Stadtführung Wo Wagner gewirkt hat

BAYREUTH. Pünktlich um 11 Uhr sollen sich alle Beteiligten der Wagner-Stadtführung vor der Touristeninformation in der Opernstraße treffen. Obwohl nach fünf Minuten Wartezeit nur noch Eveline Pochadt als Gast erscheint, ist Stadtführerin Monika Stock erst verdutzt, freut sich dann aber auf die „Privatführung“ mit der belesenen Wagnerkennerin.

Die Wagner-Stadtführung zeigt die Orte in der Innenstadt, die in Bayreuth für den Komponisten von Bedeutung waren. Monika Stock stellt sich vor die kleine Wagnerfigur am Mühlenbach. 19 Exemplare davon stehen seit 2013 in der Innenstadt, zu Ehren des 200. Geburtstags Richard Wagners. Der Nürnberger Künstler Ottmar Hörl erschuf die Figuren in Wagners Lieblingsfarben – nachtblau, bordeaux- und purpurviolett – ursprünglich für den Festspielpark. Jetzt geben die 19 Stationen Einblicke in Richard Wagners Leben. Monika Stock erklärt die darunter angebrachten Informationstafeln: „Jedes Jahr wechselt das Thema der Tafeln. In diesem Jahr dreht sich alles um die Familie Wagners.“

Markgräfliches Opernhaus zu klein und prunkvoll

Schaut man nur ein bisschen am Mini-Wagner vorbei, blickt man direkt auf das Markgräfliche Opernhaus. Dies ist hier nicht nur der physische Beginn der Wagnerspurensuche. Der Dirigent Hans Richter habe Wagner auf das Markgräfliche Opernhaus aufmerksam gemacht. Dies war wohl der Grund für Wagners ersten Schritt auf Bayreuther Boden. „Bayreuth gefiel Wagner sehr gut, aber das Opernhaus erschien ihm für seine Werke zu klein und prunkvoll, also wurde ein eigenes Festspielhaus geplant“, erzählt die 56-jährige Stadtführerin.

Aus der Stammkneipe gestürmt, wegen eines Hundes

Auch Eveline Pochadt enthüllt sich als Wagnerkennerin. „Ich glaube, dass es Wagner gut in Bayreuth gefallen hat, auch wenn die Anfangszeit schwierig war.“ Besonders die Finanzlast hinderte die Grundsteinlegung des Festspielhauses. „Wagner war auf Gönner angewiesen. Das andere große Problem war, dass die meisten Opern zur Festspielzeit Sommerpause hatten und es schwierig war, Opernsänger für diese Wochen abzuwerben“, erzählt die 68-Jährige. So also startet die Stadtführung. Immer wieder kommt man an Orten vorbei, an denen der Komponist gewirkt, gelebt oder gegessen haben soll – und diese sind allesamt nur einen Katzensprung voneinander entfernt.

Die nächste Station: Gaststätte Angermann. Fast täglich soll Richard Wagner mit seinem Hund hier, wo Kanzel- und Maxstraße sich schneiden, gegessen haben. „Einmal hat sich ein Gast darüber beschwert, dass Hunde in einer Gaststätte nichts zu suchen hätten. Wagner musste deswegen mit seinem Hund gehen und soll anschließend zwei Wochen so wütend gewesen sein, dass er für diese Zeit nicht mehr ins Angermann gehen wollte“, erzählt Monika Stock. Als die Gaststätte Angermann dem Neubau des Bayreuther Postgebäudes weichen musste, besuchte Richard Wagner, und später auch sein Sohn Siegfried, gern die Künstlerkneipe Eule, ein paar Meter vom Angermann entfernt.

Alle Bayreuther sollen zu Wagners Beerdigung Spalier gestanden haben

Ein paar Schritte später landet man in der Friedrichstraße. „Das hier ist eine der schönsten Straßen Bayreuths“, meint Eveline Pochadt. Hier im Steingräber-Haus kreuzen sich Wege: „Edouard Steingräber hat für Wagner Klaviere geliefert. Außerdem hat er auch im Auftrag Wagners das Gralsglockenklavier für den Parsifal fertigen lassen“, weiß Monika Stock. Im Rokokosaal steht zudem der Liszt-Flügel von Wagners Schwiegervater. Auf dem Weg zum Wahnfried-Haus, durchkreuzt man den Hofgarten. „Hier spazierte Wagner gerne mit seiner Familie.“ Im Kanal schwammen damals zwei Schwäne. „ Das war ein Geschenk von Wagners engem Freund und Gönner Ludwig II. Lohengrin war seine Lieblingsoper“, erzählt Eveline Pochadt.

Am Haus Wahnfried angekommen, erzählt Stock, dass Richard Wagner nach seinem Tod in Venedig mit einem Sonderzug nach Bayreuth gebracht wurde: „Alle 18 000 Bayreuther sollen damals Spalier gestanden haben, als Richard Wagner im Februar 1890 vom Bahnhof zum Haus Wahnfried gebracht wurde.“ Beigesetzt wurde er in der Gruft vor der Villa.

Wir sind keine Wagnerianer

Hier endet die Stadtführung. Eveline Pochadt und Monika Stock tauschen sich noch über ihre Verbindung zur Musik Wagners aus. „Es ist ein großer Unterschied, ob man Wagner auf irgendeiner Bühne der Welt hört oder im Festspielhaus. Das ist alles einzigartig auf Wagners Stücke zugeschnitten“, schwärmt Stock. Und Pochadt sagt: „Ich komme jeden Sommer nach Bayreuth. Das ist schon etwas ganz Besonderes.“ Sie erzählt, dass sie erst spät, nach ihrem 50. Lebensjahr, auf Wagner gestoßen sei. Denn ihre Mutter war eine Verfechterin der italienischen Oper – obwohl sie als Geflüchtete aus Karlsbad im Restaurant des Bayreuther Festspielhauses untergebracht war. Stock und Pochadt würden sich aber nicht als Wagnerianer bezeichnen: „Ich bin Musikliebhaberin und ich mag auch Wagner. Die Musik gibt den Menschen etwas.“, sagt Eveline Pochadt. Und Monika Stock stimmt mit ein: „Ich mag Opern sehr, aber Wagner ist anders. Im Gegensatz zur italienischen Oper kann man Wagner nicht zum Bügeln hören.“

 

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