Der Tag in München in der vergangenen Woche stand für die Soldaten – zwei Offiziere, zwei Hauptfeldwebel, eine Beamtin der Wehrverwaltung – im Alter zwischen 30 und 40 Jahren unter der Überschrift politische Bildung. Die zwei Frauen und drei Männer seien – in zivil – mit der Straßenbahn zum Maximilianeum gefahren. Alle gut gelaunt. Gespannt auf den Landtag.

Auf dem Weg passierte die Straßenbahn eine Demo der Grünen, berichtet Rosner. „Auf einem Plakat, das wir sahen, stand Bürgerinnen mit einem großen ,I’ in der Mitte. Da habe ich gesagt: Schau, die Grünen wissen nicht, wie man Bürgerinnen schreibt. Daraus ergab sich dann ein Gespräch unter uns fünfen.“ Über die Grünen allgemein. Und über einen Antrag, gestellt von den Grünen in Berlin, „statt der Ampelmännchen auch ein weibliches Symbol einzusetzen auf den Ampeln. Daraufhin habe ich gesagt, dass es im Internet schon Diskussionen von Feministinnen gebe, die darüber streiten, wie das Symbol aussehen soll, dass es nicht sexistisch ist“, sagt Rosner.

Er habe dann „im Gespräch flapsig gesagt, dass man am besten den Berliner Bär nehmen sollte. Denn der ist je geschlechtsneutral“. Gelächter. Munteres Geplauder. „Kein Geschrei, nichts, was anstößig gewesen wäre. Ich habe mich sogar extra bei meinen weiblichen Kollegen rückversichert später“, sagt der Hauptfeldwebel. Die Straßenbahn hält. An der Tür dann die Überraschung: „Eine Frau steigt mit aus und schreit mich an, ich soll mein Gehirn einschalten und nicht solche Sachen von mir geben“, sagt Rosner. „Ich hatte den Eindruck, sie hat bewusst gewartet, bis wir aussteigen, um mich abzufangen und zu maßregeln.“ Rosner sagt, er sei perplex gewesen. Und der Frau, die er nicht einordnen konnte, nachgegangen, um noch einmal mit ihr zu sprechen. „Ich sagte, sie könne mich doch nicht einfach so anschreien, man könnte ja auch normal miteinander reden. Ihre Antwort: Ich soll mein Gehirn einschalten und nicht so viel mit dem Schwanz denken.“

Die Frau setzte ihren Weg fort, zeigte an der Pforte des Landtags ihren Ausweis und verschwand im Gebäude. Rosner sagt, er habe gedacht, das sei „eine Mitarbeiterin des Landtags gewesen, die halt mal einen schlechten Tag hatte. Richtig erschrocken bin ich aber, als wir auf der Zuschauertribüne saßen und die Frau wiedersahen: die Landtagsvizepräsidentin Ulrike Gote, das hatte mein Kamerad schnell im Internet herausgefunden“.

Bei einer Sitzungsunterbrechung versuchte es Rosner erneut, mit Gote in Kontakt zu treten, schildert er. „Ich ging runter, sie kam mir entgegen, ich habe sie noch einmal angesprochen in der Hoffnung, sie entschuldigt sich. Denn ich dachte, sie brächte anderen mehr Respekt und Toleranz entgegen.“ Doch Gote sei bei ihrer Aussage geblieben. Habe sogar gesagt, er könne es ja mal probieren, sie anzuzeigen.

Rosner, der lange Jahre Fußball spielte, der Sport- und Jugendbeauftragter in Tirschenreuth ist, auf der CSU-Liste kandidierte, der verschiedene Trainerlizenzen hat, sagt, er werde auch jetzt „immer noch fuchsteufelswild. Gerade weil ich weiß, wie wichtig Toleranz und Fairness ist. Im Sport und anderswo.“ Dass er sein Hirn einschalten soll, das hätte er sich ja noch sagen lassen. Mit allem anderen sei Gote zu weit gegangen.

Das jedoch sieht Ulrike Gote komplett anders. Auf Nachfrage unserer Zeitung sagt sie, „Männer werden sehr schnell sehr sensibel, wenn man eine deutliche Aussprache wählt“. Die Gruppe habe sich nach ihrem Dafürhalten „lautstark lustig gemacht über das Schild mit der gegenderten Bürgerinnen-Aufschrift“, die Diskussion über die weiblichen Ampelsymbole sei bei ihr als sexistisch formuliert angekommen. „Männliches Imponiergehabe“, nennt Gote das Verhalten der Gruppe. „Beim Aussteigen habe ich ihm gesagt, es sei Schwachsinn, was er sagt. Und dass er sein Hirn einschalten soll. Erst als er mir dann hinterhergerufen hat, habe ich ihm gesagt, er solle nicht so viel mit dem Schwanz denken. Und zwar bewusst so laut. Und auf dem Niveau, wie sie vorher diskutiert haben. Das finde ich nach wie vor passend als Erwiderung. Das muss man schon aushalten.“

Gote (48) sagt, sie reagiere sehr sensibel auf die Art, mit der sich Männer über Frauen lustig machten. „Ich bin fast 50. Diese Dinge bewegen mich seit Jahrzehnten. Es bringt nichts, die Männer immer nur mit Samthandschuhen anzufassen. Man muss auch mal Kontra geben. Auch als Landtagsvizepräsidentin.“ Sie hätte das jedem anderen gesagt, unabhängig vom Alter. Und unabhängig davon, dass die Soldaten sich später als Teil einer „Besuchergruppe des CSU-Kollegen herausgestellt“ hätten. Gote sagt, sie hätte „kein Ding draus gemacht. Ich stehe dazu. Vielleicht ist es auch mal ganz gut, wenn da mal wieder öffentlich drüber reflektiert wird“.