Seehofer spricht sich beim Deutschlandfest gegen Leitungen aus und wird umjubelt Stromtrassengegner protestieren in Mödlareuth Mödlareuth

Von Dieter Feustel

Dass Ministerpräsident Horst Seehofer insbesondere beim Thema Energiewende gerne auch immer mal wieder zurückrudert, ficht ihn in seiner Popularität offenbar nicht an. 7000 Menschen haben ihn gestern bei der 25. Auflage des Deutschlandfestes der CSU im einst von Mauer und Stacheldraht durchschnittenen bayrisch-thüringischen Grenzdorf Mödlareuth umjubelt.

Foto: Dieter Feustel Foto: red

Die über 200 Stromtrassengegner, die bei dem Fest demonstrierten, hatte schon vorher mit einem Interview in der „Süddeutschen Zeitung“ milde gestimmt. Darin hatte der bayerische Regierungschef entgegen seiner ursprünglichen Ansicht die Notwendigkeit des Stromnetzausbaues bestritten.

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Nach Mödlareuth waren Vertreter von Inititiativen aus den Landkreisen Hof und Bayreuth, dem Nürnberger Land und der nördlichen Oberpfalz sowie aus dem thüringischen Saale-Orla-Kreis gekommmen.

Beim Einmarsch in das rappelvolle Festzelt unter den Klängen des bayerischen Defiliermarsches wird Seehofer mit stehenden Ovationen empfangen. Die Wiedervereinigung Deutschlands ist der Schwerpunkt seiner rund einstündigen Rede. Auf die Lehren geht er ein, die aus vierzig Jahren DDR zu ziehen sind. Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl dankte er für seine große historische Leistung, die Chance zur Wiedervereinigung vor 25 Jahren konsequent genutzt zu haben. Dafür gibt es Stakkato-Beifall und „Helmut, Helmut“-Rufe. Der bayerische Ministerpräsident würdigt auch die große Leistung der Ostdeutschen bei der Bewältigung der gewaltigen Herausforderungen nach der Wiedervereinigung.

Bei der Definition der Rolle der Bayern bewies Seehofer auch Humor und brachte die Lacher mehrfach auf seine Seite. Als er sie beispielsweise als friedfertiges Völkchen charakterisierte, die keinen Streit suchten, aber auch keinem aus dem Weg gingen.

Seehofer war nach 1996 und 2010 nun schon zum dritten Mal Hauptredner am Tag der Deutschen Einheit in Mödlareuth und nimmt damit den Spitzenplatz unter den Spitzenpolitikern ein. Bei den Besucherzahlen rangiert er jetzt auf Platz vier hinter Altbundeskanzler Helmut Kohl mit fast 30 000 bei seinem Auftritt 1994 unter freiem Himmel, dem früheren bayerischen Ministerpräsidenten Max Streibl (1991: 15 000) sowie dem gemeinsamen Auftritt der Ministerpräsidenten Edmund Stoiber, Bernhard Vogel und Gyula Horn (Ungarn) im Jahr 2000 vor 10 000 Zuhörern.