SPD-Kandidat Simon Moritz auf Platz zwei Kulmbacher Sozialdemokraten feiern Olaf Scholz

Stefan Linß
Mit Erstaunen reagieren Direktkandidat Simon Moritz (Zweiter von links) und die Parteianhänger der Kulmbacher SPD auf die erste Prognose zur Bundestagswahl. Foto: /Linß

Die SPD fühlt sich beflügelt. Direktkandidat Simon Moritz trägt seine Niederlage gegen Emmi Zeulner mit Fassung.

Kulmbach - Der Start war verhalten. Doch im Laufe des Sonntagabends kam bei der SPD in der Kulmbacher Kommunbräu mehr und mehr Partystimmung auf. Simon Moritz, der für den Wahlkreis Kulmbach, Lichtenfels und Bamberger Land in den Bundestag einziehen wollte, hat zwar klar gegen Amtsinhaberin Emmi Zeulner von der CSU verloren. Er erhielt nur gut 16 Prozent der Erststimmen. Trotzdem sei die erfolgreiche Aufholjagd seiner Partei unter dem Strich ein riesiger Erfolg, sagte der 37-Jährige. Vom Aufwind bei der Bundestagswahl beflügelt, feierten die Sozialdemokraten ihren Kandidaten Olaf Scholz.

Als um 18 Uhr die erste Prognose auf der Videoleinwand erschien, war der Jubel allerdings noch recht gedämpft. „Die Umfragen haben mehr Grund zum Optimismus gegeben“, sagte Simon Moritz in einer ersten Reaktion. „Aber ich bin überzeugt, dass wir im Laufe des Abends als stärkste Partei hervorgehen.“ Gut eine Stunde später trat Kanzlerkandidat Olaf Scholz zum ersten Mal vor die Kameras. Die Genossen im Kommunbräu-Saal reagierten mit deutlichen Gefühlsregungen und zum ersten Mal brandete Applaus auf. Mehr und mehr Sozialdemokraten aus dem Landkreis trafen ein, um mitzufeiern.

Bei aller Euphorie kann Simon Moritz mit seinem Abschneiden nicht zufrieden sein. Über die wiedergewählte Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner sagte der SPD-Kandidat: „Sie hatte natürlich einen gewissen Amtsbonus. Und den hat sie sich auch erarbeitet.“ Zeulner habe viele Erststimmen von Bürgern erhalten hat, die mit der Zweitstimme nicht die CSU gewählt haben. Das zeige, dass die Menschen sehr stark differenzieren, dass sie grundsätzlich mit der Kandidatin zufrieden waren und der Partei einen Denkzettel verpassen wollten.

Die SPD habe ihr Potenzial in Kulmbach abrufen können, aber nicht im gesamten Wahlkreis, stellt Simon Moritz fest. „Ein, zwei Prozentpunkte hätten es für mich schon mehr sein können.“

Am Wahlsonntag hatte sich Moritz noch einmal an alle Bürger gewandt mit den Worten: „Bitte geht wählen und stärkt unsere Demokratie. Sie hat es verdient.“ Den Aufruf verbreitete er über seine Facebook-Seite „Simon Moritz – Für uns nach Berlin“. Der Kulmbacher hat zum zweiten Mal Emmi Zeulner herausgefordert. 2013 unterlag er mit 22,8 Prozent der Erststimmen bereits klar seiner CSU-Konkurrentin. Bei der Wahl 2021 betrug sein Stimmanteil nur noch 16,2 Prozent.

SPD-Kreisvorsitzende Inge Aures bedankte sich bei Simon Moritz für das Engagement. Er habe sich wacker geschlagen, sagte sie. Der Wahlkampf sei in Zeiten der Pandemie für den Herausforderer enorm schwierig gewesen. Klassische Veranstaltungen und Gesprächsrunden mit Bürgern fanden überhaupt nicht statt. Die Arbeit wurde zu einem großen Teil auf die Social-Media-Kanäle im Internet verlagert. Aber dort seien eben nicht alle Menschen zu erreichen. „Das war der schwierigste Wahlkampf, den ich jemals hatte“, sagte Inge Aures.

Spitzenkandidat Olaf Scholz habe allen Widrigkeiten zum Trotz enorm viel erreicht. „Der Olaf hat uns richtig rausgerissen“, betonte die SPD-Kreisvorsitzende. Bei dieser Wahl war der Kandidateneffekt sehr ausgeprägt. „Er hat das Format, Kanzler zu sein und das Land zu führen.“ Bei den Menschen, die sich an die Wahlkampfständen informiert haben, seien aber auch die Sachthemen angekommen, für die die SPD stehe. Dass von den geplanten zwölf Euro Mindestlohn alle Steuerzahler profitieren, das haben die Wähler registriert, sagte Inge Aures. „Wir können heute Abend total zufrieden sein“, sagte der Kulmbacher Oberbürgermeister Ingo Lehmann. „Kontinuität zahlt sich aus.“ Es sei feststellbar, dass ein Ruck durch die ganze Partei geht.

 

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