Die Forschungsidee sei durch einen Zufall während eines Praktikums entstanden, sagte die 24-Jährige: Im Keller des Büros nisteten sich demnach Haselmäuse in gelagerten Aalreusen ein. Nach dieser Entdeckung habe sie geholfen, die Rohre zum idealen Haselmausdomizil umzufunktionieren - mit Draht und alten Tetrapaks.

Das Ergebnis kam bei den Tieren offenbar gut an: Die Haselmäuse begannen, ihre Jungen in den Rohren aufzuziehen. Von insgesamt 84 zwischen Bamberg und Forchheim ausgelegten Niströhren seien nach drei Wochen 32 mindestens einmal von den Tieren besetzt worden.

Zuverlässige Zahlen über den Bestand könnten die Niströhren aber nicht liefern, gab Wissenschaftler Sven Büchner, der mit dem Bund Naturschutz in Bayern zusammenarbeitet, zu bedenken: „Bei einer Art wie der Haselmaus, die daumengroß ist, nachtaktiv und den Großteil des Sommers in den Kronen der Bäume verbringt, hat man gar keine Chance.“ Aber: „Wir wissen, dass man mit einem etwas größeren Wohnungsangebot die Zahl der Haselmäuse steigern kann.“

Ihr Lebensraum sei durch Straßenbau, Landwirtschaft und das Verschwinden der Hecken, die den Mäusen Gehölzverbindungen böten, bedroht. „Das sind aber die Korridore, in denen die Haselmäuse hin- und herflitzen“, sagte Büchner. „Und es gibt einen heftigen Kampf um Baumhöhlen im Wald.“ Bei der Wohnungssuche sind die Nager jedoch nicht besonders wählerisch: „Die Haselmaus ist da tolerant.“

Für die Forschung sei sie fast täglich durch verschiedene Biotope gekrochen, sagte Wipfler. Bislang habe sie schon etwa 40 Haselmäuse gesehen. Nach Abschluss des Projekts aus dem vergangenen Jahr habe sie besonders die Erkenntnis fasziniert, dass die Nager nicht nur in Sträuchern und Bäumen, sondern offenbar auch gern im Schilf wohnen. „Wir wollen im nächsten Jahr Tiere besendern und dann genau nachverfolgen, wo sie sich aufhalten.“ Vielleicht werde daraus dann ihre Masterarbeit.

Für diese Saison würden die Niströhren nun aber erstmal wieder eingesammelt und die Haselmaus begebe sich in den Winterschlaf.