Stadtrat Kulmbach Kommt der Startschuss für das Grüne Zentrum?

Derzeit noch eine Ruine: In diesem Teil der alten Spinnerei soll das Grüne Zentrum in Kulmbach entstehen. Foto: /Gabriele Fölsche

Lange Zeit war es still geworden um das Prestigeprojekt für Kulmbach. Aus den Unterlagen für den Stadtrat geht hervor: Der Investor hatte „mangelhafte Planunterlagen“ eingereicht und Monate zum Nachbessern gebraucht.

Kulmbach - Es gab schon Unkenrufe, aus dem Grünen Zentrum, das in den seit vielen Jahren leer stehenden Teil der alten Spinnerei in Kulmbach entstehen soll, würde wohl nichts mehr. Rund ein Jahr lang haben die Kulmbacher von diesem Prestigeprojekt praktisch nichts mehr gehört. Doch jetzt soll diese Behördenansiedlung mit dem Schwerpunkt Landwirtschaft und Ernährung endlich auf den Weg geschickt werden. Am Donnerstag stehen die Nutzungsänderung, das Industriegebäude in ein Büro- und Servicegebäude umzubauen, und der Bauantrag auf der Tagesordnung im Stadtrat.

Oberbürgermeister Ingo Lehmann will sich des Themas jetzt annehmen, kündigt er an. „Das Grüne Zentrum soll Sitz verschiedener staatlicher Einrichtungen und Institute werden, wie beispielsweise das Amt für Landwirtschaft und Forsten oder das Kompetenzzentrum für Ernährung. Es gelingt uns so nicht nur die Sanierung eines großen Teiles des maroden Spinnerei-Areals, sondern auch eine weitere Stärkung des Lebensmittelstandortes Kulmbach. Nun liegt es am Stadtrat, dem Bauantrag auf Nutzungsänderung in ein Büro- und Servicegebäude zuzustimmen“ sagt Lehmann. „Die Alte Spinnerei ist tief in der Identität der Stadt Kulmbach verwurzelt, daher liegt es mir auch ganz persönlich am Herzen, diese Gebäude zukunftsfähig zu machen und einer neuen Nutzung zu unterziehen, die für unsere Stadt natürlich von besonderer Bedeutung ist.“

Grüne Zentren entstehen gerade überall in Bayern. Zwei sind für Oberfranken vorgesehen. Doch während für das Zentrum in Münchberg schon seit Sommer 2018 gebaut wird, müssen die Kulmbacher bislang noch warten. In dem Gebäude der Spinnerei gegenüber der Sparkasse tut sich noch gar nichts. Dabei hatte die Staatsregierung großen Wert auf diese Einrichtungen gelegt. „Grüne Berufe“ sollen an einem Ort gebündelt werden. Das soll Mitarbeitern und Nutzern kurze Wege sichern, Kompetenz bündeln und den Bürgern besseren Service bieten. Der Amtschef des Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Hubert Bittlmayer hatte im Jahr 2017 bei einem Besuch in Kulmbach die Pläne erläutert : „Wir wollen in Kulmbach eine Einrichtung aufbauen, die von Nutzen für die ganze Region ist. Wir als Staatsministerium legen den Grundstein mit unseren Amt für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten sowie dem Kompetenzzentrum für Ernährung. Ziel ist aber, dass sich nach und nach weitere Partner anschließen, wie zum Beispiel der Bauernverband oder der Maschinen- und Betriebshilfsring.“

Doch so weit, dass sich solche Verbände und Organisationen Gedanken machen könnten, in das Grüne Zentrum Kulmbach einzuziehen, ist es noch lange nicht. Nicht der Freistaat ist Bauherr dieses Projekts. Diese Aufgabe hat die Stadt einem Investor übertragen, die Behörden werden später dort Miete bezahlen. Den Bauantrag hat, wie es in der Sitzungsvorlage für den Stadtrat heißt, habe der Bauherr bereits im Juni 2020 eingereicht. Doch die Planvorlagen seien mangelhaft gewesen. Eine abschließende Beurteilung sei deshalb nicht möglich gewesen. Erst im Februar 2021 seien erneut Unterlagen kommen, diesmal prüfbar. Nun kommt das Thema auf die Tagesordnung.

Hinter vorgehaltener Hand ist zu erfahren, dass Ex-OB Henry Schramm den Vertrag mit diesem Bauherrn unter anderem auch wegen nicht zeitgerecht eingereichter Pläne schon gekündigt haben und einen neuen Investor ins Boot geholt soll. OB Ingo Lehmann soll diese Vereinbarungen allerdings wieder rückgängig gemacht haben. Nun hatte, wie die Verwaltungsvorlage für den Stadtrat zeigt, der neue OB offenbar die selben Probleme wie sein Vorgänger.

Das Erdgeschoss und die beiden Obergeschosse sollen laut diesen Plänen Büroanlagen mit den erforderlichen Nebenräumen erhalten. Auf den bestehenden Baukörper soll noch ein neues sogenanntes „Penthouse- Geschoss“ aufgesetzt werden. Die Keller-Etage will der Bauherr in eine Tiefgarage mit rund 70 Stellplätzen umwandeln. Auch an der Ansicht des Gebäudes wird sich, wenn der Stadtrat die Planung genehmigt, einiges ändern. Der Soccer-Court, der jetzt vor dem Haus wird weichen. An dieser Stelle ist ein äußerer Treppenaufgang geplant.

 
 

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