Acht Skelette haben wir im Schrank, so der Institutsleiter. Eine Mazerationsanlage zur Gewinnung von Skeletten gebe es seit längerer Zeit nicht mehr in der Anatomie Würzburg. Auch in den meisten anderen Universitäten werde nicht mehr mazeriert. Heutzutage konzentriert sich die Forschung in den meisten anatomischen Instituten, so auch in Würzburg, auf mikroskopische, molekularbiologische und ultrastrukturelle Analyse von Zellen und Geweben. Für bestimmte Vorlesungen gibt es jedoch Knochensammlungen, damit die Studenten die Knochen von allen Seiten betrachten können.
In einer Szene nimmt Kommissarin Paula Ringelhahn ein Herz in die Hand. Wurde organisches Material verwendet?
Nein, das Herz war ein Modell, sagt Süleyman Ergün. Der Professor hatte vor dem Filmdreh darauf geachtet, dass dieses realistisch aussah. Die Oberfläche des Herzens ist spiegelglatt. Ich habe so ein Modell auch in der Hand gehabt, um die Konsistenz und Oberfläche zu prüfen. Die Dreharbeiten fanden in den Räumen statt, in denen tatsächlich die Präparationen durchgeführt werden. Wir haben aber viel Wert darauf gelegt, dass die Anonymität der Körperspender bewahrt wurde, erklärt Institutsleiter Ergün. Echte Leichen sind im Film also nicht zu sehen.
Holt das Institut Körperspenden wirklich mit einem eigenen Leichenwagen ab?
Hat der Verstorbene einen Körperspenderausweis, werden wir informiert. Institutsmitarbeiter fahren dann mit unserem Leichenwagen zum Verstorbenen, prüfen den Körper auf Eignung und bringen ihn in unsere Räume, wo sofort konservierende Maßnahmen eingeleitet werden, sagt Ergün. Das müsse recht schnell gehen, denn sonst schreite die Verwesung rasch voran.
Die Ermittler wundern sich in einer Szene, wie die Anatomie-Mitarbeiter den Leichengeruch aushalten. Riecht es in der Anatomie wirklich so streng?
Die Konservierungsflüssigkeiten und das Gewebe riechen schon etwas. Wenn Studenten das erste Mal in den Präparationskurs kommen, sind diese zunächst etwas verunsichert auch weil viele zum ersten Mal eine Leiche sehen, sagt Ergün. Relativ schnell, nach zwei bis drei Tagen, hätten sich die Medizinstudenten jedoch daran gewöhnt. Der Kurs sei unter diesen sehr beliebt, da er nach viel Theorie das erste Mal den direkten Kontakt mit dem menschlichen Körper ermögliche. Durch die Präparation erfahren die Studenten, was für ein Wunderwerk der Mensch in seiner Gesamtheit ist, so der Institutsleiter. Viele seien von der Komplexität fasziniert.
Im Film sagt Institutsleiterin Magdalena Mittlich, für sie sei der Körper ein Mantel, den man mit dem Tod abstreife. Welche Einstellung zum Tod hat man nach dem intensiven Umgang mit Leichen wirklich?
Vermutlich verändert der Umgang mit Leichen die Einstellung zum Tod, sagt Ergün. Man werde ständig damit konfrontiert, wie vergänglich das Geschenk Leben ist. Das normalisiert den Tod ein Stück weit und hilft zu verstehen, ihn nicht als Bedrohung, sondern als Teil des Lebens zu sehen, so der Professor.
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