Staatliche Förderung So können Schwerbehinderte ihren Job behalten

Udo Hernberger und das Flurförderfahrzeug, das seinen Arbeitsplatz sicherte. Foto: Klaus Trenz

BAYREUTH/PEGNITZ. Die Zahl der Schwerbehinderten in Bayern nimmt seit Jahren zu, rund 1,22 Millionen waren es Ende 2018. Damit sie ihren Arbeitsplatz behalten oder überhaupt ins Berufsleben einsteigen können, gibt es Fördermittel vom Staat. Verteilt wird dieses Geld, das aus der sogenannten Ausgleichsabgabe stammt, vom Inklusionsamt im Zentrum Bayern Familie und Soziales (ZBFS) mit Sitz in Bayreuth.

Udo Hernberger hat Probleme beim Laufen und beim Stehen. Die Füße und zunehmend auch die Knie machen nicht mehr richtig mit. Ein schleichender Prozess, seit Jahren. Irgendwann ein ärztliches Attest – der 54-Jährige darf nicht mehr auf Leitern klettern. „Da bekommt man plötzlich richtig Angst um seinen Arbeitsplatz“, sagt er. Denn Hernberger arbeitet im KSB-Werk in Pegnitz als Lagerist. Und da muss er immer wieder auf Leitern steigen, um aus Hochregalen Material zusammenzustellen. Ein sicherer Stand ist da Grundvoraussetzung, denn die Hände müssen frei sein.

Mittlerweile ist Udo Hernbergers Arbeitsplatz wieder sicher. Statt unter großer Anstrengung auf Leitern zu steigen, nutzt er bei seiner Arbeit jetzt ein elektrisch betriebenes Flurförderfahrzeug, auf dem er durch die Regalgänge fahren kann. Hat er die richtige Stelle erreicht, fährt er die Plattform, auf der er steht, nach oben und sortiert die entsprechenden Teile ein- oder aus. Für den sicheren Stand sorgen dabei automatische Stützgitter hinter seinem Rücken.

Bis zu 90 Prozent Förderung

Knapp 14.000 Euro hat das Fahrzeug gekostet, 90 Prozent davon bekam das Unternehmen vom ZBFS. „Wir unterstützen Betriebe verstärkt, neue Arbeits- und Ausbildungsplätze für Menschen mit Behinderung zu schaffen, aber auch bestehende zu sichern“, sagt Norbert Kollmer, Präsident der Landesbehörde. 60,8 Millionen Euro an solchen Hilfen hat das ZBFS im vergangenen Jahr an Arbeitgeber ausgezahlt, ein Rekordwert. Hinzu kamen rund 5,2 Millionen Euro an direkten Hilfen für Behinderte – nahezu eine Verdoppelung gegenüber 2010, so Kollmer.

60 Prozent erfüllen Quote nicht

Gespeist werden die entsprechenden Töpfe aus der Ausgleichsabgabe, die alle Unternehmen zahlen müssen, die die gesetzliche Beschäftigungsquote für Behinderte nicht erfüllen. Diese gilt für Firmen ab 20 Mitarbeiter und liegt bei fünf Prozent. Je nachdem, wie nahe man dieser Quote kommt, beträgt die Abgabe zwischen 125 und 320 Euro pro nicht entsprechend besetztem Arbeitsplatz und Monat. 113 Millionen Euro kamen dadurch 2018 zusammen. Gut 60 Prozent oder knapp 27.000 Unternehmen im Freistaat erfüllten ihre Quote nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit nicht. 7000 beschäftigten sogar gar keine schwerbehinderten Menschen mit einem Behinderungsgrad von mindestens 50 Prozent.

Technischer Berater

Bei KSB ist das anders. Gut 1600 Mitarbeiter hat das Werk in Pegnitz, 97 davon sind schwerbehindert, sagen Personalverantwortliche Marion Fischer sowie Betriebsrat und Schwerbehindertenvertreter Harald Schöberl. Kontakte zum ZBFS gibt es da schon lange, und auch im Fall von Udo Hernberger wandte sich Marion Fischer an die Behörde. Zusammen mit Michael Puchtler wurde an einer Lösung gearbeitet. Er ist beim ZBFS als technischer Berater für Oberfranken zuständig und beschreibt seine Aufgabe so: „Wir entwickeln gemeinsam mit den Betrieben auf den Einzelfall abgestimmte, betriebswirtschaftlich sinnvolle Lösungen, damit bestehende Arbeitsplätze schwerbehinderter Menschen erhalten bleiben und neue geschaffen werden.“

Puchtler kam in den Betrieb, nahm den Arbeitsplatz und seine Herausforderungen genau unter die Lupe und und sprach natürlich unter anderem mit Udo Hernberger und dessen Abteilungsleiter Manfred Fröba. Für Letzteren eine große Erleichterung, denn: „Das ist auch für einen Vorgesetzten eine ungewohnte Situation. Da kommt ein Mitarbeiter plötzlich mit einem Attest und du fragst dich: Was mache ich jetzt mit ihm?“

Erfahrung und Wissen erhalten

Die Lösung war schließlich der Vorschlag von Michael Puchtler mit dem Flurförderfahrzeug. Schwerbehindertenvertreter Harald Schöberl betont, dass KSB zu seiner sozialen Verantwortung als Arbeitgeber stehe. Doch räumen die Verantwortlichen auch ein, dass eine Weiterbeschäftigung nicht möglich ist, wenn wegen der Beeinträchtigungen des Mitarbeiters weder eine Versetzung noch eine Lösung am aktuellen Arbeitsplatz möglich ist. Zuvor müsse aber alles versucht werden, um Erfahrung und Wissen des Mitarbeiters für das Unternehmen zu erhalten, sagt Marion Fischer.

So wie bei Udo Hernberger, der 1981 eine Ausbildung als Teilezurichter bei KSB begann und seit nunmehr 25 Jahren als Lagerist tätig ist. „Ich habe zwar rund ein halbes Jahr gebraucht, bis ich das Fahrzeug wirklich ganz und gar beherrscht habe. Aber jetzt kann ich meine Arbeit wie vorher machen. Ich bin zufrieden“, sagt er.

INFO:Michael Puchtler ist unter Telefon 09 21/6 05 28 12 oder per Mail unter der Adresse Team45.Ofr@zbfs.bayern.de zu erreichen. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.zbfs.bayern.de

 

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