Sind sie die Ursache für Leerstände in der Pegnitzer Innenstadt? Kritik an überhöhten Ladenmieten

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Pegnitz hat ein Leerstandsproblem. Zumindest auf den ersten Blick. Das kommt von den überhöhten Ladenmieten, die viele Hauseigentümer verlangen, sagen manche. Beim Verein „Unser Pegnitz“ sieht man das anders.

Nicht immer ist die Innenstadt so leer wie hier am Donnerstagnachmittag - und vor allem: Die Zahl der Leerstände ist bei weitem nicht so hoch, wie oft behauptet wird, sagt Christina Wellhöfer von Unser Pegnitz. Aber Kritik an zu hohen Ladenmieten als Ursache für diese Leerstände flammt immer wieder auf. Foto: Klaus Trenz Foto: red

Die Klagen: Einer, der Pachtvorstellungen für Gewerbeflächen als zum Teil utopisch bezeichnet, ist Klaus Hermann, Betreiber von Hermann’s Holzlädla am Schweinemarkt. Lange hat er nach Räumen im Stadtzentrum gesucht. Nach für ihn bezahlbaren Räumen.

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"Der Wahnsinn"

Ohne Erfolg: „Da wurden 600 bis 700 Euro im Monat für kleine Flächen gefordert, das ist doch der Wahnsinn.“ Am Schweinemarkt wurde er schließlich doch noch fündig. Dort, wo früher der Dessousladen untergebracht war. Dieser Vermieter sei dankbar, „dass er regelmäßig sein Geld bekommt, dass hier im Winter regelmäßig geheizt wird“.

Übrigens: Auch in Pottenstein und Gößweinstein hatte sich Hermann umgesehen. Auch dort mit mäßiger Resonanz. Er ist froh, nun in Pegnitz bleiben zu können, „denn hier ist ja auch mein Arbeitsplatz“.

Das sagt die Expertin: Sabine Hafner vom Planungsbüro Klimakom, das im Auftrag ein Integriertes Stadtentwicklungskonzept (Isek) erarbeiten soll, weiß von diesen Klagen. Schon bei einer Umfrage unter den Pegnitzer Händlern im Frühjahr 2014 war das Mietpreisniveau ein Thema. Einige hätten betont: „Die Miete ist zu hoch, der Standort nicht mehr so gut wie vor zehn Jahren, als der Mietvertrag entstand“.

Bis zu 14,67 Euro

Eine weitere Erkenntnis dieser Umfrage. Von den in der Innenstadt Befragten betrieben 42 Prozent ihr Geschäft im eigenen Laden, der Rest hatte Flächen angemietet. Die Bandbreite der Miete reichte dabei von 5,21 über 9,38 bis zu – nach Angaben des Unternehmers überteuerten – 14,67 Euro pro Quadratmeter. Der Durchschnitt lag bei 7,34 Euro.

Filialisten machten nicht mit

In der Nürnberger Straße – ohne die Fachmarktzentren – rangierte das Mietniveau mit einer Spannweite von 4,17 bis zehn Euro (Durchschnitt: 6,64 Euro) etwas niedriger als in der Innenstadt. Die Mieter der Fachmarktzentren nahmen – „leider“, so Hafner – nicht an der Befragung teil. Einen Vergleich mit anderen Kommunen habe Klimakom nicht vorgenommen.

Erneut beklagt

Auch beim „Tag der Städtebauförderung“ sei sie am Pep-Gelände erneut von „lokalen Akteuren“ darauf aufmerksam gemacht worden, dass die Situation des hohen Mietpreisniveaus anhält.

Und: „Auch wurde uns während der Erhebung 2014 berichtet, dass es schwierig wird, die zukünftig frei werdenden Räume wieder für eine Einzelhandels- oder Dienstleistungsnutzung zu vermieten.“ Das sei irgendwie eine paradoxe Situation sagt Hafner: Auf der einen Seite zum Teil hohe Mieten und auf der anderen Seite Leerstände. Hier scheine der Markt also nicht Angebot und Nachfrage zu regeln. Warum ist das so?

Bewusstsein fehlt

„Ich erkläre mir dies mit der Tatsache, dass das Bewusstsein der Vermieter, welche Preise realistisch zu erzielen sind, noch nicht ausgeprägt ist.“ Dies sei im ländlichen Raum ein Phänomen, das man nicht nur in Pegnitz antrifft. Zudem schienen einige Vermieter es finanziell gar nicht dringend nötig zu haben, ihre Einzelhandelsimmobilien zu vermieten – weil sie nicht mehr mit Hypotheken belastet sind.

Dringend notwendig wäre es, sagt, Hafner, die Vermieter zu animieren, ihre Preispolitik zu überdenken. Sie ergänzt: „Wir konzipieren derzeit ein Leerstandsmanagement für die Stadt Pegnitz.“

Ausstellung im Leerstand

Dabei soll in einem ersten Schritt der vorhandene Leerstand „kaschiert“ werden. Sprich: „In leerstehende Ladenlokale sollten Ausstellungen von örtlichen Künstlern oder Aktionen von Kindergärten, Schulen, Berufsschulen untergebracht werden.“ Damit der Leerstand nicht als solcher erkannt wird. Sondern als Bereicherung der Innenstadt.

In einem zweiten Schritt sollte versucht werden, den Leerstand, wenn er nicht mehr für Einzelhandel interessant ist, für andere Nutzungen zu gewinnen. Für Ämter, die Wohnzwecke, für Dienstleister. Auch könnten Leerstände für Künstler, Existenzgründer oder junge Unternehmer zur Verfügung gestellt werden. Voraussetzung sei jedoch immer: „Das Mietpreisniveau ist vertretbar.“

Das Fazit

Hafners Fazit: „Insgesamt bedarf es eines Bewusstseinswandels und der Erkenntnis, dass durch Leerstände, insbesondere wenn sie geballt auftreten, der gesamte Einzelhandelsstandort Pegnitz leidet.“ Der Anreiz sollte sein, eine für Einheimische und Gäste attraktive Innenstadt zu schaffen. Ein wichtiger Partner für diesen Dialog sei der in Pegnitz sehr aktive Arbeitskreis „Unser Pegnitz“, der inzwischen als Verein firmiert.

Das sagt „Unser Pegnitz“: Für Christina Wellhöfer, Vorsitzende des Vereins, ist die Diskussion über Leerstände in der Innenstadt inzwischen eine leidige. Denn: „Wir haben bei über 100 Geschäften und Dienstleistern zurzeit gerade einmal zehn Leerstände.“ Nach wie seien 17 Branchen in der Innenstadt und deren Umfeld vertreten. Dazu kommen die Banken, dazu komme die Gastronomie, „das kann sich doch wirklich sehen lassen“.

Schon zwei Jahre alt

Was sie stört: Zum einen sei die Isek-Umfrage zwei Jahre alt und damit nur noch bedingt aktuell. Und: Aus ihrer Sicht bemühen sich die Hausbesitzer sehr wohl um angemessene Preise, „man darf da nicht alle und alles über einen Kamm scheren“. Es gehe ja auch darum, ob die Größe und der Zuschnitt einer Gewerbefläche passen, ob sie barrierefrei ist – was oft nicht der Fall sei. Und wie gesagt: „ich sehe dieses Leerstandsproblem in der oft anprangerten Form nicht.“

So sieht es der Bürgermeister: Eine häufig auftretende Schwierigkeit in der erfolgreichen Wiederbelebung von Leerständen sind unterschiedliche Preisvorstellungen von Eigentümern und potenziellen Neumietern oder neuen Nutzern, sagt Bürgermeister Uwe Raab. Die Stadt habe darauf natürlich keinen direkten Einfluss und könne nur „aufklärend, bewusstseinsbildend und vermittelnd“ tätig sein.

Angebot und Nachfrage passen nicht

Unter dem Strich fahre jeder Vermieter jedoch besser, gegebenenfalls etwas unter seinen Preisvorstellungen neu zu vermieten, als unter einer von Leerstand geprägten Atmosphäre gar keine Miete einzunehmen, sagt Raab. Und: „So manches Mal habe ich den Eindruck, als müssten sich Angebot der Nachfrage etwas entgegenkommen.“ So könne es auch in den Untersuchungen zum Isek Pegnitz 2030 nachgelesen werden.