Serie Selbsthilfegruppen Den Trauerweg gemeinsam gehen

Anne Müller
Nicht alleine trauern: Ab September wird es eine neue Trauergruppe des Hospizvereins mit Daniela Stöcker-Dollinger geben. Foto: /Anne Müller

Trauern ist vergleichbar mit einem Weg. “Ein Spaziergang ist es nicht, weil es nie leicht ist. Aber es geht immer wieder ein bisschen weiter”, sagt Daniela Stöcker-Dollinger. Sie hat vor zwei Jahren ihren Mann verloren und sich danach einer Trauergruppe des Hospizvereins angeschlossen. “Die Menschen in dieser Gruppe haben Ähnliches erlebt, und sie gingen den Trauerweg sehr individuell und unterschiedlich. Mir persönlich hat es gut getan, das Gruppengefüge zu haben.” Ab Ende September wird es beim Hospizverein Bayreuth eine neue Trauergruppe mit dem Namen “Trauerbegegnung miteinander” geben, zu der jede und jeder Trauernde zum Austausch und zur gegenseitigen Begleitung kommen darf.

Einfach mal kommen und probieren

Ob eine solche Trauergruppe das “richtige” für die eigene Trauerbewältigung ist, kann man nur durch Ausprobieren herausfinden. Daher empfiehlt Daniela Stöcker-Dollinger, einfach zu den Gruppentreffen zu kommen - auch wenn man noch zweifelt. „Das erste Treffen war hart. Aber ich bin zutiefst dankbar für die Trauergruppe, weil sie mich getragen hat.”

Im Hospiz blühte mein Mann noch mal auf

Ihr Mann Thomas verstarb im September 2020 im Hospiz Bayreuth, den Hospizverein und seine Angebote kannte sie jedoch schon zuvor. Als es dann daheim einfach nicht ging, weil Thomas Dollingers ALS zu weit fortgeschritten war, zog er ins Albert-Schweitzer-Hospiz. “Und es passierte, was wir nicht für möglich gehalten haben: Er blühte auf, wir konnten zusammen lachen, ich konnte mich nach meiner Bandscheiben-OP bei ihm erholen, und wir hatten so viele großartige Menschen um uns herum.” Zuvor hatte Daniela Albträume, wenn sie an den Abschied von Thomas dachte, der ja unweigerlich kommen würde. Besonders vor den Corona-Einschränkungen hatte sie richtig Angst, doch es kam dann ganz anders: “Ich bin mir sehr bewusst, welch schönen Abschied wir haben durften. Wir hatten eine richtig gute Zeit.”

„Man spürt, dass man nicht alleine ist“

Auch und gerade nach Thomas’ Tod hielt der Hospizverein den Kontakt zu seiner Frau aufrecht, und auch innerhalb “ihrer” Trauergruppe wurde sich der Kontakt zueinander gepflegt - auch wenn die Gruppe offiziell schon nicht mehr existiert. “Die Basis in einer solchen Gruppe ist die gleiche, aber gerade die Vielfalt der Umgangsmöglichkeiten mit unserer Trauer war für mich wirklich gut und tröstlich zu sehen.” Einige der Gruppenteilnehmer packten zum Beispiel die bürokratischen Aufgaben relativ früh an, andere organisierten einen Umzug aus der ehemaligen gemeinsamen Wohnung, und wieder andere brauchten eben länger, um ihre Gefühle überhaupt in Worten auszudrücken. Innerhalb der Gruppe war dies alles vollkommen wertfrei und in Ordnung. “Man spürt, dass man nicht alleine ist. Ich würde mir für jeden und jede Trauernde wünschen, dass sich die Trauer irgendwann in dankbare Erinnerung wandelt.”

Zwei Treffen im Monat

Die Trauergruppe des Hospizvereins wird sich ab 29. September vorerst zweimal pro Monat treffen. Im Vortragssaal des Hospizvereins (Klinikum Bayreuth, Ebene Palliativstation) findet zudem am 8. September ein Informationsabend statt, zu dem alle Interessierten eingeladen sind. Hier werden die Trauergruppe und die weiteren Angebote der Trauerbegleitung durch den Hospizverein vorgestellt.

Info:

8. September um 19 Uhr: Informationsabend zur Trauerarbeit im Vortragssaal des Hospizvereins (Klinikum Bayreuth, Ebene Palliativstation)

9. September, 16 bis 20 Uhr: Kraftquellen in Zeiten der Trauer, Trauerangebot in der Natur bei Pottenstein

29. September, 16.30 Uhr: Erstes Treffen der neuen Trauergruppe im Vortragssaal;

Informationen und Anmeldungen im Hospizbüro unter 0921/1505292 oder kontakt@hospizverein-bayreuth.de

In der Kurier-Serie Selbsthilfegruppen bereits erschienen:

https://www.kurier.de/inhalt.serie-selbsthilfegruppen-leben-mit-dem-defi-in-der-brust.b8ce12bc-3046-46b2-85db-d53f3645f6d1.html
 

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