Ein Israel-naher Analyst forderte deshalb vor einigen Monaten unumwunden, Israel solle Marokko helfen, Ceuta und Melilla "zurückzuerlangen", um Spanien zu "bestrafen". Belastbare Hinweise auf eine Beteiligung der USA oder Israels an den Ereignissen in Ceuta gibt es allerdings nicht.
Die marokkanische Regierung kommentiert die Vorfälle auch am Samstag mit keinem Wort. Aus einer politischen Partei mit Nähe zum Königshof heißt es nur, ein "nationaler Dialog" zu Problemen der Jugend sei nötig. Einige werfen der Regierung vor, die Jugend vernachlässigt zu haben. Autor Abdelhamid Bajouki schreibt, für die Betroffenen sei "das Meer weniger furchteinflößend als das Zuhause".
Jugend ohne Perspektive in Marokko
Marokkos Wirtschaft wächst so schnell wie seit Jahren nicht, trotzdem ist die Arbeitslosigkeit vor allem bei jungen Menschen hoch. Laut einer Studie der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) hat jeder Dritte zwischen 15 und 29 Jahren keinen Job, kein Studium und keine Ausbildung. Besonders hart trifft es Frauen.
In urbanen Zentren wie Casablanca, Rabat oder Fès wie auch im ländlichen Raum haben Menschen oft keine Perspektive - sie denken an ein Leben in Europa. Viele fassen Spanien und Frankreich ins Auge, wegen der geografischen Nähe und historischer Verbindungen dorthin. Beide EU-Länder beheimaten große marokkanische Gemeinden.
Ausgenutzt wird die Lage von Schmugglern. Zwar versucht die Regierung seit Jahren, Menschenhandel einzudämmen. Die kriminellen Netzwerke bestehen aber weiter, in denen auch Migranten aus Ländern südlich der Sahara nach Europa geschleust werden. 2025 meldeten Marokkos Behörden 73.000 irreguläre Einreisen ins Land, vor allem aus der Sub-Sahara.
Die Rolle von Handys und Social Media
Eine wichtige Rolle spielten in der Ceuta-Krise offenbar auch die sozialen Netzwerke. Zahlreiche Migranten berichten, sie seien durch Videos und Nachrichten auf Plattformen wie TikTok auf die angeblich offene Grenze aufmerksam geworden. Dort habe sich rasch die Hoffnung verbreitet, in Ceuta würden Unterkünfte bereitstehen und die Weiterreise aufs spanische Festland winken.
Vor Ort wich die Euphorie jedoch schnell der Ernüchterung. "Man hatte uns gesagt, wir bekämen eine Unterkunft und ein Visum für Algeciras. Aber das war alles gelogen", erzählte etwa der 18-jährige Mohamed einem "El País"-Reporter. Eine junge Mutter klagte: "Ich habe nicht einmal Milch für mein Baby bekommen." Dass die meisten der 50.000 bis 60.000 Ankömmlinge auch unter dem Druck der spanischen Sicherheitskräfte schnell wieder "freiwillig" nach Marokko zurückgingen, ist alles andere als verwunderlich.