Solar-Energie Auf Bayreuths Dächer könnte mehr gehen

BAYREUTH. Begeistert kurvt die Hebamme Anne Baumgart mit ihrem E-Bike durch die Stadt. Im Frühjahr hat sie sich ein Lastenfahrrad angeschafft. „Eine Stunde täglich im Auto sitzen – das war nichts für mich“, sagt die Radfahrerin. Nun radelt die Hebamme zu all den Müttern, die ihre Hilfe brauchen, und genießt dabei den frischen Wind. Und zwar ohne dabei CO2 auszustoßen. Ihr klimabewusstes Handeln geht aber noch weiter: Der Strom fürs E-Bike kommt in Kürze von der Sonne. In diesen Tagen werkeln die Fachleute für Sonnenenergie bei den Baumgarts auf dem Dach. Ende September soll eine Anlage für Photovoltaik Strom liefern.

Windkraft ausgeschöpft

Klimaexperten klatschen dafür Beifall. Denn aus ihrer Sicht macht Anne Baumgart alles richtig. „Wir brauchen solche Vorbilder“, sagt der Klima-Manager Bernd Rothammel vom Landratsamt. Denn auf den Strom aus der Sonne kommt es nun an. Im Landkreis ist der Bau von Windkraftanlagen zum Stillstand gekommen. „Wegen der 10-H-Regelung, die neue Windkraftanlagen nur noch in großer Entfernung zu Häusern zulässt, ist bei der Windkraft nicht mehr mit nennenswerten Steigerungen zu rechnen“, erklärt Rothammel. Umso wichtiger sei es nun, das Potenzial der Dächer für die Sonnenenergie zu nutzen.

Mehr als die Hälfte der Dächer ist für Solarmodule geeignet

Um die Planung von Dachsolaranlagen zu erleichtern, hat die Bioenergieregion Bayreuth unter www.solare-stadt.de/region-bayreuth ein Online-Solarkataster ins Netz gestellt. Damit kann jedermann mit wenigen Mausklicks herausfinden, wie viel Solarenergie auf dem eigenen Gebäudedach erzeugt werden kann und ob sich eine Investition rechnet. Mit Hilfe des Solarkatasters wurden alle Dächer der Region – insgesamt über 150 000 – auf ihr Solarpotenzial untersucht. Dabei zeigte sich, dass mehr als die Hälfte der Dächer für Stromerzeugung mit Solarmodulen geeignet sind. Würde man diese geeigneten Dächer vollständig mit Solarmodulen ausstatten, dann könnte damit mehr als doppelt so viel Strom erzeugt werden wie im Landkreis Bayreuth derzeit verbraucht wird.

Verkehr ist größter Energieverbraucher

Als sich Anne Baumgart für ihre Photovoltaikanlage entschied, musste sie das Solarkataster gar nicht befragen. Sie hatte sich Gedanken über den Klimawandel gemacht. „Hitze, Wassermangel – ich habe mir einfach Sorgen gemacht“, sagt sie. Die Anlage auf ihrem Haus wird genug Strom für die Familie erzeugen. Der Strom wird sogar auch für einen weiteren Ein-Personen-Haushalt reichen. Dafür wird ein eigener Batteriespeicher installiert. Energieexperten rechnen in größeren Dimensionen. Wie Bernd Rothammel vorrechnet, lag der Gesamtenergieverbrauch des Landkreises im Jahr 2017 bei 3560 Gigawattstunden. Der Verbrauch bewegt sich damit auf dem Niveau der Vorjahre. Der Verkehr sei mit 55 Prozent der größte Energieverbraucher im Landkreis. Insgesamt stagniere der Energieverbrauch, wobei der CO2-Ausstoß langsam sinke. Insgesamt betrug der CO2-Ausstoß im Landkreis Bayreuth im Jahr 2017 rund eine Million Tonnen. Dies entspreche einem CO2-Ausstoß von 9,6 Tonnen pro Einwohner und Jahr. Das sei zwar weniger als im deutschlandweiten Durchschnitt von elf Tonnen, aber immer noch weit entfernt von dem Wert einer Tonne CO2 pro Person und Jahr, der als klimaverträglich gilt, so Rothammel.

Seit über zehn Jahren ist keine Abnahme festzustellen

Auch bei den Treibhausgasen ist im Landkreis Bayreuth der Verkehrssektor mit 523 200 Tonnen CO2 pro Jahr der größte Verursacher, gefolgt von den Privathaushalten und dem Gewerbe, Handel, Dienstleistungen und der Industrie.
Die Entwicklung der Treibhausgasemissionen im Landkreis Bayreuth entspricht im Wesentlichen dem deutschlandweiten Trend: Seit über zehn Jahren ist keine Abnahme festzustellen. Dementsprechend kann das nationale Klimaziel für 2020 (Treibhausgasreduktion um 40 Prozent gegenüber 1990) wohl kaum mehr erreicht werden. Der Klimaschutz müsse deshalb dringend verbessert werden, um bis zum Jahr 2050 die angestrebte Klimaneutralität zu erreichen, so Rothammel.

Landkreis hat 2014 ein Klimaschutzkonzept erstellt

Wie er sagt, haben auch Akteure auf der Landkreisebene Gestaltungsmöglichkeiten. Bezogen auf den Klimaschutz, habe der Landkreis schon 2014 ein Klimaschutzkonzept erstellt. Dieses umfasst eine CO2- und Energiebilanz, einen Maßnahmenkatalog und ein Konzept für die Informations- und Öffentlichkeitsarbeit. Darauf aufbauend wurden zwei Personalstellen für ein systematisches Klimaschutzmanagement geschaffen.
Unterdessen freut sich Anne Baumgart auf den Tag, an dem sie ihr E-Bike mit Strom aus der eigenen Photovoltaikanlage laden kann. Noch werkeln die Handwerker aus Wirsberg auf dem Dach. Dann kommt noch etwas Papierkram, bis der klimaneutrale Ladestrom fließt.

Mobilitätsangebote sollen forciert werden

Die Regionale Entwicklungsagentur des Landkreises forciert übrigens nachhaltige Mobilitätsangebote. Wie der Kurier berichtete, ist beispielsweise daran gedacht, ein Elektro-Bürgertaxi und ein Wasserstoffauto anzuschaffen. Außerdem soll schon in diesem Jahr mit dem flächendeckenden Aufbau von Elektro-Ladesäulen begonnen werden.

 

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