Sozialdemokraten wollen 100 000 Euro Förderung zahlen SPD schmiert Imkern Honig ums Maul

Von Heike Hampl

Bayerns Imker schlagen Alarm: Immer öfter finden sich Chemikalien im Honig. Schuld sind Pflanzenschutzmittel, die die Bienen über den Raps aufnehmen. Am Freitag trafen sich Experten - auch von der Uni Bayreuth - zum Fachgespräch im Landtag in München.

ARCHIV - Eine Biene sammelt auf einer Kamillenblüte Pollen, den sie an ihren Hinterbeinen befestigt, um ihn zum Bienenstock bringen zu können, aufgenommen auf einer Wiese in Frankfurt (Oder) am 15.06.2009. Die heimischen Honigbienen kommen nach Meinung von Experten überdurchschnittlich gut über den Winter. Man erwarte Verluste zwischen 15 und 20 Prozent, sagte ein Biologe vom Fachzentrum Bienen und Imkerei in Mayen in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Foto: Patrick Pleul dpa/lrs (zu dpa-Gespräch: "Heimische Bienen kommen gut über den Winter" vom 07.01.2011) +++(c) dpa - Bildfunk+++ Foto: red

Wenn es nach der SPD im Landtag ginge, bekämen die bayerischen Imker dieses Jahr 100 000 Euro mehr Förderung. Dieses Geld soll Wertschätzung ausdrücken. Die Imker sagen: Geld ist schön. Nur hilft es nicht, die wirklichen Probleme zu lösen. Sie wollen, dass die Politik Landwirte in die Pflicht nimmt und die Bürokratie für Imker abbaut.

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Bienen brauchen Blüten. So einfach ist das eigentlich. Doch bereits hier beginnt das Problem der bayerischen Imker. Weil Landwirte ihre Wiesen immer häufiger mähen, um zartes Gras für Kühe und Biogasanlagen zu bekommen, schaffen es immer weniger Pflanzen bis zur Blüte. Blühenden Raps gibt es genug, und Bienen mögen Rapspollen. Nur: Rapsblüten sind oft voller Pflanzenschutzmittel. Im Jahr 2012 fanden sich in 90 Prozent des Bienenbrotes in Deutschland Rückstände solcher Stoffe, sagt Ingrid Illies von der Landesanstalt für Wein- und Gartenbau. Bienenbrot sind Pollen, die die Bienen mit ihrem Speichel haltbar machen und selbst fressen. Auch im Honig finden sich diese Chemikalien, allerdings verdünnter. „Die Landwirte müssen diese Mittel anders spritzen, so dass die Blüten nicht getroffen werden“, sagt Eckard Radke aus Dietmannsried. Er ist der Vorsitzende des Landesverbandes des Bayerischen Imker. Am Freitagvormittag war er mit Kollegen in den Landtag nach München gekommen, um sich mit Vertretern den SPD-Fraktion zum Fachgespräch zu treffen. Radke macht klar: Geld alleine wird die Probleme der Imker nicht lösen.

Zwei Dinge würden den Bienenhaltern helfen: Wiesen mit Wildpflanzen und der Anbau der Becherpflanze. Die Becherpflanze ist energiereich, enthält bis zu 40 Prozent Zucker, Landwirte können ihre Kühe und Biogasanlagen damit füttern. Und sie blüht von Juli bis September. Die Becherpflanze wäre ein Kompromiss zwischen Bauern und Imkern.

Pedro Gerstberger erforscht die Becherpflanze an der Universität in Bayreuth. Im vergangenen Jahr konnte der Pflanzenökologe noch keinen Honig aus Becherpflanzen-Nektar ernten. „Wir hatten ein außergewöhnliches Klima“, sagt Gerstberger. Im Sommer sei es zu trocken, im Herbst zu kalt und feucht gewesen. „Die Bienen haben sich zwar davon ernährt, aber es gab eben keinen zusätzlichen Honig.“ Gerstberger ist vom Nutzen der Becherpflanze überzeugt. Deswegen will der Wissenschaftler erreichen, dass der Freistaat den Anbau der Pflanze fördert. Er hoffe auf Geld aus dem Kulturlandschaftsprogramm, sagt er im Gespräch mit dem Kurier.

Was den Imkern außerdem Ärger macht, ist die Bürokratie. Wer mehr als 30 Bienenvölker hat, muss Steuern bezahlen wie ein Landwirt. Imker mit mehr als 25 Völkern müssen in Bayern in der Regel noch Beiträge an die Berufsgenossenschaft zahlen. „Der Freistaat könnte sich das ganze Geld schenken, wenn Steuerrecht und Berufsgenossenschaft stimmen würden“, sagt Hubert Dietrich vom Verband Bayerischer Bienenzüchter.

Horst Arnold von der bayerischen SPD will den Imkern trotzdem mehr Geld geben. Von rund 1,3 Millionen Euro auf 1,4 Millionen Euro will er gemeinsam mit seiner Fraktion die Mittel für tierische Erzeugung in diesem Jahr aufstocken. Die Anregungen der Imker wolle er in seine Arbeit im Ausschuss für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten einfließen lassen. Imkern werde immer moderner, sagt er. „Es ist eine immens wichtige Aufgabe, die wir wertschätzen.“

„Es ist sichergestellt, dass im Jahr 2014 genügend Geld für die Förderung der Imker zur Verfügung steht“, sagt Martin Hecht, Sprecher des Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Mehr Geld habe CSU-Minister Helmut Brunner außerdem schon im vergangenen Jahr versprochen – 100 000 Euro mehr im Doppelhaushalt 2015/2016.