Sparkasse schließt 15 Standorte

Von Thorsten Gütling

"Das ist der schwarze Freitag für den Landkreis", sagt Gerd Hofmann. Der Bürgermeister der Gemeinde Ahorntal hat erfahren, dass die Sparkasse Bayreuth die Filiale in seiner Gemeinde schließt. So wie fünf andere Bürgermeister das über ihre Gemeinden auch erfahren haben. Und selbst in der Stadt Bayreuth fallen drei Geschäftsstellen und sechs Bankautomaten weg. Von einem Kahlschlag ist die Rede.

Die Sparkasse Bayreuth will in Stadt und Landkreis Bayreuth insgesamt 15 Standorte schließen. Teils bleiben Geldautomaten zurück, in vielen Fällen aber gar nichts. Archivfoto: Ronald Wittek Foto: red

Diese Standorte sind betroffen

Die Sparkassen in Hummeltal, Mehlmeisel und Meyernberg schließen ganz. Dort werden auch die Automaten abgebaut. Auch an sechs weiteren Standorten, an denen es sowieso nur noch einen Automaten gab, werden diese abgezogen. Und zwar an der Hohen Warte, am Klinikum, in Kreuz, Laineck, Neue Heimat und Obernsees. In Aichig, Bischofsgrün, Goldkronach und Warmensteinach sollen nach der Schließung die Automaten erhalten bleiben. In Kirchahorn nur bis zur Eröffnung eines geplanten Dorfladens. Dann könnte dort ein sogenannter Cash-Point entstehen. An der Ladenkasse könnte man sich dann Geld von seinem Konto ausbezahlen lassen. Dazu kommt das Ende der Geschäftsstelle Opernstraße , wenn im Dezember der Neubau am Luitpoldplatz eröffnet werden soll.

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Der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Bayreuth, Wolfram Münch, sagt: "Ein Filialnetz, ähnlich wie in den 80er Jahren anzubieten, ist in der heutigen Minuszinsphase unbezahlbar.“Die Geschäftsstellen in den betroffenen Orten würden immer seltener aufgesucht heißt es weiter. Außerdem seien die Sparkassen heute verpflichtet, mehr Eigenkapital zurückzulegen. Und: Weil es für Geld nur noch sehr geringe Zinsen gebe, müsse anderswo gespart werden.

Kreis- und Stadträte haben zugestimmt

Den Schließungen an insgesamt 15 Standorten zum 1. November, hatte zuvor der Verwaltungsrat der Sparkasse zugestimmt. Weil der Träger der Sparkasse ein Zweckverband aus den Städten Bayreuth und Pegnitz, sowie dem Landkreis Bayreuth ist, sitzen dort auch zehn Stadt- und Kreisräte.

Merk-Erbe erklärt sich

Vorsitzende des Verwaltungsrats ist seit Frühling diesen Jahres die Bayreuther Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe. Sie sagt, die Sparkasse habe darauf geachtet, dass auch künftig jeder eine Sparkasse gut erreichen könne. So lägen zwischen dem zu schließenden Standort Hohe Warte und der Alternative im Hussengut nur 900 Meter. Genauso zwischen den Standorten Kreuz und Roten Hügel. Die Sparkasse Bayreuth unterscheidet sich deutlich von einer Geschäftsbank. Merk-Erbe wehrt sich  außerdem gegen den Vorwurf, der von den Schließungen im Landkreis betroffenen Bürgermeister. Demnach sei die Sparkasse noch immer deutlich von einer Geschäftsbank zu unterscheiden. Zur Begründung nennt Merk-Erbe nicht nur die wesentlich höhere Anzahl an Standorten, sondern auch die Tatsache, dass dort auch sozial schwächere ein Girokonto führen könnten.

Hohl: "Betriebswirtschaftlich motiviert"

Auch der frühere Bayreuther Bürgermeister Michael Hohl (CSU) ist Mitglied des Verwaltungsrats. Er sagt: "Das Geschäftsmodell der Sparkasse ist im Kern das einer Bank. Und die Schließungen sind betriebswirtschaftlich motiviert." Hohl nennt aber auch die im Sparkassengesetz geregelten, weiteren Aufgaben: Präsent sein und die Bevölkerung mit Geld zu versorgen. "Und das bleibt auch weitestgehend gewährleistet", sagt Hohl.

Bauske: "Eine unsoziale Entscheidung"

Der Vorsitzende der SPD-Stadtratsfraktion, Thomas Bauske, hat die Entscheidung auch mitgetragen. Weil die Sparkasse ihrem Versorgungsauftrag nur so auch noch in den nächsten zehn Jahren nachkommen könne. Bauske sagt: Wenn in jedem Ort ein Geldautomat bestehen bleiben sollte, dann müssten auch alle Einwohner bei der Sparkasse ein Konto führen. Durch das Abziehen von zehn Geldautomaten könnten in zehn Jahren drei Millionen Euro gespart werden, sagt Bauske. Bauske sagt aber auch: "Als Sozialdemokrat gefällt mir die Entscheidung überhaupt nicht, weil sie unsozial ist. Weil es vor allem die Alten trifft."

Der Stadtrat der Bayreuther Gemeinschaft (BG), Ernst-Rüdiger Kettel, erklärt: Anders als Geschäftsbanken hätten die Sparkassen keine andere Chance, als ihre Geschäfte über Spareinlagen oder Sparmaßnahmen zu refinanzieren. Und erstere würden aufgrund der von der Europäischen Zentralbank verordneten niedrigen Zinsen derzeit keine Gewinne abwerfen.

Der Landrat ist nicht zu sprechen

Allen Nachfragen entzogen hat sich Landrat Hermann Hübner (CSU). Hübner wollte sich bereits am Donnerstag nicht zu seiner Entscheidung äußern und ließ auch gestern alle Anfragen unbeantwortet.

Dafür aber die betroffenen Bürgermeister

Vor wenigen Wochen war Gerd Hofmann noch hoffnungsvoll. Nach dem Ende der Volksbank-Raiffeisenbankfiliale in Kirchahorn sagte der Bürgeremeister: "Ich hoffe, das wird den Standort der Sparkasse stärken." Jetzt hat sich die Hoffnung zerschlagen und Hofmann sagt: "Das ist bodenlos, das ist ganz ganz schlimm. Innerhalb von vier Wochen zieht alles weg."

Hofmann: "Gerade jetzt wo wir einen neuen Ortskern planen"

Betriebswirtschaftliche Gründe will Hofmann nicht gelten lassen. Er sagt: "Im Verwaltungsrat sitzen gewählte Politiker, die haben für unsere Daseinsvorsorge zu sorgen." Die Sparkasse sei schließlich in kommunaler Hand, habe einen öffentlichen Auftrag. Für Hofmann kommt die Schließung zum denkbar schlechten Zeitpunkt. In unmittelbarer Nachbarschaft zur Sparkasse und Schule ist ein Dorfladen und der Neubau des Ahorntaler Rathauses geplant. "Das eine hätte dem anderen helfen können", sagt Hofmann, der vor allem das angebliche Einsparpotenzial der Sparkassenschließung nicht nachvollziehen kann. Die Immobilie gehöre der Sparkasse sowieso, die Mitarbeiter würden künftig in Waischenfeld weiter beschäftigt, wo die Geschäftsstelle deshalb künftig fünf statt bisher drei Tage geöffnet haben soll. Immerhin: Der Geldautomat werde bis zur Eröffnung des Dorfladens in Kirchahorn bleiben, heißt es von der Sparkasse.

Nebenschauplatz: Chancen für eine VG schwinden

Die Chancen auf einen Zusammenschluss der Gemeinden Waischenfeld und Ahorntal zur Verwaltungsgemeinschaft seien mit der Entscheidung eher gesunken als gestiegen. Hofmann sagt: Widerstand gegen einen Verwaltungssitz in Waischenfeld habe es schon zuvor im Gemeinderat gegeben. Jetzt sei ein Umzug ausgeschlossen. "Sonst blutet Ahorntal ja ganz aus und dafür bin ich nicht gewählt", sagt Hofmann.

Und Hofmann (FWG) macht allenvoran die Vertreter der CSU für den Kahlschlag verantwortlich. Mit Wolfgang Degen, Sabine Habla, Michael Hohl, Manfred Vetterl, Harald Rehm und Landrat Hermann Hübner sitzen tatsächlich sechs Abgeordnete der CSU im Verwaltungsrat der Sparkasse. Und Hofmann sagt: "Angeblich will die CSU das flache Land stärken, tatsächlich lässt sie es jetzt ausbluten."

Meyer: "Erkenne des Wohl der Gemeinde nicht"

Patrick Meyer (CSU), der seinem Ärger über den Anzug der Sparkassenfiliale samt Geldautomat bereits im Kurier Platz gemacht und mit einem Austritt aus der Kreistagsfraktion der CSU gedroht hat, sagt: "Ich kann die Entscheidung zum Wohle des Landkreises nicht erkennen." Die Niedrigzinsphase werde eines Tages enden, die Geschäftsstellen würden aber nicht zurück kommen. Meyer sagt: "Gemeinden, die den Landkreis kein Geld kosten und nie Ärger gemacht haben, werden jetzt bestraft."

Bär: "Ich bin maximal enttäuscht"

"Maximal enttäuscht" ist auch der Goldkronacher Bürgermeister Holger Bär. Immerhin bleibt dort nach Schließung der Geschäftsstelle ein Bankautomat erhalten. Aber auch Bär spricht von einem "Kahlschlag ohne Anzeichen", verursacht durch politische Mandatsträger. Auf einen schlag werde das ganze Fichtelgebirge geschwächt An die Adresse der Kreisräte und des Landrats sagt Bär: "Auf der einen Seite entwickeln wir ein seniorenpolitische Gesamtkonzept, und auf der anderen machen wir das leben auf dem Land mit so einer Entscheidung schwerer." Stephan Unglaub, Bürgermeister in Bischofsgrün, reagiert gefasst. Auch dort schließt die Geschäftsstelle aber bleibt ein Geldautomat erhalten. Und Unglaub sagt: "Aus geschäftlicher Sicht ist die Entscheidung nachvollziehbar". Dass ein Automat bleibt, bezeichnet er als befriedigend.

Tauber: "Was wird jetzt aus den Skifahrern?"

Nicht überrascht vom Abzug der Geschäftsstelle samt Geldautomat ist der Mehlmeisler Bürgermeister Franz Tauber. Über eine Schließung sei vorn einigen Jahren schon geredet worden. Jetzt stelle sich aber nicht nur die Frage, wie die alten, nicht mobilen Bürger an Bargeld kommen, sondern auch die Skifahrer von den Klausenliften und die Besucher des Wildparks. Axel Hermann, der Bürgermeister von Warmensteinach, war im Urlaub nicht erreichbar. Genauso nicht der  Mistelgauer Bürgermeister Karl Lappe.

Rabenstein: "Einbußen müssen von allen getragen werden"

Der SPD-Landtagsabgeordnete Christoph Rabenstein schreibt in einer Pressemitteilung, es würde vor allem die Orte treffen, die eh schon strukturelle Schwierigkeiten haben. "Erst verschwindet das Lebensmittelgeschäft aus dem Ort, dann die Bank – das ist ein katastrophales Signal", schreibt  Rabenstein. "Man muss sich nicht wundern, dass Orte unattraktiv für junge Menschen werden, wenn sie sehen, wie in den Gemeinden langsam überall die Lichter ausgehen.“ Rabenstein fordert die Verantwortlichen der Sparkasse deshalb dazu auf, die Pläne zu überdenken und den Kahlschlag zu stoppen. Rabenstein bezieht sich auf das Sparkassengesetz, in dem es heiße: „Sie haben durch geeignete Einrichtungen den Sparsinn der Bevölkerung zu pflegen und den bargeldlosen Zahlungsverkehr in jeder Weise zu fördern.“ Wenn einige Filialen unwirtschaftlich seien, dürfe das nicht zu Lasten der dortigen Bevölkerung gehen, sondern müsse vom gesamten Sparkassengebiet aufgefangen werden, sagt Rabenstein.

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