Silhouettes feiern 50 Jahre Bandgeschichte

Von Moritz Kircher

Wenn „The Silhouettes“ am morgigen Samstag zum Open-Air am Schloss in Unternschreez bitten, dann ist das gleich in zweifacher Hinsicht erwähnenswert. Denn zum einen reiht sich der Auftritt in die Feierlichkeiten zum 50-jährigen Bühnenjubiläum der Band ein. Zum anderen ist es in der Bayreuther Gegend einer der seltenen Auftritte der oberfränkischen Musik-Urgesteine, die den wohl prominentesten Oberfranken zum Fan haben.

„Bayreuth war immer so ein bisschen ein weißer Fleck für uns“, sagt Werner Pöhlmann. Der gebürtige Ahornberger ist wegen seiner Frau nach Unternschreez gezogen. „Ich kann gar nicht genau sagen, warum wir in Bayreuth nie so richtig Fuß gefasst haben.“ Rundherum gibt es kaum einen Tanzsaal, in dem „The Silhouettes“ nicht schon gespielt haben. Noch heute absolviert die Band rund 30 Auftritte im Jahr und tourt dabei zwischen Schweinfurt, Bamberg, Coburg, Lichtenfels, Kulmbach und Hof.

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Angefangen hat alles als Schulband

Angefangen hat alles 1966 als Schulband am Gymnasium in Münchberg. Alle Bandmitglieder kommen aus dem Hofer und Münchberger Raum. „Wir waren Jungs aus einer Klasse“, sagt Pöhlmann. Die Urbesetzung hat sich aber schnell geändert, weil es die Bandmitglieder nach dem Abitur in alle Richtungen zerstreute. Ihrem Stil sind die Musiker aber treu geblieben. Es ist die Beatmusik der ausgehenden 1960er Jahre. „Kein Rock ’n’ Roll“, sagt Pöhlmann. „Das war schon out.“ Und so coverte die Band Songs der „Beatles“, die „Rolling Stones“ und „Herman’s Hermits“.

„Herman’s Hermits“? Der größte Hit der Band dürfte noch vielen geläufig sein. Mit „No Milk today“ war die Gruppe im Jahr 1966 insgesamt 20 Wochen in den deutschen Charts und drang bis auf den zweiten Platz vor. „Herman’s Hermits“ haben die „The Silhouettes“ auch ihren Namen zu verdanken. Die Musiker suchten und würden bei den Hermits fündig, die 1965 den Song „Silhouettes“ rausgebracht hatten. Pöhlmann lacht. „Wir würden uns nie wieder so nennen“, sagt er. „Das kann ja kaum einer richtig schreiben.“ Aber ein anderer Name kommt heute nicht mehr in Frage. Denn „The Silhouettes“ sind vielen Fans in Oberfranken ein Begriff.

Mit Gottschalk vor 10.000 Menschen aufgetreten

Auch dem prominentesten Oberfranken überhaupt. In jungen Jahren hat Werner Pöhlmann schon Thomas Gottschalk kennengelernt. Die Karriere Gottschalks hatte erst begonnen. Damals verdingte er sich noch als einer der ersten Discjockeys der Region. Über die Jahre haben Pöhlmann und Gottschalk den Kontakt gehalten. Mit Gottschalk zusammen hatten „The Silhouettes“ 2002 bei der Landesgartenschau in Kronach vor 10.000 Menschen ihren größten Auftritt. „Das ist schon eine Wand, wenn du vor so vielen Leuten spielst“, sagt Pöhlmann. „So was ist natürlich gigantisch.“

Der bisher letzte Auftritt mit dem berühmten Moderator ist nicht lange her. Aus den USA rief Gottschalk bei Pöhlmann an und lud ihn und Wolfgang Bodenschatz zum 66. Geburtstag ein. „Und wenn ihr kommt, bringt doch eure Gitarren mit“, habe Gottschalk gesagt. Da ließ sich die Band natürlich nicht zweimal bitten. In seinem privaten Fundus hat Pöhlmann ein Foto, wie er mit Gottschalk bei einem Glas Wein sitzt.

Musikalisch in den 60ern, 70ern und 80ern zu Hause

Nicht nur Gottschalk hat den „Silhouettes“ die Treue gehalten. Auch die Fans von damals sind mit der Band zusammen alt geworden. Die meisten seien jenseits der 50, sagt der 67-jährige Gitarrist der Band. „Denen tut unsere Musik gut“, sagt er und lacht. „Das ist durchaus ein Jungbrunnen.“

Musikalisch hat die Band all das mitgenommen, womit sie in den 1960ern angefangen hatte. Mit der Zeit wuchs das Repertoire. Auch aus den 70er und 80er Jahren covern „The Silhouettes“ viele Songs. Nur um die 90er hat die Band bisher einen Bogen gemacht. Und das wird wohl auch so bleiben. „Die haben wir bewusst ausgeklammert“, sagt Pöhlmann. Denn da gab es nur noch wenig Musik, die zum Stil der Band passen würde.

Die Silhouettes-Familie ist immer weiter gewachsen

Werner Pöhlmann macht mit der Band seit dem ersten Tag Musik. Andere Musiker kamen und gingen und kamen wieder zurück. „Es ist nie jemand im Bösen aus der Band ausgeschieden“, sagt Pöhlmann. Und so ist die „Silhouettes“-Familie über die Jahre immer weiter gewachsen.

Der Kern der Band besteht heute aus sechs Musikern. Bei den Auftritten sind meistens einige Ehemalige und befreundete Musiker dabei. So auch am Samstag in Unternschreez, wenn Wolfgang Bodenschatz und Eduard Hartmann die Formation verstärken.

Das Konzert in Unternschreez

Am Schloss in Unternschreez veranstaltet der Obst- und Gartenbauverein am Samstag, 10. September, ein Open-Air-Konzert mit „The Silhouettes“. Das Konzert beginnt um 19 Uhr (Einlass ab 18 Uhr). Tickets kosten zehn Euro an der Abendkasse. Kinder bis sechs Jahre haben freien Eintritt. Jugendliche bis 16 Jahre zahlen fünf Euro. Thomas Gottschalk ist natürlich auch eingeladen. Wer allerdings hofft, dem berühmten Show-Master im Publikum über den Weg zu laufen, wird enttäuscht. Er wäre gerne da gewesen, sagt Pöhlmann, musste aber aus beruflichen Gründen absagen.