Es gab viel Applaus. Applaus für die Stadthalle und für das, was nach der Sanierung und dem Umbau aus ihr werden soll. Gut 250 Bayreuther ließen sich im Balkonsaal über den Planungsstand von Bayreuths größtem, mit 55 Millionen Euro teuersten und umstrittensten Bau- und Kulturprojekt der nächsten Jahre informieren. Hier Fragen und Antworten von Montagabend:
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Welche Alternativen zur jetzigen Planung hat die Stadt geprüft?
Zwei, sagt Stadtbaureferent Hans-Dieter Striedl. Eine reine Sanierung ohne Verbesserungen in der Nutzung und der Bespielbarkeit würde 13 Millionen Euro kosten. Ein Neubau, der die gleichen Anforderungen erfüllt, wie sie jetzt an die Stadthalle gestellt werden, kostet 46 Millionen Euro. Plus das Grundstück. Plus die trotzdem notwendige Sanierung der Stadthalle. Plus die Kosten, die die Stadthalle danach verursachen würde. „Man kann sie ja nicht einfach leerstehen lassen.“
Ist ein Abriss der Stadthalle möglich, wenn man einen Neubau will?
Nein, sagt Striedl. Nicht nur die historischen Mauern der ehemaligen markgräflichen Reithalle stehen unter Denkmalschutz. Auch die Einbauten aus den 1930er und 1960er Jahren sind denkmalgeschützt. Und: „Ein Abriss wäre eine städtebauliche Katastrophe. Sollen wir hier an der Friedrichstraße einen Betonklotz oder einen Glas- und Stahlkoloss hinstellen? Das geht garnicht.“
55 Millionen Euro für die Stadthalle sind viel Geld. Sind Einsparungen möglich?
Ja, sagt Striedl. Jedenfalls grundsätzlich. „Aber wer sparen will, muss auch sagen wo“ - eine Anspielung auf die Unterschriftensammlung einer Bürgerinitiative, die einen Planungsstopp per Bürgerentscheid zum Ziel hat. „Wer keine optimale Akustik im Großen Haus will, kann die Klappen weglassen.“ Damit wird es billiger, aber nicht besser. Die Klappen regulieren das Raumvolumen, damit wird die Akustik sowohl für Theateraufführungen wie auch für Konzerte besser.
Welche Vorsorge gegen das finanzielle Risiko trifft die Stadt?
„Wir verteilen die Investition auf mehrere Jahre“, sagt Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe. 7,3 Millionen in diesem Jahr, 14 Millionen in den Jahren 2017, 2018 und 2019. Und 2020 nocheinmal 4,4 Millionen. „Zudem sind wir in intensiven Gesprächen, um mehr Fördergelder zu bekommen.“ Knapp acht Millionen sind es bisher: „Ungünstig“, sagt die Oberbürgermeisterin. Sollte die Stadt wegen der Stadthalle neue Schulden machen müssen, käme ihr das derzeit günstige Zinsniveau entgegen.
Was passiert, wenn der Bürgerentscheid zu einem Planungsstopp führt?
Derzeit hat die Bürgerinitiative eigenen Angaben nach etwa 3500 Unterschriften. 3744 sind nötig um einen Bürgerentscheid zu beantragen. „Sobald der Antrag gestellt ist, greift ein sofortiger Planungsstopp“, sagt Striedl. Sollte die Mehrheit der Bayreuther das Begehren der Initiative in einem Bürgerentscheid ablehnen, hätte sich der Umbau verzögert. Im ungünstigsten Fall wird die Stadthalle dann nicht wie geplant zur Spielzeit 2019/20 zur Verfügung stehen. Ist das Bürgerbegehren erfolgreich, „können wir alle bisherigen Planungen wegschmeißen“.
Was geschieht mit der Tiefgarage?
Die muss saniert sein und zur Verfügung stehen, wenn die Stadthalle fertig ist, sagt Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe. Auf dem Geißmarkt werden voraussichtlich 50 Stellplätze wegfallen, der Geißmarkt soll gestaltet werden. Aber wenn das zweite Untergeschoss der Tiefgarage wieder öffnet, stehen mehr Parkplätze als jetzt zur Verfügung, sagt Tiefbauamtsleiter Stefan Bouillon. Und: Die Stadt hat umliegende Ämter und Behörden gebeten, bei großen Veranstaltungen ihre Parkplätze zur Verfügung zu stellen. Um Staus zu verhindern, wenn in mehreren Räumen der Stadthalle zeitgleich gespielt wird, sollen die Schlusszeiten gestaffelt werden. Die Stadtwerke kalkulieren mit acht Millionen Euro für die Sanierung der Tiefgarage. Bouillon sagt: „Das halte ich für hoch gegriffen.“
Rund um den Hofgarten liegt der Grundwasserspiegel hoch. Wie lösen die Planer dieses Problem?
Bei der Tiefgarage ist die Lösung relativ einfach. „Gedacht ist eine Art Haus im Haus“, sagt Bouillon. Mit einer sogenannten weißen Wanne, die kein Wasser durchlässt. „Für die Stadthalle selbst ist solch eine Lösung natürlich schwierig“, sagt Architekt Thomas Knerer. „Wir werden verschiedene Abdichtungen vornehmen.“ Auch von innen, um das Wasser, das in der Vergangenheit schwere Schäden angerichtet hat, künftig abzuhalten. „Das ist ein technisches Problem, das gelöst werden muss.“
Wenn die Stadthalle saniert und umgebaut ist, bleibt sie dann trotzdem ein Zuschussbetrieb?
Ja, sagt Kulturreferent Fabian Kern. „Das geht nicht anders. Eine schwarze Null wird es nicht geben.“ Aber: Weil die Räume in der Stadthalle künftig akustisch voneinander getrennt sind, weil sich auch die Betriebsabläufe trennen lassen, können sie parallel genutzt werden. Das, sagt Kern, lässt auf höherer Deckungsbeiträge hoffen. Und: Die Stadt muss sich überlegen, welche Veranstaltungen sie künftig selbst organisieren will. Auch damit lässt sich Geld verdienen.
Hier können Sie den Abend noch mal im Live-Ticker nachlesen.
Sanierung Stadthalle: Bürgerbegehren kommt
Bürgerentscheid: Manipuliert der Stadtrat?
Stadthalle: Streit um Ratsbegehren
Stadthalle: Welche Kostenexplosion?
Stadthalle: Bürgerinitiative gibt Gas