Wie haben Sie's geschafft, das Markgräfliche Opernhaus in Bayreuth als Finanzminister genauso lange sanieren zu lassen, bis Sie's als Ministerpräsident wieder einweihen konnten?

Markus Söder: Weltkulturerbe im neuen Glanz - das ist eine tolle Sache, für die ich mich sehr gerne eingesetzt habe. Egal in welcher Funktion, ob als Finanzminister oder als Ministerpräsident. Ich freue mich einfach, dass wir ein für Franken und ganz Bayern und darüber hinaus so bedeutendes Juwel barocker Kultur wieder zum Glänzen bringen können.

 

"Man bekommt seinen Platz zugewiesen"

 

Die Fürsten haben Opern im Markgräflichen Opernhaus von der Fürstenloge aus angeschaut. Wo wird Ihr Platz am 12. April sein?

Söder: Als Ministerpräsident bekommt man seinen Platz zugewiesen. Ich bin aber sicher, die Organisatoren meinen es gut mit mir. Übrigens saßen auch die Markgräfin Wilhelmine und Markgraf Friedrich gerne in der ersten Reihe statt in der Loge, wegen der größeren Nähe zur Bühne.

 

Wenn Sie die Wahl haben - lieber Barockoper oder doch lieber Musikdrama von Wagner?

Söder: Ich habe großen Respekt vor der Leistung der Darsteller und Opernsänger. Trotzdem muss ich gestehen, dass mir melodiöse Opern mehr liegen als manche schwere  Oper. Aber generell bin ich Klassik-Fan. Bei langen Autofahrten gehören Klassik-Sender für mich einfach dazu.

 

"Dieses Haus hat eine besondere Geschichte"

 

Angela Merkel ist Fan der Festspiele. Wie groß ist Ihre Liebe zum Grünen Hügel?

Söder: Bayreuth hat Welt-Niveau. Die ganze Opernwelt schaut hier auf uns. Darauf können wir stolz sein.

 

Sie sollen schon mal zu spät am Festspielhaus angekommen sein, erzählt man sich in Bayreuth.

Söder: Das kann ich mir nicht vorstellen.

 

Im Markgräflichen Opernhaus genoss man Oper, aber nicht nur. Man trank, aß, plauderte, trieb Politik. Schade, dass man das heute nicht mehr darf. Oder?

Söder: Dieses Opernhaus hat eine besondere Geschichte und Bedeutung. Es wurde nicht nur aus Liebe zur Musik gebaut, sondern auch, weil die Markgräfin und der Markgraf damit einen Aufbruch in eine neue, friedliche und prosperierende Zeit versinnbildlichen wollten. Damit kann ich mich gut identifizieren. Auch heute müssen wir schauen, dass wir mit mutigen Schritten unsere Lebensart trotz großer Umbrüche für die Zukunft sichern.

 

In Franken hat der Saal 600 nun Priorität

 

Man konnte den Eindruck gewinnen, dass Sie das Opernhaus zur Chefsache gemacht haben.  Was bedeutet das Weltkulturerbe für Sie?

Söder: Für mich ist es ein ganz konkretes Beispiel, wo Politik die Möglichkeit und auch die Verantwortung hat, etwas Besonderes zu schützen und zu erhalten, was frühere Generationen aufgebaut und weitergegeben haben. Das Markgräfliche Opernhaus ist eben nicht nur ein Gebäude, es steht für mehr: Für Hochkultur, für unsere fränkische Geschichte und Identität, für unseren Sinn für die schönen und besonderen Dinge im Leben. Es ist ein wunderschönes Bauwerk vereint mit Opernmusik auf Weltklasse-Niveau.

 

Welche bayerische Sehenswürdigkeit, welche Besonderheit aus Bayern sollte als nächstes Weltkulturerbe werden?

Söder: Es gibt in Bayern viele bedeutende Kulturstädten, allen voran die Königsschlösser Ludwig II., die voralpinen Wiesen- und Moorlandschaften oder das Wassermanagementsystem in Augsburg. In Franken hat Nürnberg mit dem Saal 600 der Nürnberger Prozesse einen Ort von großer Bedeutung für die Menschheit vorzuweisen. Der Saal 600 ist der Geburtsort des modernen Völkerstrafrechts und der Ort, wo man versucht hat, durch ein weltweit geltendes Recht künftige Verbrechen gegen den Frieden, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu verhindern. Es gibt keine wichtigere Botschaft als die von Saal 600 in Nürnberg.