Sie könnten dem jüdischen Höhlenforscher Benno Wolf gehören – Durchsicht wegen Schimmels nicht möglich Liegen geraubte Bücher im Keller?

Im Keller des Alten Feuerwehrhaus in der Hauptstraße liegen zahlreiche historische Bücher, bei denen es sich um Raubkunst aus dem Nachlass des Pottensteiner Höhlenforschers und SS-Standartenführers Hans Brand handeln könnte. Brand hatte offenbar den jüdischen Höhlenforscher Benno Wolf 1942 ins KZ verschleppen lassen, um sich dessen wertvolle Bibliothek unter den Nagel zu reißen. Eine aktuelle Durchsicht des Bestandes ist nicht möglich: Die Schimmelbelastung der Bücher ist extrem hoch.

Bürgermeister Stefan Frühbeißer kennt die Bücher, hat sie aber noch nicht detailliert angeschaut. Die Stadt suche einen alternativen Lagerraum, dann könnten die Werke gesäubert, gesichtet und katalogisiert werden. Möglicherweise kommt die benachbarte Magerscheune dafür infrage, die zu einem Museum umgestaltet werden soll. Im hinteren Teil der Scheune soll Platz für ein Magazin und für das Rathausarchiv geschaffen werden.

Die schätzungsweise 100 bis 200 Bücher lagern laut Frühbeißer in einem Regal und befassen sich mit allgemeiner Geologie und Physik. „Sollten Bücher von Benno Wolf vorhanden sein, dann wäre das zu klären und aufzuklären“, zeigt sich Frühbeißer aufgeschlossen. Die Befreiung der Bücher von Schimmel werde wohl nicht mehr dieses Jahr erfolgen. Frühbeißer vermutet, dass es sich um den Nachlass von Brand handelt, auf einem Karton soll auch die Aufschrift „Unterlagen Brand“ stehen. Weiterhin liegen allgemeine Verwaltungsunterlagen im Keller des Alten Feuerwehrhauses, die ebenfalls auf eine Sichtung warten.

Rainer Hofmann kennt die Bücher ebenfalls. Sie seien ungeordnet, „da ist alles zusammengeschmissen“, weiß er von beruflichen Besuchen im Alten Feuerwehrhaus. Der Leiter des Fränkischen Schweiz-Museums in Tüchersfeld spricht von einem ziemlich feuchten Keller, alles sei von Staub und feuchter Luft in Mitleidenschaft gezogen. Er ist davon überzeugt, dass es sich bei den Büchern großteils um die Bibliothek von Brand, also um geologische Titel, handelt. „Wer außer Brand hätte Interesse daran gehabt?“, fragt Hofmann. Er schätzt den Bestand auf Hunderte von Büchern, die in die Regale geräumt wurden. Ohne Atemschutzmaske, sagt Hofmann, würde er den Keller nicht betreten. Die hohe Schimmelbelastung bedeute ein Risiko für die Gesundheit.

Der Kurier hatte am 18./19. Juni über NS-Raubkunst berichtet, die zum Kriegsende 1945 auf Veranlassung von Brand in der Kleinen Teufelshöhle bei Pottenstein versteckt wurde. Die US-Kunstoffiziere erstellten am 30. April 1948 eine Liste über gefundenes Material in Pottenstein: Darunter war Eigentum des speleologischen Instituts von Postojna in Slowenien mit 1000 Werken einer Bücherei, Zeichnungen und Fotos (80 Kisten) und Eigentum des Speleologischen Instituts von Wien (80 Kisten). Aufgelistet ist auch Besitz von Benno Wolf, den Brand offenbar ins KZ Theresienstadt deportieren ließ, wo Wolf 1943 ermordet wurde. Sein Material bestand unter anderem aus 600 Werken seiner Bibliothek, schrieben die US-Kunstoffiziere 1948. Brand hatte die Bücher in seiner Eigenschaft als Leiter der Forschungsstelle für Karst- und Höhlenkunde der SS-Organisation „Ahnenerbe“ rauben lassen. Nach dem Krieg wurden Unterlagen aus Wien und Postojna in den Sammelpunkt der US-Militärregierung für herrenlose Kunstgegenstände nach Bamberg gebracht. Das Material aus Postojna füllte einen großen Lastwagen, das aus Wien einen Lastwagen. Das Wiener Material wurde später zurückgegeben.

Über den Verbleib der 600 Bücher von Wolf liegen keine Unterlagen vor. Die Naturhistorische Gesellschaft (NHG) in Nürnberg besitze einen Teil des Nachlasses, teilt deren Höhlenexperte Hans-Joachim Götz mit. Bücher und Zeitschriften von Wolf seien nach dem Krieg zur NHG gelangt, entsprechende Stempelabdrucke wiesen ihn als Besitzer aus. Götz schätzt die Zahl der Bücher auf 100 bis 200. Das Alte Feuerwehrhaus bezeichnet er als „interessante Spur“. Er hält es für möglich, dass dort noch Teile des Nachlasses von Wolf liegen. Bislang habe es darüber „nur Gerüchte gegeben“.

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