Sonne satt Ostern in der Region

BAYREUTH/AUFSESS/KULMBACH. Sonnenhoch Katharina hat den Menschen in der Region Bilderbuchwetter gebracht. Bei jenseits der 20 Grad waren Sonnenbrille und -creme unverzichtbar. Die meisten Ausflügler entspannten sich in der Natur, bevölkerten Biergärten. Nur wenige hatten Stress – eine Berufsgruppe aber hat Sorgen. Notizen vom verfrühten und langen Sommer-Osterwochenende.

Die Motorradfahrerinnen: Sie dürften die drei schnellsten Frauen Oberfrankens sein: Janina, Anna und Anna Lena verfügen zusammengerechnet über 478 PS. Die zwei 31-jährigen Hoferinnen und die 20-jährige Bayreutherin lieben die Beschleunigung und das Fahrgefühl auf Supersportmotorrädern. Janina kam schon als junges Mädchen auf dem Soziussitz auf dem Motorrad ihres Vaters erstmals zum legendären Motorradfahrertreffpunkt Kathi-Bräu in Heckenhof. Heute fährt sie selbst – eine 200 PS-Kawasaki Ninja. Die drei Frauen werden hier bestaunt, vorwiegend von den älteren, grauhaarigen Herren, die gefühlt noch immer die Mehrheit der Motorradfahrerkundschaft bei Kathi-Bräu stellen und dieses Wochenende zu Hunderten hier waren. Anna Lena, die jüngste ist Zweiradmechatronikerin, der Vorderreifen ihrer 600er Kawasaki ist bis zur Haftgrenze aufgeraut. „Das kommt von der Rennstrecke“, sagt sie. Kosmetikerin Anna fuhr früher in einer Gruppe von acht Frauen – bis zu einem tödlichen Unfall. Nur Anna hörte nicht auf. Mit ihrer Ducati fährt sie 8000 Kilometer pro Saison, Janina schafft 12 000, Anna Lena 6000.

Die Wirte: Kathrin Bischoff, Köchin, Wirtin, Co-Pächterin des Brauerei-Gasthofs Stadter in Sachsendorf rotiert: Braten, Schnitzel, Currywürste oder Salate gehen am Ostermontag im Minutentakt aus ihrer Küche. „Das ganze lange Wochenende war hier volles Haus. Genial bei diesem Wetter!“, sagt sie. Seit zwei Jahren sind Kathrin Bischoff und ihr Mann Jens Pächter der Gaststätte, die mit frisch zubereitetem Essen und einem laut offiziellem der besten Biere der Welt im Herzen des Bierlandes punktet. Die Bischoffs haben das Osterwochenende mit nur zwei Mitarbeiterinnen gestemmt. „Ich bin dankbar und glücklich über mein Personal“, sagt Kathrin Bischoff. Genauso geht es Ernst Rothenbach, dem Chef des Brauereigasthofes Rothenbach in Aufseß. Rothenbach hatte am Wochenende 20 Mitarbeiter im Einsatz, verteilt auf drei Schichten, jeder hatte einen freien Tag. „Wir hatten volles Haus. Wir hatten Stress, aber positiven Stress.“

Der Landwirt: Edgar Hollfelder aus dem Aufseßer Ortsteil Hochstahl hat am Samstag ein Feld geeggt: Mais will er hier in der kommenden ansäen. Beim Eggen gab es eine riesige Staubwolke, die direkt am Weg zwischen Hochstahl und Heckenhof einige Bierwanderer und Radfahrer traf. „Keiner hat sich beschwert. Aber, da sieht man mal den Gegensatz“, sagt Hollfelder: „Viele haben ein freies Wochenende und entspannen, wenige müssen schuften.“ Hollfelder hat 50 Hektar, auf denen er vorwiegend Futter für seine 60 Milchkühe anbaut. Er bekennt, dass das Supersonnenwetter ihm Sorge bereitet: „Es ist schon wieder viel zu trocken. Das Gras braucht jetzt dringend Wasser, sonst gibt es keine Masse. Keine Masse, weniger Eiweiß.“ Noch hat Hollfelder Futtervorräte, aber die sind bald aufgebraucht. Es wäre Zeit für einen schönen Landregen.“

Die Urlauber: Elke und Bernd Raibauer aus Frankfurt haben am Gardasee vom Wohnmobilstellplatz der Brauerei Reichhold in Hochstahl erfahren: Aus einer Fachzeitschrift, in der stand, dass der Platz in Hochstahl einen Preis gewonnen hatte. Nun sind sie zum zweiten Mal hier, hinten am Wohnmobil Fahrräder, in einer ins Fahrzeug eingebauten Kleingarage einen Vesparoller. „Genial ist es hier, Essen und Bier Weltklasse, Natur herrlich.“

Der Kletterer: Jose Cazon ist Spanier, lebt und arbeitet seit 2008 bei Schäffler in Herzogenaurach. Seither klettert er und fährt mit Ehefrau und zwei kleinen Kindern ins Kletterparadies Fränkische Schweiz: Am Taschnerfelsen in Neuhaus an der Aufseß sind Cazon und seine Familie nicht allein: Etwa 20 Seilschaften vergnügen sich hier am Montag. Jose Cazon hat zwei Kinderklettergurte für seinen Nachwuchs – und die Kinder sind der Grund, warum er hierher nach Neuhaus kam. Der Taschnerfels liegt im Ort direkt neben der Aufseß, vor dem Felsen ist eine schöne ebene Spielwiese.

Die Polizei: Bis zum späten Nachmittag des Ostermontags lagen der Polizeiinspektion Bayreuth-Land keine Meldungen über Motorrad- oder Kletterunfälle vor. „Die Motorradfahrer sollen so weiter machen“, sagte ein Polizeisprecher.

 

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