„Sei Siegfried“ Festspielbesucher kämpfen gegen den Drachen

Noch nie wurde in Pausen von „Walküre“-Aufführungen vor dem Festspielhaus so viel gelacht wie in diesem Sommer. Der Grund ist nichts weniger als ein Kampf mit dem Drachen. Wer will, kann sich dabei als Siegfried fühlen, zum Schwert greifen und dem Ungeheuer den tödlichen Stoß versetzen.

Bayreuth - „Virtual Reality“ macht das möglich. Der Regisseur und Digital-Experte Jay Scheib hat dafür die nötigen Technologien entwickelt. Der Besucher muss nur eine Brille aufsetzen und der Kampf kann beginnen.

Den flanierenden Festspielgästen boten sich somit am Dienstag lustige Anblicke von teils im Smoking wild gestikulierenden Drachenkämpfern. Jeweils drei Minuten dauert das Spektakel. Dann gibt der Hüter des Horts seinen Geist auf. Egal, wie wild der digital bebrillte Siegfried herumfuchtelt. Die Aktion „Sei Siegfried“ ist Teil des multimedialen Projekts „Ring 20.21“ der Bayreuther Festspiele, die einen Vorgeschmack auf künftige Produktionen bieten will. Zum einen auf den neuen „Ring des Nibelungen“ im Jahr 2022, zum anderen auf den „Parsifal“ im Jahr 2023, den der Besucher ebenfalls mit digitaler Brille betrachten kann, während auf der Bühne des Bayreuther Festspielhauses ganz real eine Inszenierung des Stücks läuft.

Udo Schmidt-Steingraeber als Siegfried

Bei den Pausen-Siegfrieden am Dienstag kam die Aktion bestens an. „Faszinierend, wie man das im Raum erlebt“, schwärmte etwa Rüdiger Feik aus Karlsruhe. „Weiche Gemüter können da schon erschrecken, wenn plötzlich der Drache losfliegt“, sagte Udo Stephan Köhne vom Wagner-Verband aus Minden. Köhne hatte sich eher als Stoiker unter den Siegfrieden erweisen und auf die Selbstauslöschung des Untiers vertraut. Ganz im Gegensatz zu Udo Schmidt-Steingraeber. Der Chef der Bayreuther Klaviermanufaktur legte heldenhaft einen fast hollywood-reifen Auftritt hin und hatte sichtlich Spaß dabei, den Drachen zu erlegen. „Den hab‘ ich fertig gemacht.“ Und: „Das war wie im Comic. Der Drachen ist sowas von goldig.“

Es wurde viel gelacht in dieser Pause der „Walküre“, zu der im Festspielhaus der Künstler Hermann Nitsch eine spektakuläre Malaktion ablaufen ließ.

Ulrich Jagels mit digitaler Brille

Auch der Geschäftsführende Direktor der Festspiele, Ulrich Jagels, setzte sich die digitale Brille auf. Und erklärte einen wichtigen Unterschied: Hierbei handelt es sich um „Virtual Reality“, alles ist künstlich. Beim „Parsifal“ 2023, den Jay Scheib in Bayreuth inszenieren wird, geht es um „Augmented Reality“, die reale Szene wird mit digitalen Bildern erweitert. Jagels versprach auch, dass die „Parsifal“-Brille deutlich leichter sein wird, als diejenige die sich die Helden bei „Sei Siegfried“ umschnallen müssen.

40 bis 50 Siegfriede pro Pause

In sechs Zelten kommen pro Pause 40 bis 50 Besucher in den Genuss des digitalen Drachenkampfs. Ein letztes Mal können wackere Siegfriede am Donnerstag, 19. August, jeweils in den Pausen der „Walküre“-Aufführung zum digitalen Schwert greifen. Auch wer im weißen Hemd unterwegs ist, muss sich keine Sorgen machen. Real spritzt kein Blut.

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