Dem Putsch waren monatelange Massenproteste vorausgegangen: Im Dezember gingen die Menschen auf die Straße, um gegen die Erhöhung von Benzin- und Brotpreisen zu protestieren, schon bald forderten die Demonstranten aber auch den Rücktritt Al-Baschirs. Den Protesten hatten sich erstmals breite Bevölkerungsschichten angeschlossen.
Seit Samstag war es zu einer Sitzblockade vor der Militärzentrale in Khartum gekommen, die auch die offizielle Residenz Al-Baschirs ist. Tausende Menschen protestierten friedlich. Zunächst gingen die Sicherheitskräfte hart vor, noch am Wochenende wurden rund 2500 Menschen festgenommen. Einem Ärzteverband zufolge kamen mindestens 21 Menschen ums Leben. Doch diese Woche gab es erste Zeichen, dass Teile der Sicherheitskräfte die Demonstranten gewähren ließen - ein Hinweis auf Risse im Machtsystem Al-Baschirs.
Noch im Februar hatte Al-Baschir (75) einen Ausnahmezustand verhängt, seine Regierung und Regionalregierungen aufgelöst und erklärt, er würde als Chef der Regierungspartei zurücktreten. Doch das entschärfte die Lage nicht, sondern ermutigte die Demonstranten eher.
Al-Baschir hatte sich 1989 unblutig an die Macht geputscht. Seine Zukunft ist noch ungewiss. Er wird per Haftbefehl vom Internationalen Strafgerichtshof gesucht. Ihm werden im Darfur-Konflikt, in dem Regierungskräfte und Milizen ab 2003 brutal gegen Volksgruppen im Westen des Landes vorgingen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Völkermord und Kriegsverbrechen vorgeworfen.
Der Sudan ist kein Mitgliedsstaat des Gerichts und es ist ungewiss, ob Al-Baschir ausgeliefert werden wird. Ein Prozess in Den Haag dürfte nicht im Interesse der Militärmachthaber sein, weil dann auch die Rolle der Streitkräfte untersucht würde.
In etlichen Ländern der arabischen Welt haben in den vergangenen Jahren Massenproteste zum Sturz langjähriger Herrscher geführt: in Tunesien, Ägypten, Libyen, im Jemen und zuletzt in Algerien.
Der Sudan mit seinen rund 40 Millionen Einwohnern ist einem UN-Index zufolge eines der 25 ärmsten Länder der Welt. Bis zur Abspaltung des Südsudans war die Wirtschaft stark vom Öl abhängig, das der Weltbank zufolge die Hälfte der Staatseinnahmen und 95 Prozent der Exporte ausmachte. Doch 2011 verlor der Sudan die meisten Ölfelder. 2019 wird dem Internationalen Währungsfonds zufolge mit einem Schrumpfen der Wirtschaftsleistung um 2,3 Prozent gerechnet.