Spielersuche Der Weg zum passenden "Hero of tomorrow"

„Er muss nicht scoren, um zum Erfolg beizutragen“, sagt Matthias Haufer über die Rolle von James Woodard – aber er kann. Foto: Peter Kolb

BASKETBALL. Viele hundert Spieler sind in jedem Jahr auf dem Markt, wenn die Mannschaften in Europa ihre Aufgebote für die kommende Saison zusammenstellen. Aus diesem Angebot die passenden Leute herauszufinden, ist die Aufgabe von Matthias Haufer. Der Sportdirektor von Medi Bayreuth musste in diesem Sommer sogar nach Neubesetzungen für nahezu alle Positionen im Kader suchen.

Haufer erklärt den Vorgang am Beispiel von James Woodard, der Mitte Juni als erster Neuzugang vorgestellt worden ist. Der 25-jährige, 1,91 m große amerikanische Shooting Guard kam aus Nordmazedonien, wo er mit Aerodrom Skopje die Landesmeisterschaft gewonnen hatte. Zuvor hatte er in Litauen gespielt und in der 2. Liga Frankreichs, was ihn für den Sportdirektor zum klassischen Vertreter der Klubphilosophie von den „Heroes of Tomorrow“ macht: „Weil er bisher eher unter dem Radar in zwar durchaus hochwertigen, aber wenig beachteten Ligen aktiv war. Er hat bereits erste Europaerfahrung, ist aber noch jung, entwicklungsfähig und heiß auf eine Chance auf dem Niveau der BBL.“

Schon seit 2016 auf dem Schirm

Zudem sei der Fall Woodard ein Modellbeispiel für einen sinnvollen Weg zu einer Spielerverpflichtung. Schon seit seinem College-Abschluss 2016 an der Tulsa University in Oklahoma habe man diesen Spieler „stets peripher auf dem Schirm“ gehabt. Konkreter sei das Interesse dann während der vergangenen Saison geworden: „Die erste Anfrage an die Agentur gab es Ende Februar. Es folgten intensive Spielbeobachtung und Untermauerung des Gesehenen durch Statistiksoftware.“ Jene Eigenschaften, die sich aus Statistiken nicht ablesen lassen, erforsche man am besten in ausführlichen Recherchen bei Trainern und Managern sowie abschließend natürlich vor allem im persönlichen Gespräch zusammen mit Trainer Raoul Korner. Dabei habe man „charakterlich exzellente Referenzen“ erhalten, unter anderem von Woodards früherem Coach in Frankreich (Rouen), Rémy Valin. Diese Vorschusslorbeeren könne man inzwischen auch bestätigen: „James ist ein sehr angenehmer Zeitgenosse: kein Lautsprecher, eher zurückhaltend, sehr bescheiden, fleißig und arbeitswillig.“

DUNK.FM - Alle medi Bayreuth Basketball Spiele live im Audiostream

Auch auf dem Feld entspricht der Amerikaner Haufers Vorstellungen von einem „Shooting Guard, der auch gelegentlich die Ballführung übernehmen kann und bei einer kleinen Aufstellung auf Position drei rückt“. Er müsse nicht unbedingt scoren, um zum Erfolg beizutragen: „Er leistet seriöse Verteidigungsarbeit mit viel Präsenz in der Defensive und schnellen Händen, reboundet und liefert bisher stets gute Werte bei der Effektivität und im Plus-Minus.“ Aber auch als Schützen müsse der Gegner den Linkshänder respektieren: „Er kann sich seinen Wurf aus dem Dribbling kreieren und sich Platz schaffen. Er ist aus der Distanz gefährlich, aber auch athletisch genug, um zum Korb zu ziehen.“

"Ich bin begeistert, wie sauber Deutschland ist"

James Woodard seinerseits zeigt sich ebenfalls zufrieden mit seiner Entscheidung für Deutschland, zu der ihm nicht zuletzt sein guter Freund Josh Young (Vechta) geraten hatte: „In Mazedonien und vor allem in Litauen war es nicht immer ganz einfach, was die Lebensumstände angeht. Da geht es in Bayreuth deutlich komfortabler und professioneller zu. Ich bin begeistert, wie sauber Deutschland ist!“ An Bayreuth gefalle ihm vor allem der Stellenwert, den der Basketball in der Stadt genießt: „Als ich gerade mal ein paar Tage hier war, bin ich in der Fußgängerzone schon von Medi-Fans erkannt und angesprochen worden. Das ist bisher so nicht passiert.“

Das Wohlgefühl des Neu-Bayreuthers dürfte sich während der Saison noch steigern. Seine Frau Emily, die er kurz vor dem Abflug nach Deutschland geheiratet hat, erwartet nämlich dem Vernehmen nach ein Kind.

Info: Zur Unterscheidung von James Robinson wird James Woodard im Medi-Team nur „Juice“ gerufen. Diesen Spitznamen bekam er schon an der High School, weil er angeblich einer Hauptfigur aus dem gleichnamigen Spielfilm aus den 90er Jahren ähnlich sieht.

 

0 Kommentare

Kommentieren

  1. Passwort vergessen?
  2. * = Pflichtfeld
Sie haben noch keinen Benutzer-Zugang? Jetzt registrieren!

Wenn Sie einen Kommentar verfassen, so wird dieser unter Ihrem Klarnamen, also dem von Ihnen angegebenen Vor- und Nachnamen veröffentlicht. Sollte Ihr Kommentar nicht sofort erscheinen, bitten wir Sie um etwas Geduld. Wir behalten uns vor, Kommentare vor der Veröffentlichung zu prüfen. Bitte beachten Sie hierzu auch unsere Netiquette.

loading