So macht auch Homeschooling Spaß Schüler im Experimentier-Fieber

„Wir machen das Homeoffice zum Labor“: Mathe- und Physiklehrerin Stefanie Preiß unternimmt mnit ihren Schülerinnen und Schülern Online-Experimente in Physik und stößt damit auf breite Zustimmung. Foto:  

Verblüffende An- und Einsichten erhalten die 24 Siebtklässler des Mathe-Zweiges der Realschule. Trotz Homeschooling und Distanzunterricht machen sie jede Woche neue Experimente. Von ihrer Mathe- und Physiklehrerin Stefanie Preiß werden kurze Videosequenzen dieser Schülerversuche auf die Schulhomepage gestellt und können dort von Jedermann angeklickt werden.

Pegnitz - Zu rockigen Rhythmen flimmert als Schrift über den Startbildschirm: „Wir machen das Homeoffice zum Labor.“ Bei den 13- und 14-Jährigen traf die Lehrerin mit den zu filmenden Experimenten voll ins Schwarze. Schon oft erhielt sie als Rückmeldung der daheim gebliebenen Realschüler: „Können wir noch mehr Experimente machen?“ Oder schlicht: „Das macht Spaß.“

Ungewöhnlich die Erkenntnis aus einem Physik-Experiment zur Dichte: „Ein Glas mit vier Zentiliter Wasser und eines mit vier Zentiliter Öl wurden vermischt.“ Als Ergebnis tippten Schüler – und wohl auch der gesunde Menschenverstand – auf eine Gesamtmenge von acht Zentilitern. Weit gefehlt. „Das stimmt nicht“, erklärte die Physiklehrerin. Die Gesamtmenge lag darunter. Dafür gab es eine größere Dichte an Flüssigkeit.

Eier plumpsen ins Wasserglas

Viel Spaß beim Zuschauen kann man bei den Eier-Experimenten haben. Diese passten zum Physik-Teilbereich der Trägheit. Zwei Eier stehen auf leeren Klopapierrollen, die wiederum auf einem Schneidbrett stehen; darunter zwei leere Wassergläser. Ein Siebtklässler wischt das Schneidebrett mit beherztem Handkantenschlag zur Seite, beide Eier plumpsen in je ein Glas: Eier (und Gläser) unversehrt.

Auf die Frage „Waren das rohe Eier?“, musste die Lehrerin passen. „Das weiß ich nicht.“ Und fügt hinzu: „Ich hätte gekochte Eier genommen.“ Dann gebe es im Falle eines Misserfolges auch „keine große Sauerei“. Grundsätzlich würden Schüler-experimente wie diese benotet. Dabei gehe es aber nicht (nur) um die Versuchsanordnung oder die Qualität des an die Lehrerin online übermittelten Video-Schnipsels. „Die Schüler müssen auch ein schriftliches Protokoll anfertigen.“ In diesem müssten auch bestimmte Fragen zum Physikversuch beantwortet werden. Gerade in Physik seien Preiß zufolge Versuche ganz normal. Nicht erst seit dem Schul-Lockdown. „Wir machen sonst auch jede Woche Experimente.“

Grundsätzlich unterrichtet die Lehrerin pro Woche zwei Stunden Physik in dieser Klasse 7 a des Mathe-Zweiges. Alle anderen Realschüler erhalten erst ab der achten Jahrgangsstufe Physikunterricht.

Für die Klasse 7 a solle der Unterricht mit Experimenten „der Einstieg in die weitere Physik sein“. Die Schüler aus dem Mathe-Zweig schreiben später bei der Abschlussprüfung in der zehnten Klasse auch ein Examen in Physik. Dafür ist aber noch reichlich Zeit, so Preiß.

„Als nächstes schließen wir die Mechanik ab.“ Auch zur Reibung gebe es geeignete Experimente, die man ohne Probleme daheim reproduzieren könne. Wie zum Beispiel das Reiben der Hände. „Warum entsteht dabei Wärme?“, wird die Lehrerin ihre Schüler fragen.

Beim Unterricht und den durchzuführenden Versuchen würden die Schüler keineswegs allein gelassen. „Sie erhalten jede Woche Hinweise per PDF.“ Außerdem könne man sich immer bei ihr melden, um weitere „Tipps“ zu den Versuchen bekommen.

Egal ob Lern-App, Schulbuch oder das Vervollständigen von Hefteinträgen: „Der Physikunterricht besteht aus viel mehr als diesen Versuchen.“ Zum Teil müssten einfach auch schriftliche Hefteinträge vervollständigt werden.

Die Lehrerin weiß aber auch: „Es gibt natürlich auch Experimente, da ist es viel cooler, wenn ich diese live im Physikunterricht vorführen kann.“ Aber noch sei es eben nicht so weit – der Inzidenzwert lässt grüßen.

Ihre Beobachtung aus dem erzwungenen Distanzunterricht: „Gewisse Schüler tun sich hier schwerer, sich zu motivieren.“ Diese müsse man häufiger unterstützen. Und andere Schüler seien das genaue Gegenteil. Diese profitierten davon, dass man bei vorgeführten Lern-Videos oder Filmversuchen einfach auf die Pausentaste drücken könne. Oder Passagen mehrfach wiederholen könne. Die Erfahrung der Lehrerin aus dem Homeschooling: „Es sind nicht immer nur die Guten, die zum Zuge kommen.“

Wenigstens einen positiven Nebeneffekt sieht sie aus dem nun wiederholten Lockdown: „Unsere Schüler sind topp ausgebildet in Sachen Technik.“ Preiß kriegt schon lange „keine Rückmeldung mehr zum Hochladen oder dem Umgang mit der Technik“. Ihr Resümee und das von einigen Fachkollegen dazu: „Es ging jetzt schneller, als viele gedacht hätten.“

Mehr dazu unter rspegnitz.de.
 
 

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