Stadtbücherei Pegnitz Zuflucht in die literarische Welt

Das zurückliegende Corona-Jahr war auch für die Leiterin der Pegnitzer Stadtbücherei, Timke Wessolowski (Bild), und ihre Mitarbeiter eine große Herausforderung. Foto: Ralf Münch/Ralf Münch

Das vergangene Corona-Jahr war für die Leiterin der Pegnitzer Stadtbücherei, Timke Wessolowski, schon eine Herausforderung, denn für viele waren sie und ihre Mitarbeiter ein sozialer Zufluchtsort.

Pegnitz - Die Zahl der Kunden der Stadtbibliothek Pegnitz hat sich eigentlich nicht geändert in der Corona-Zeit, sagt deren Leiterin Timke Wessolowski. Trotzdem war das zurückliegende Jahr eine Herausforderung für sie und ihre Mitarbeiterinnen. Und das Leseverhalten, die Auswahl an Themen hat sich verändert, hat sie festgestellt.

Nach dem Lockdown von Dezember 2019 durften sie dann ab März vergangenen Jahres wieder öffnen. „Diese ständigen Regeländerungen haben die Leute insgesamt, aber auch unsere Büchereinutzer überfordert“, sagt Wessolowski. Eine Maskenpflicht habe es immer gegeben, zeitweise genügte auch eine medizinische. Aktuell ist eine FFP2-Maske die Vorgabe, außerdem gelte die 2G-Regel, also genesen oder geimpft, wobei Kinder bis 14 Jahre keine Nachweispflicht erbringen müssen.

Es gibt neue Lesergruppen

Die Ausleihzahlen haben sich im vergangenen Jahr nicht groß verändert, durchschnittlich gibt es im Monat 3600 Ausleihen an sogenannten physischen Medien – Bücher, Hörbücher, Zeitschriften, DVDs – und 600 an E-Medien. Bei Letzteren ist man in einem Verbund mit 14 anderen Bibliotheken, der E-Ausleihe Franken. Der Bestand der physischen Medien liegt zurzeit bei 19 286 Exemplaren, bei den E-Medien sind es 12 631, so Wessolowski. Viele Kunden kämen auch nicht mehr, weil sie entweder nicht geimpft seien oder einer Risikogruppe angehören, wie zum Beispiel die ältere Generation. „Die haben einfach Angst.“ Und dann seien da auch die Menschen, die grundsätzlich angesichts der Pandemie ihre Außenkontakte kappen. Gleichzeitig gäbe es aber auch wieder neue Lesergruppen, so dass die Anzahl insgesamt gleich bleibe.

„Die Leute suchen literarische Welten als Ausweg in der Corona-Krise zu finden“, sagt die Bibliothekleiterin. Gerne gelesen würden regionale Krimis oder Familiensagas. Gesellschafts- oder politkkritische Werke hingegen hätten es schwer, haben sie und ihre Mitarbeiter beobachtet. „Die Kunden wollen abschalten, suchen Ablenkung vom Alltag“, sagt sie.

Timke Wessolowski liest selber viel – zwar nicht während der Arbeitszeit in der Bücherei –, um ihren Kunden Empfehlungen geben zu können. „Das heißt aber nicht, dass ich jedes Buch von der ersten bis zur letzten Seite durcharbeite“, erklärt sie, „sondern ich lese quer.“ Somit weiß sie die literarischen Eckdaten. Und das reiche dann aus, um entsprechende Empfehlungen zu geben. Außerdem beobachte sie ihre Kunden und deren bisheriges Leseverhalten aufmerksam und wisse dann, was sie als nächste Bücher zum Lesen vorschlagen könne. „So was muss ein guter Bibliothekar können und der Leser merkt auch, ob wir Ahnung haben oder nicht“, ist sie überzeugt. Der Beruf sei nur gut machbar, wenn man viel Eigenengagement zeige. „Manches Buch mag auf den ersten Blick einen unscheinbaren Eindruck machen, aber das täuscht oft.“ Froh ist Wessolowski auch, dass ihre Mitarbeiter das genauso sehen und handeln. Sie sehen das alles nicht als klassische Arbeit an, sondern eher als Privileg, als Erstes an ein Buch zu kommen.

Die tägliche Arbeit könne teilweise sehr trocken und systematisch sein mit der kompletten Organisation im Hintergrund. Da gehe es um Abläufe, das Budget und die Verwaltung unter anderem. Während andere, vor allem größere Bibliotheken gebundene Werke und die dazugehörigen Daten der Bestandsaufnahme auf einem Datenträger geliefert bekommen, machen die Mitarbeiter der Pegnitzer Stadtbibliothek das alles selber, erzählt sie. Alle Daten werden selber ins System eingepflegt und jedes Buch selber eingebunden. „Das hat aber auch den großen Vorteil, dass wir jedes Werk wirklich persönlich kennen“, sagt sie. Sie wissen alle ganz genau, was tatsächlich da ist.

Was sich im vergangenen Jahr geändert habe, sei, dass sie jetzt viel soziale Funktionen übernommen haben, sagt Timke Wessolowski. Viele Kunden suchen das Gespräch mit ihnen, meist geht es um Corona und alles, was da mit dranhängt. Oft seien das private Dinge und Belastungen. Und das gehe eigentlich quer durch alle Gruppen, beträfe Familien, die überlastet sind mit der gegenwärtigen Situation, genauso, wie viele, die sich durch die diversen geltenden Einschränkungen teils zu Tode langweilen, hat sie beobachtet. „Viele Menschen brauchen einfach eine Außenanimation zur Gestaltung ihres Alltags, die sie aber in der Corona-Zeit oft nicht bekommen.“ Es falle vielen Menschen schwer, wegen fehlender Anstöße von außen befriedigt zu leben, sehr viele seien deshalb einsam. „Es ist eine große Herausforderung für uns, neben der sonst übliche Arbeit, die in einer Bibliothek anfällt, die heile Welt hoch zu halten.“ Die Stadtbibliothek biete vielen einen Zufluchtsort, der ihnen ansonsten fehle. Und man merke auch das Auf und Ab in dieser Hinsicht im Laufe des Jahres. So sei es im Sommer einfacher gewesen, als die Infiziertenzahlen etwas niedriger und die Beschränkungen etwas lockerer waren. Jetzt hingegen steige der Bedarf nach Zuspruch wieder an.

„Insgesamt war es doch ein recht anspruchsvolles Jahr für uns“, fasst Timke Wessolowski es zusammen. Aber trotzdem sei sie überzeugt, dass sie und ihre Mitarbeiter es gut hinbekommen haben.

Info: Die Stadtbibliothek Pegnitz ist am Montag, Dienstag und Donnerstag durchgehend von 10 bis 17 Uhr und am Freitag von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Weitere Informationen unter der Telefonnummer 0 92 41/ 7 23 73.

Autor

 

Bilder