SPD und FDP wollen in VGN

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Soll der Landkreis Kulmbach dem Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) beitreten? In den Kreistagsfraktionen sind die Meinungen höchst unterschiedlich. SPD und FDP wagen jetzt einen neuen  Vorstoß.

Die SPD will auf alle Fälle am Thema VGN dranbleiben. Dafür lud sie am Dienstag zu einer Diskussion über den möglichen VGN-Beitritt des Landkreises Kulmbach ein. Gesprächspartner waren der Landrat des Landkreises Roth und der ehemalige VGN-Geschäftsführer Willi Weißkopf. Die SPD hatte im Kreisausschuss angemahnt, dass bereits zweimal beschlossen worden sei, die Bürger in einer öffentlichen Veranstaltung über den Verkehrsverbund zu informieren. Auch hatte sie gefordert, den VGN-Geschäftsführer in den Kreistag einzuladen. Nach Kurier-Informationen sollen in dieser Woche tatsächlich Gespräche mit VGN-Vertretern geführt werden - allerdings hinter verschlossenen Türen.

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Zieht Kulmbach doch noch nach?

Seit dem Jahr 2006 setzt sich die SPD-Kreistagsfraktion dafür ein, dass sich der Landkreis Kulmbach dem Verkehrsverbund in der Metropolregion Nürnberg anschließt. Aufgrund der angespannten Haushaltssituation machte der Landkreis einen Rückzieher vom für 2014 angedachten Beitritt. Der Verkehrsverbund umfasst mittlerweile eine Fläche von rund 14 000 Quadratkilometern. Ein Gebiet, in dem 2,6 Millionen Einwohner leben. Stadt und Landkreis Bamberg und Bayreuth gehören dazu, die Landkreise Lichtenfels und Forchheim. Nur Kulmbach noch nicht.

"Thema ist noch nicht beerdigt"

"Für uns ist das Thema noch nicht beerdigt", sagt Simon Moritz, Vorsitzender der SPD-Kreistagsfraktion. "Wir bemühen uns weiter um eine Beitrittsperspektive." Viele Menschen wüssten gar nicht, welche Preisvorteile der VGN, gerade Umsteigern biete. Doch der Beitritt allein würde rund 900.000 Euro kosten, die folgenden fünf Jahren seien je rund 430.000 Euro zu bezahlen. Moritz hat zwar durchaus Verständnis für das Kostenargument, sagt aber: "Wie hoch die jährlichen Kosten ausfallen, weiß man nicht genau. Auf lange Sicht könnten sie sogar sinken, wie das Beispiel Roth zeigt." Zum Vergleich: Vier Kilometer Radweg würden ebenfalls 400.000 Euro kosten. "Ist das nun viel oder wenig? Es kommt doch immer darauf an, was man für das Geld bekommt."

Preisvorteil für die Kulmbacher

Im Kreistag hieße es zuletzt, die Tarife im Verkehrsraum Kulmbach im Umkreis von 20 bis 25 Kilometern würden sich von den VGN-Tarifen kaum unterscheiden. Darüber hinaus seien die anfallenden Ausgleichszahlungen relativ hoch. Weil mehr Kulmbacher mit Preisvorteil nach Nürnberg pendeln als umgekehrt Nürnberger nach Kulmbach fahren. Die Kosten richten sich nach Moritz auch nach der geografischen Lage und den Schienenkilometern. Das zeige das Beispiel Lichtenfels: "Deren Kosten sind nur halb so hoch wie die von Kulmbach."

Das gleiche Ziel wie die SPD nur über einen anderen Weg streben die FDP-Kreisräte Thomas Nagel und Veit Pöhlmann an. In einem aktuellen Antrag bitten sie den Kreistag, eine Resolution zum Regionalverkehr in der Metropolregion Nürnberg zu verabschieden.

Zwischen Nah- und Fernverkehr

Sie sehen in der "aktuellen Struktur des Öffentlichen Personenverkehrs" das Haupthindernis für einen Anschluss an das VGN-Netz.  "Allein die Entfernung zwischen der Großen Kreisstadt Kulmbach und Nürnberg von rund 100 km zeigt, dass es sich bei diesem nicht um ÖPNV, sondern um ein Regionalverkehrssystem (RPNV) handelt", heißt es in ihrem Antrag.

Das dürfe aber nicht länger dazu führen, dass den Menschen im Einzugsbereich der Metropolregion Nürnberg ein attraktives Angebot an Öffentlichem Personenverkehr vorenthalten werde. "Da es offensichtlich noch keinen Baustein für diesen Verkehrsbedarf zwischen Öffentlichem Personenfernverkehr und Öffentlichem Personennahverkehr gibt, erscheint es dringend geboten, eine eigene Kategorie für diesen vor allem für den ländlichen Raum benötigten ÖPRV zu schaffen."

Ländlicher Raum benötigt Mobilitätshilfe

Dafür dürften jedoch nicht die Kommunen als Aufgabenträger herangezogen werden, sondern dafür müssten Landesmittel bereit gestellt werden. Grundidee der Tarifstruktur dürfe nicht mehr die im zurückgelegte Entfernung sein. Vielmehr sollten sich die Preise nach den "erreichbaren Einwohnern und Einrichtungen" richten.

"Vor diesem Hintergrund fordert der Kreistag Kulmbach die Bayerische Staatsregierung und den Bayerischen Landtag auf, zeitnah und vordringlich, die Voraussetzung für einen ÖPRV im Bereich der Metropolregion Nürnberg zu schaffen", formulieren die FDP-Kreisräte in ihrem Antrag.

Die Grünen hatten zuletzt eine Nutzerumfrage für den ÖPNV angeregt. CSU und Freie Wähler hatten im Kreistag vor den hohen Beitritts-Kosten gewarnt. Auch gibt es Befürchtungen, dass sich der VGN negativ auf den Kulmbacher Stadtbusverkehr auswirken könnte.