Er hat, sagt er, mit seinem Geschäftsleiter gesprochen und entschieden, die Konten der Gemeinde Mehlmeisel zum 1. Januar 2017 abzuziehen und zur Sparkasse Oberpfalz Nord zu wechseln. "Wir wollen damit ein Zeichen setzen."
Wenn der Mehlmeisler Bürgermeister Franz Tauber sein neues Auto bekommt, wird auf seinem Nummernschild nicht mehr BT für Bayreuth stehen. Sondern KEM für Kemnath. Und auch die Geldgeschäfte der Gemeinde wird Tauber künftig über die Oberpfalz regeln. Seit die Sparkasse ihren Rückzug aus vielen Orten im Landkreis verkündet hat, ist Tauber stinksauer. Jetzt zieht er die Konsequenzen.
Er hat, sagt er, mit seinem Geschäftsleiter gesprochen und entschieden, die Konten der Gemeinde Mehlmeisel zum 1. Januar 2017 abzuziehen und zur Sparkasse Oberpfalz Nord zu wechseln. "Wir wollen damit ein Zeichen setzen."
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Ein Zeichen, das in Mehlmeisel geschichtsträchtig ist. Denn Mehlmeisel war nicht immer fränkisch. Früher gehörte die Gemeinde zur Oberpfalz, zum Landkreis Kemnath. "Damals waren auch alle Mehlmeisler Kunden der Sparkasse Kemnath." Dann kam die Gebietsreform, Mehlmeisel wurde formal fränkisch und "die Sparkasse Bayreuth hat sich hier breit gemacht", sagt Tauber. "Die hat sich die Kunden regelrecht geangelt und lässt sie jetzt auf dem Trockenen sitzen."
Was Tauber vor allem ärgert, ist die Entscheidung der Sparkasse, nicht nur die Filiale, sondern auch den Geldautomaten abzuziehen. Für Mehlmeisel eine Katastrophe, findet er. Vor allem für die älteren Mehlmeisler, die nicht mehr so mobil wären und bisher zur Sparkasse laufen konnten. Von 1350 Mehlmeislern sind mehr als 400 älter als 60 Jahre alt. Künftig werden sie in den Nachbarort, nach Fichtelberg, fahren müssen. Vielleicht auch mit dem Bus, wenn sie selbst kein Auto haben. Eine Busfahrt von Mehlmeisel nach Fichtelberg koste etwa drei Euro, rechnet Tauber vor.
Aber es sind nicht nur die Mehlmeisler selbst, die Tauber am Herzen liegen. Pro Jahr kämen 140000 Tagestouristen in die Gemeinde. Im Winter zum Skifahren, das gesamte Jahr über in den Wildpark. Dort gebe es keine Möglichkeit, bargeldlos zu zahlen. "Weil die Internetverbindung so schlecht ist." Bisher habe man Gäste dann immer zum Geldautomaten schicken können.
"Die können uns doch diese Lebensqualität nicht entziehen", sagt Tauber. Auch Wirtschafts- und Kaufkraft werde entzogen. Wer in Fichtelberg Geld abhebt, kaufe sicher dort auch gleich ein. Und eben nicht mehr bei den Mehlmeisler Metzgern und Bäckern, die auch ein kleines Supermarkt-Sortiment vorhalten würden.
Einer dieser Bäcker ist Franz Ernstberger. Dass die Sparkasse schließt, trifft auch ihn. "Dann gibt es noch eine Stelle, die nicht belebt ist." Dass jedoch die Kaufkraft sinken könnte, glaubt er nicht. Die Mehlmeisler würden ohnehin nicht viel bei ihm einkaufen. Wenn die Sparkasse verschwunden ist, muss Ernstberger künftig nach Fichtelberg, "um meine paar Pfennig einzuzahlen". Ansonsten "tut uns das nichts. Schlechter kann es in Mehlmeisel ja nicht mehr werden". Johannes Bauer ist ebenfalls Bäcker in Mehlmeisel. Auch er hat resigniert. "Was wollen wir dagegen tun? Die machen doch eh, was sie wollen."
Das Argument der Sparkasse, die Mehlmeisler Filiale wäre unwirtschaftlich, kann Bürgermeister Tauber ebenfalls nicht nachvollziehen. Anhand der Gewerbesteuer könne man schließlich durchaus ablesen, wie es einem Unternehmen gehe. Und der Gewerbesteueranteil der Sparkasse sei nicht gesunken sondern gestiegen. Tauber fühlt sich im Stich gelassen. Auch von Landrat Hermann Hübner, der im Aufsichtsrat der Sparkasse sitzt. "Der müsste doch hinter den Kommunen stehen", findet Tauber. "Ich komm mir manchmal vor, als wäre ich im falschen Landkreis."
Tauber fordert indes auch die Bürger auf, sich eine andere Bank zu suchen. Einige hätten das schon getan, sagt er. Das merkt er, weil in den vergangenen Tagen neue Einzugsermächtigungen bei der Gemeinde eintrudelten. Wenn noch mehr Mehlmeisler die Bank wechseln, würde das vielleicht auch die andere Bank animieren, einen Geldautomaten in Mehlmeisel zu installieren, hofft Tauber. Die Sparkasse Oberpfalz Nord wollte dazu noch keine Auskunft geben, bestätigte aber, dass eine entsprechende Anfrage vorliege.
„Natürlich verstehe ich, dass sich die Mehlmeiseler Sparkassenkunden über die Schließung ihrer Filiale ärgern, die angekündigte Aktion der Gemeinde allerdings nicht. Niemand lässt Mehlmeisel im Stich – weder die Sparkasse Bayreuth, noch der Landrat. Zum öffentlichen Auftrag stehen die Sparkassen weiterhin, aber wir müssen auch zur Kenntnis nehmen, dass sich das Kundenverhalten auch in Mehlmeisel in den letzten Jahren stark verändert hat. Dies und die lang anhaltende Niedrigstzinsphase sowie der zunehmende massive Druck der Aufsichtsbehörden zur Einhaltung von nicht mehr nachvollziehbaren Eigenkapitalvorschriften hat den Vorstand unserer Sparkasse letztlich nach langwieriger Abwägung zu diesem Schritt gezwungen. Der Verwaltungsrat konnte sich dem Vorschlag als Aufsichtsorgan nicht verschließen. Die Mitglieder sind hier grundsätzlich den Belangen der Sparkasse und auch dem Erhalt der Arbeitsplätze der derzeit 550 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und nicht vorrangig ihren Gemeinden oder dem Landkreis verpflichtet. Das Abstimmungsverhalten im Gremium unterliegt übrigens nach dem Sparkassengesetz der Geheimhaltung. In Sachen Bargeldversorgung wird sich – wie zugesichert – die Sparkasse um alternative Möglichkeiten in Mehlmeisel bemühen.“
Auch in Goldkronach wurde gegen die Schließung der Sparkassenfiliale protestiert - mit einer öffentlichkeitswirksamen Aktion.