Solar-Kühlschrank Allein die Sonne erzeugt die Kälte

Marian Schohe (links), Marina und Max Kropf sind stolz auf ihren komplett solarbetriebenen Kühlschrank. Foto: Wolfgang Neidhardt

SELB. Ein bisschen wenigstens will sie die Welt verändern, verbessern natürlich - mit dem, was sie kann: Marina Kropf, geboren und aufgewachsen in Thiersheim und Selb. Erfinderin wollte sie werden, als man sie als Kind nach dem Berufswunsch gefragt hat. Die Frau ist sich treu geblieben. Heute leitet sie mehrere kleine innovative Unternehmen. Und eines davon mit Namen Global Ice Tec AG mit Sitz in Chemnitz ist nun dabei, weltweit ein Zeichen zu setzen. Das Team mit ihrem Sohn Max, dem Ingenieur Marian Schohe und einigen weiteren Mitarbeitern hat einen Kühlschrank entwickelt, der keinen Strom braucht - und nun einen hoch dotierten Preis dafür erhalten: den“ Global Leap Award“.

Global Ice Tec hat in das Gerät in den vergangenen fünf Jahren deutlich mehr als eine Million Euro investiert. Solarbetriebene Kühlschränke gibt es mittlerweile viele auf dem Markt. Doch das Besondere am sogenannten Unocool: Er braucht keinen fremden Strom, keine Batterien, nur tagsüber Sonne.

In einem eigens patentierten Eisspeicher wird nachts die Kälte bewahrt, die mit bewährter Technologie tagsüber gewonnen wird. „Und dann gibt es noch ein Prozent Geheimnis, das unser Erfolgsprodukt erst möglich macht“, will Marina Kropf nicht alle Einzelheiten um ihre neue Errungenschaft verraten.

Mit der neuen Technologie können die Kühlschränke Lebensmittel und Getränke auch ohne kontinuierliche Stromversorgung bei Außentemperaturen von 35 bis 40 Grad mehr als 36 Stunden lang konstant zwischen 4 und 12 Grad kühl halten.

Riesengroßer Bedarf

Der Bedarf für solch umweltschonende Geräte ist offenbar riesengroß. Ralf Raue, Aufsichtsratsvorsitzender von Global Ice Tec, erläutert: „Etwa 1,2 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zum Strom. Und etwa drei Milliarden müssen mit häufigen Blackouts in ihrer Stromversorgung leben.“ Herkömmliche Kühlschränke, so sie sich die Menschen leisten könnten, liefen hier schlicht und einfach nicht.

Oder nur mit Hilfe von Generatoren, die sehr ineffizient und wenig umweltfreundlich laufen: „Es gibt geschätzt zwischen 30 und 50 Millionen Generatoren. Das entspricht 700 bis 1000 Kohlekraftwerken“, sagt Marina Kropf. Ihr neuer Kühlschrank soll bis zu einer Tonne Kohlendioxid (CO2) pro Jahr einsparen. Das entspricht dem Ausstoß eines Sechs-Liter-Dieselautos für etwa 3000 Kilometer Strecke.

Für Marina Kropf war die Seuche Ebola der Anstoß zur Entwicklung des neuen Gerätes: „Als die Seuche im Jahr 2014 ausbrach, gingen Impfstoffe kaputt, deren Wert auf über zwei Milliarden Euro geschätzt wurde. Denn sie halten sich nur bei Temperaturen zwischen plus zwei und plus acht Grad.“

So stellte sich in den bis über 40 Grad heißen afrikanischen Ländern die Frage: „Wie kann ich mit Sonne Kälte erzeugen - und zwar, ohne der Umwelt neue Schweinereien zuzumuten?“ Der Unocool kann dies - und geht nun in Serie. „Die Nullserie ist raus. Wir verabschieden uns von Nischen- und gehen in den Massenmarkt“, kündigt Ralf Raue an. In einem Werk in Europa kann Global Ice Tec im Monat bis zu 8000 Stück des neuen Kühlschrankes produzieren.

Vor Ort erschwinglich

Und der soll vor Ort erschwinglich sein. Den Preis von etwa 550 Euro, in den das Preisgeld für den Global Leap Award eingeht, können Käufer in Entwicklungsländern in 48 Monatsraten bezahlen. Ist die letzte Monatsrate bezahlt, erhalten sie eine PIN - und mit der läuft dann das Gerät.

Die Mitarbeiter von Global Ice Tec haben in den Entwicklungsländern den Weg geebnet – in Gesprächen mit Ministern, Präsidenten und deren Zuarbeitern. Dabei stellten sie überraschend fest, dass manches Entwicklungsland weiter ist als etwa Deutschland.

„Man muss in afrikanischen Ländern einen CO2-Fußabdruck nachweisen“, berichtet Marian Schohe. Ferner galt es in Ländern wie Ghana, dem Senegal, aber auch Bangladesh und Indien zu erreichen, dass das deutsche Unternehmen von Zollgebühren befreit wird.

Indien ist für Global Ice Tec vielleicht der größte Markt der Zukunft. Ralf Raue erläutert dies an einem Beispiel: „In diesem Land hat etwa eine halbe Million Ortschaften keinen privaten Stromanschluss. Bestenfalls gibt es eine Art Dorfgemeinschaftsraum, in dem ein Fernsehapparat und vielleicht ein herkömmlicher Kühlschrank laufen.“

Die Regierung plane nun ein Programm, in das der Unocool exakt hineinpasse. Der große Markt für dieses neue Produkt liegt aber nicht nur in Entwicklungsländern, sondern auch vor der Haustür. „Ein stromunabhängiger Kühlschrank ist sicher auch in mitteleuropäischen Schrebergärten oder Berghütten willkommen.“

Familiär vorbelastet

Ist der Verkauf erst einmal angelaufen, so liebäugelt der Aufsichtsratschef mit dem Gedanken, die Geräte vor Ort in den Entwicklungsländern bauen zu lassen. Marina Kropf indes denkt schon an die Erweiterung der Produktpalette, etwa um kombinierte Kühl- und Gefrierschränke. Sie könnte sich auch gut vorstellen, dass Supermärkte künftig eine ausschließlich solarbetriebene Kühlstrecke nutzen wollen.“

Die Ideen gehen der Frau aus Selb so bald noch nicht aus, was sie nicht zuletzt darauf zurückführt, dass sie familiär vorbelastet ist: „Mein Vater war auch schon sehr innovativ und hat die ersten massiven Fertighäuser in der Region hergestellt.“

Und der Sohn tritt ganz in die Fußstapfen seiner Vorfahren. Als kleines Kind „hatte er schon einen halben Wertstoffhof im Zimmer liegen“, erinnert sich Marina Kropf. Großen Erfolg hatte und hat der 24 Jahre alte Max, studierter Umwelt-Ingenieur, mit Automodellen im Maßstab 1:5, die er schon als Jugendlicher konstruierte und noch heute selbst baut.

Über die Schiene dieser Spaßfahrzeuge fand Marian Schohe zu Sohn und Mutter Kropf - und hilft nun seit drei Jahren tatkräftig mit, mit technischer Hilfe für viele Menschen und die Natur das Leben ein bisschen besser zu machen.

 

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