Seit Bekanntwerden des Missbrauchs vor fünf Jahren war keine Ruhe mehr eingekehrt Odenwaldschule mit neuer Leitung

Die Odenwaldschule will mit neuem Führungspersonal und stark veränderten Strukturen aus der Krise kommen. Gut ein halbes Jahr nach dem Rauswurf des Leitungsteams sind wichtige Führungsposten neu besetzt.

Schulleiter wird zum 1. August Rainer Blase (49), wie die Schule am Donnerstag mitteilte. Die Arbeit bereits aufgenommen haben Internatsleiterin Sonya Mayoufi (41) und Geschäftsführer Marcus Halfen-Kieper (47). Vor fünf Jahren war an der Reformschule ein jahrelang vertuschter sexueller Missbrauch von mindestens 132 Schülern ans Tageslicht gekommen. Seitdem war keine Ruhe eingekehrt.

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«Das ist ein ganz klarer Neuanfang», sagte Halfen-Kieper. Verloren gegangenes Vertrauen müsse zurückgewonnen werden. «Das ist ein steiniger und harter Weg. Wir werden aber an Bord bleiben.»

Für Ende Februar haben die Aufsichtsbehörden nach Angaben des Landkreises Bergstraße eine Entscheidung über die Betriebsgenehmigung der Odenwaldschule geplant. Die Schule braucht eine neue Genehmigung, weil sie nach neuerlichen Missbrauchs-Verdächtigungen im vergangenen Jahr auf Drängen der Behörden Struktur und Organisation verändert.

Wegen unterschiedlicher Ansichten über die Neuausrichtung mussten im vergangenen Sommer der damalige Schulleiter, die Internatsleiterin und der langjährige Geschäftsführer gehen. Schon davor hatte es personelle Wechsel an der Spitze gegeben.

Die neuerlichen Missbrauchs-Verdächtigungen bestätigten sich 2014 nicht. Die Aufsichtsbehörden bemängelten aber fehlende Transparenz seitens der Schule und sahen sich zum Einschreiten gezwungen. Sie forderten eine strikte Trennung von Internat und Schule, eine neue Rechtsform und eine sichere Finanzierung.

Das Geld ist aus Sicht der Schule ein großes Problem. «Wir sind zur Zeit ein Zuschussgeschäft», sagte der Vorsitzende des Odenwaldschule-Vereins, Gerhard Herbert. Die Zahl der Schüler ist nach Bekanntwerden des Missbrauchs deutlich zurückgegangen. Inzwischen gebe es 149 Schüler, 80 im Internat und 69 in der Schule.

Für Missbrauchsopfer nimmt die Odenwaldschule nach Ansicht des Opfervereins «Glasbrechen» nach wie vor zu wenig Geld in die Hand. Der häufige Personalwechsel komme teuer, so der Vorsitzende Adrian Koerfer. «Geld scheint vorhanden zu sein - nur nicht für die Opfer der Odenwaldschule», teilte er mit. «Wo es am Geld fehlt, fehlt es am Bewusstsein.»

dpa