Seniorenheim Waischenfeld Jetzt Cura-Vivum statt Seni-Vita

Sind optimistisch, dass die Senioreneinrichtung St. Anna eine gute Zukunft hat (von links): Hakan Kodas, stellvertretender Leiter Andreas Düngfelder, Bürgermeister Edmund Pirkelmann und Martina Deinzer, Leiterin von St. Anna. Foto: red

WAISCHENFELD. So manches könne besser werden. Also noch besser. Hakan Kodas, Geschäftsführer von Cura-Vivum stellte sich dem Waischenfelder Stadtrat vor. Der Anlass: Das Unternehmen mit Hauptsitz in Bayreuth hat seit 1. Januar das Seniorenheim St. Anna von Seni-Vita übernommen, fungiert als neuer Träger. Kodes sparte nicht mit deutlichen Aussagen, redete Klartext.

Das kam gut an bei den Räten: Der 44-Jährige verlor sich nicht in Allgemeinplätzen, ganz im Gegenteil. Leid tue es ihm, so der gelernte Banker, der nach 22 Jahren als Angestellter 2015 in die Selbstständigkeit wechselte, dass er erst jetzt das neue Modell präsentiere. Doch im Zuge der Umstrukturierung sei jede Menge Arbeit angefallen, „es ging nicht früher“. Umso wichtiger sei es ihm, die Rolle der Einrichtung innerhalb der Kommune darzustellen: „Wir wollen hier aktiv dabei sein, wollen mitwirken, wollen unterstützen.“ Diese Integration ins Stadtgeschehen war aus seiner Sicht in der Vergangenheit wohl eher schwächer ausgeprägt, auch an der Kommunikation, an Transparenz habe es ab und an gefehlt. Das solle sich ändern. Besser werden halt. Kodas: „Was auch immer schief lief in der Vergangenheit, wir wollen transparent sein, wollen mit Ihnen eng zusammenarbeiten.“

Noch zwei Häuser unter diesem Dach

Cura-Vivum hat neben Waischenfeld zwei weitere, größere Einrichtungen unter seinem Dach: Das Haus St. Mauritius in Hirschaid-Sassanfahrt und das Haus Am Miesberg in Schwarzenfeld. In Waischenfeld liege der Schwerpunkt auch künftig auf dem betreuten Wohnen, sagte Kodes. Inwieweit der Pflegebereich ausgebaut werden könne, hänge vom Personal ab, „das wir ja erst einmal finden müssen“.

"Pflege das Lebenide"

Auch da gehe es immer um das CuraVivum-Motto „Pflege das Lebendige“. Damit sei der Mensch gemeint, um den sich alles drehen müsse. Daher bezahle das Unternehmen seine Mitarbeiter auch nach Tarif, bessere nun auch bei den Entgeltgruppen nach. Sprich: Langjährige Betriebszugehörigkeit werde berücksichtigt. Dahinter stecke ein aus seiner Sicht stimmiges Konzept, auch wenn sich nicht alles aus betriebswirtschaftlicher Sicht rechne. Noch nicht, „wir arbeiten dran“. Was ihn vom Gelingen überzeugt: Das Personal ziehe mit, von den rund 170 Beschäftigten in den drei CuraVivum-Häusern habe nach der Übernahme nur eine Kraft gekündigt, „da ging es um den Weg zum Arbeitsplatz“.

Mehr Personal als andere

Wie gesagt: Das betreute Wohnen steht aktuell im Mittelpunkt. Wolle man den Bereich der stationären Pflege ausbauen, bräuchte Cura-Vivum mehr Personal – „und das haben wir im Moment nicht“. Da geht es auch um den Anspruch, den das Unternehmen an sich selbst stelle: In anderen Häusern der Region sei nachts eine Kraft alleine für 40 bis 50 Menschen zuständig, „bei uns sind es 1,5 bis zwei Stellen“. Gerne erweitere man das Angebot, aber dann müsse auch die Refinanzierung gesichert sein, dann müsse sich das rechnen. Es laufen Gespräche mit der Heimaufsicht zu diesem Thema, sagt Kodes, „aber es kann schon zwei, drei Jahre dauern, bis das umgesetzt ist, wir sind da jedenfalls nicht verschlossen“.

Die Sache mit den Sozialfällen

Ein Selbstläufer sei all das nicht. Zumal die Zahl jener Personen steige, die sich einen Pflegeplatz nicht mehr leisten können und auf finanzielle Hilfe durch den Bezirk angewiesen sind. Die Decke aber die Lücke nicht ab, die es zu schließen gilt: „Wenn du 1200 Euro brauchst, vom Bezirk aber nur 380 Euro bekommst, dann zahlen wir drauf.“ Was nicht bedeute, „dass wir solche Fälle kategorisch ablehnen.“ Immerhin seien zurzeit acht Plätze von St. Anna mit solchen Pflegefällen belegt.

Die Sache mit der Abspaltung

Worauf Hakan Kodas im Kurier-Gespräch Wert legt: Cura-Vivum sei ein eigenständiges Unternehmen, es existierten keinerlei Verknüpfungen zu SeniVita. Dass CuraVivum eine Abspaltung von mehreren Betrieben, die ursprünglich zu SeniVita gehörten, vollzogen habe, sei „in der Praxis gängig und nichts Außergewöhnliches, zumal eine Abspaltung erst ab einer bestimmten Größe Sinn macht“.  SeniVita zeichne aber noch für den ambulanten Pflegedienst verantwortlich, die Tagespflege und die Hausverwaltung seien zu hundert Prozent Sache von CuraVivum.

Es wird nachgebessert

Und, wie gesagt: Bezahlt werde nach Tarif. Der von SeniVita übernommen worden und an einen Tarifvertrag für kommunale Betriebe angelehnt sei. Bei der Eingruppierung der Beschäftigten nach Dauer der Betriebszugehörigkeit werde nachgebessert, so Kodas.  Nicht alle der 28 Wohneinheiten sind zurzeit belegt. Auch dies sei nicht ungewöhnlich, betont Kodas: „Wir hatten drei Todesfälle, einige Bewohner mussten ins Krankenhaus aufgrund medizinischer Eingriffe.“

In der Aufbauphase

Noch befinde man sich in der Aufbauphase, „aber wir wollen kein Insel-Dasein, wollen uns nicht verstecken“. Wenn das Unternehmen Waischenfelder Belange fördern könne, „dann werden wir das auch tun“, sagte Hakan Kodas in der Stadtratssitzung. Das kam gut an. „Wir müssen uns als Kommune hinter diese Einrichtung stellen“, meinte etwa Bürgermeister Edmund Pirkelmann. Gut, früher sei „oft Negatives berichtet worden, aber über das Positive reden die Leute halt in der Regel auch nicht“. Und dritter Bürgermeister Kurt Neuner kündigte Kodes jede Art der Unterstützung an, sollte sich Cura-Vivum einmal mit dem Gedanken an einer Erweiterung tragen: „Dann wird sich die Stadt sicher einbringen, etwa bei der Grundstückssuche.“ Denn es sei wichtig, den Menschen am Ort ein Angebot machen zu können, „ehe sie nach Hollfeld, Glashütten oder anderswo hingehen müssen.“

Was Seni-Vita sagt

Seni-Vita suche sich schon seit einigen Jahren „gezielt renommierte Partner aus der Pflege, um sich gemeinsam den Herausforderungen der Branche zu stellen“, sagt Kristin Männche von der SeniVita-Projektleitung. Da gehe es um Themen wie Fachkräftemangel und steigenden Pflegebedarf. Das habe mit dem stetigen Wachstum von SeniVita zu tun. Die Strategie des Unternehmens konzentriere sich auf „eine Spezialisierung bei der Entwicklung moderner Pflegewohnkonzepte und der gemeinsamen Umsetzung dieser Konzepte zusammen mit ausgewählten Partnern“. In allen SeniVita-Einrichtungen seien daher ambulante Dienste eingeladen, sich als Partner einzubringen.

 

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