckelnden Ufermauer werden bei jedem Hochwasser in weitere Mitleidenschaft gezogen. Es geht aber nicht nur darum, das Notwendige zu reparieren, sondern die Chance für eine besondere Gestaltung zu nutzen. Ideen des international renommierten Architekten Peter Haimerl dafür liegen seit fast zwei Jahren vor und wurden bereits überarbeitet. Im April hatte der Stadtrat mehrheitlich beschlossen, Haimerl den Auftrag für eine Entwurfsplanung zu erteilen, um die konkreten Kosten zu ermitteln. Danach werde der Stadtrat endgültig entscheiden, sagte Zinnert.

Haimlerl will Wünsche berücksichtigen

Ganz unumstritten ist das Projekt nicht. Es gibt Bedenken wegen der Kosten für den gestalterischen Mehraufwand – 800000 Euro sind bei 90-prozentiger Förderung das Maximum, was für die Konsolidierungsgemeinde Bad Berneck möglich ist. Auch eine mögliche Betonlastigkeit der Optik war kritisiert worden. An einigen Stellen auf der Länge von 700 Metern sollen die Betonpfähle, die das Ufer befestigen werden, 1,30 Meter über das Straßenniveau hinausragen. Zwei Stadträte hatten der Auftragsvergabe für eine überarbeitete Entwurfsplanung an Haimerl und das Kronacher Ingenieurbüro SRP nicht zugestimmt. Haimerl habe in einem Gespräch am Mittwoch bereits seine grundsätzliche Bereitschaft angekündigt, Wünsche zu berücksichtigen, sagt Zinnert dem Kurier. 

Spaziergang mit VR-Brlillen

Die Stadt wolle nun in die Offensive gehen, „die Bürger bei der Gestaltung mitnehmen“. Am Samstag sollen Interessenten über den aktuellen Planungsstand informiert werden. Von 9.30 bis 12 Uhr soll es virtuelle Spaziergänge an der sanierten Ölschnitz-Promenade geben, von einem "fly-through" ist in der Ankündigung die Rede. Möglich machen sollen das so genannte VR-Brillen (VR steht für Virtuelle Realität), wie man sie aus Computerspielen kennt, sagt Stadtplanerin Stefanie Raab. Das Ölschnitzufer, die Umgebung und die bisher vorliegenden, vorläufigen Entwürfe Haimerls würden darin dreidimensional erkennbar werden. Ein Testlauf mit Schülern und den Brillen wird an diesem Freitag in der Sebastian-Kneipp-Schule stattfinden.

Drei-D-Entwürfe im Stadtbild

Technisch möglich gemacht hat das der Ebnather Marco Kellner. 15 Stunden Arbeit waren nötig, um die von Peter Haimerl gelieferten Entwürfe in Drei-D-Technik in das Stadtbild einzuarbeiten, sagt der 30-jährige Mitbegründer der Firma "Echtraum" dem Kurier. "Das war eine kleine Herausforderung, aber man kann tatsächlich in dem Modell herumlaufen und die Objekte von allen Seiten betrachten, auch wenn man sieht, dass es eine Skizze ist."

Bürger können mitreden

Wer die Brille aufsetzt, werde nicht nur einen Eindruck bekommen, wie die Ölschnitzpromenade künftig aussehen könnte – barrierefrei mit beleuchtetem Geländer, Bänken und Stufen zum Wasser. „Die Bürger werden definitiv auch Einfluss nehmen können auf die Gestaltung“, sagt Raab. Und sie erinnert daran, dass auch bereits die Hinzuziehung von Peter Haimerl auf Bürgerwünsche beim Prozess der Integrierten Stadtentwicklung (Isek) zurückgegangen sei.

Etwas Einmaliges

Zinnert sieht in der Beteiligung Haimerls an der Ufersanierung eine Riesenchance für Bad Berneck: Es handle sich um Architektur mit besonderem baukulturellen Anspruch, die architektonisch interessierte Tagesgäste ebenso anlocken könne wie andere Touristen. Zudem werde die Oberstadt mit dieser Optik attraktiver für Neubürger, die in Sanierungen investieren. Zinnert schwärmt: „Dieses Projekt wäre etwas Einmaliges in Nordostoberfranken.“

Tag der Städtebauförderung

Bad Berneck  9.30 Uhr: Virtueller Spaziergang am Ölschnitzufer, Start an der Touristinfo; 13 Uhr Touristinfo: Rundgang mit Beispielen von Investoren, die Mut machen; 14.30 Uhr Kurhaussaal: Fachbeiträge und Podiumsdiskussion; 16.30 Uhr: Führung durch das Kurhaus mit Gunar Gronauer.

Bayreuth (11 bis 20 Uhr): Ausstellungen und Rundgänge in der Kämmereigasse 9 ½ unter anderem zum geplanten Kunst- und Kulturhaus, zum Denkmalkonzept Gassenviertel, zur Neugestaltung des Rathausvorplatzes (wir berichteten).

Hollfeld 14 bis 16 Uhr: Präsentiert werden die Gewinnerentwürfe zur zukünftigen Nutzung des Bartholomäusspitals  als Touristinfo-Zentrum mit Genusserlebniswelt und Bürgertreff im Obergeschoß.

Kulmain (9.15 bis 17 Uhr): Einweihung des sanierten Rathauses mit Tag der offenen Tür.

Pegnitz (14 Uhr): Wiedereröffnung des historischen alten Rathauses nach umfangreicher Sanierung

Bischofsgrün, Mehlmeisel und Warmensteinach (9 bis 16 Uhr): Jeweils in den Rathäusern Überblicke über abgeschlossene und geplante Maßnahmen der Städtebauförderung.

 

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