Sonne, Mond und Sterne Merkur zieht vor der Sonne vorbei

Der Merkurtransit vom 8. November 2006, mit einem speziellen Teleskop aufgenommen. Foto: Hinode/JAXA/NASA/PPARC /dpa

STUTTGART. Herausragendes astronomisches Ereignis ist in diesem Monat der Merkurtransit am 11. November. Der innerste und kleinste Planet unseres Sonnensystems, der flinke Merkur, zieht als winziger, dunkler Punkt vor dem grellen Sonnenball vorüber.

Alle vier Monate überholt Merkur die Erde auf der Innenbahn. Da die Merkurbahn um sieben Grad zur Erdbahnebene geneigt ist, wandert Merkur fast immer nördlich oder südlich an der Sonne vorbei. Nur in den seltenen Fällen, wenn er beim Überholen gleichzeitig die Erdbahnebene kreuzt, läuft er zwischen Sonne und Erde hindurch, wobei er als winziger, dunkler Punkt vor der Sonnenscheibe erscheint. Einen solchen Vorgang nennt man Merkurdurchgang oder -transit.

Am 11. beginnt der Transit in Mitteleuropa um 13.35 Uhr. Merkur erscheint am Ostrand der Sonne. Um 16.20 Uhr erreicht Merkur den geringsten Abstand vom Sonnenscheibenmittelpunkt. Um 19.04 Uhr endet das Himmelsschauspiel mit dem Austritt von Merkur aus der Sonnenscheibe. Dann ist die Sonne bei uns aber schon untergegangen.

Mit bloßem Auge nicht zu sehen

Da das Merkurscheibchen fast zweihundertmal kleiner ist als die Sonnenscheibe, ist der Transit mit bloßen Augen nicht zu sehen. Man benötigt ein Teleskop oder mindestens ein Fernglas, um das dunkle Pünktchen zu erkennen - allerdings müssen diese mit speziellen Folien oder Filtern präpariert sein. Vor unvorsichtigen Sonnenbeobachtungen ohne ausreichende Schutzmaßnahmen ist dringend zu warnen. Sonnenbrillen oder so genannte Sofi-Brillen bieten keinen ausreichenden Schutz. Sofi-Brillen sind nur für freiäugige Sonnenbeobachtungen vorgesehen. Für den Einsatz von Fernglas oder Fernrohr sind sie völlig ungeeignet und können sogar schmelzen.

Am besten lässt sich der Merkurtransit auf einer Sternwarte verfolgen, die über Geräte zur gefahrlosen Sonnenbeobachtung verfügen. Der nächste Merkurtransit findet erst am 13. November 2032 statt.

Da Merkurtransite mit freien Augen nicht wahrgenommen werden können, wurden sie erst nach Erfindung des Teleskops beobachtet. Johannes Kepler berechnete schon 1629 für den 7. November 1631 einen Merkurtransit. Er selbst konnte ihn allerdings nicht beobachten, da er im November 1630 starb. Aber der französische Astronom Pierre Gassendi verfolgte diesen Transit in Paris. Es war die erste dokumentierte Beobachtung eines Merkurtransits.

In der letzten Novemberwoche ist Merkur in der Morgendämmerung tief am Südosthimmel zu sehen. Auch Mars taucht allmählich am Morgenhimmel auf. Dort sind auch bereits die Wintersternbilder erschienen. Auffallend ist der Orion, Leitbild des Winterhimmels. Gegen 6 Uhr morgens steht er unübersehbar am Südhimmel.

Dreigestirn am Abendhimmel

Am Abendhimmel kann man noch Jupiter tief im Südwesten sehen. Gegen Monatsende verabschiedet sich der Riesenplanet davon. Venus beginnt zur Monatsmitte ihre Abendsternperiode. Kurz vor 18 Uhr geht sie jedoch schon unter. Ein schöner Himmelsanblick ergibt sich am 28., wenn die schmale Sichel des zunehmenden Mondes zwischen Venus und Jupiter steht. Das Dreigestirn ist gegen 17.30 Uhr knapp über dem Südwesthorizont zu sehen.

Dritter heller Planet am Abendhimmel ist Saturn. Mit Einbruch der Dunkelheit findet man den Ringplaneten am Südwesthimmel. Bereits am 2. erhält Saturn Besuch von der Sichel des zunehmenden Mondes. Vollmond wird am 12. um 14.34 Uhr erreicht. Die Neumondposition tritt am 26. um 16.06 Uhr ein. Am 7. erreicht der Mond vormittags mit 405.060 Kilometer seine größte Entfernung von der Erde während ihn in Erdnähe am 23. nur 366.720 Kilometer von uns trennen.

Die Sternschnuppen der Leoniden sind von Monatsmitte bis Ende November zu erwarten. In der Nacht vom 17. auf 18. wird der Höhepunkt des Leonidenstroms eintreten. Es handelt sich um schnelle Objekte um die 70 Kilometer pro Sekunde, denn die Meteoroide dieses Stromes kommen der Erde entgegen. Die Meteore dieses Stromes scheinen dem Sternbild Löwe zu entspringen. In diesem Jahr ist jedoch mit einer eher bescheidenen Rate von rund 15 Meteoren pro Stunde zu rechnen. Die Leoniden sind Trümmerstücke des Kometen 55P/Tempel-Tuttle, der sich gerade in Sonnenferne befindet.

Aus dem W wird ein M

Am Abendhimmel ist das Himmels-W, die Königin Kassiopeia, hoch über unseren Köpfen zu sehen. Es macht in dieser Stellung eher den Eindruck eines großen lateinischen „M“. Weit im Westen ist immer noch das Sommerdreieck zu sehen. Hoch im Süden erspäht man die Sternbildergruppe Pegasus - Andromeda - Widder - Perseus. Der Pegasus gilt als Leitsternbild des Herbsthimmels. Sein großes, einprägsames Sternenquadrat wird daher auch als Herbstviereck bezeichnet. Der klassischen Sage nach ist der Pegasus ein geflügeltes Pferd, das dem sterbenden Leib der grauenvollen Medusa entsprungen ist.

Bei dem unscheinbaren Stern Helvetios (51 Pegasi) im Pegasus, der gerade noch mit freien Augen zu sehen ist, wurde 1995 erstmals ein Planet außerhalb unseres Sonnensystems nachgewiesen. 51 Pegasi ist ein sonnenähnlicher Stern in 50 Lichtjahren Entfernung. Der Planet wurde inzwischen Dimidium getauft. Er ist ein Riesenplanet, der in nur gut vier Tagen seine Muttersonne umkreist. Da er nur knapp acht Millionen Kilometer davon entfernt ist, wird er regelrecht gebraten.

Zunächst konnte Dimidium nur indirekt aus Schwankungen der Bewegung von 51 Pegasi nachgewiesen werden, später auch spektroskopisch. Für die erste Entdeckung eines Exoplaneten erhalten die beiden Schweizer Astronomen Michel Mayor und Didier Queloz im Dezember den Physik-Nobelpreis. Inzwischen wurden über 4000 Exoplaneten aufgespürt.

Die Sonne wandert weiterhin am absteigenden Ast ihrer Jahresbahn. Am 22. passiert sie den Schützepunkt, der den Beginn des gleichnamigen Tierkreiszeichens markiert. Die Mittagshöhe der Sonne nimmt um sieben Grad ab, die Tageslänge schrumpft um rund eine Stunde und zwanzig Minuten.

 

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