Ausraster im Gerichtssaal Stalker von Silke Launert muss in Haft

Archivfoto: Daniel Karmann/dpa

BAYREUTH/HOF. Er ist einschlägig vorbestraft und stalkte zuletzt Bundestagsabgeordnete Silke Launert. Deshalb war der 31-jährige Dijoni P. zu einer sechsmonatigen Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden. Die Staatsanwaltschaft legte dagegen Berufung ein. Jetzt muss er hinter Gitter. Dijoni P., der beteuerte, ein neues, straffreies Leben beginnen zu wollen, rastete nach der Urteilsverkündung im Gerichtssaal aus.

Dijoni P. ist kein unbeschriebenes Blatt: Eine prall gefüllte Vorstrafenliste kann der 31-Jährige vorweisen. „Wenn ich Ihre Vorstrafen sehe“, sagte Richter Holger Gebhart, „dann ist da ja alles drin: Vermögensdelikte, Raub, Körperverletzung, uneidliche Falschaussage, Betäubungsmittel-Vergehen, Nachstellung. Man hat das Gefühl, dass bei Ihnen immer wieder etwas kommt.“

P., der srilankische Wurzeln hat, erschien in akkurat gebügeltem blauen Hemd vor der Strafkammer und gab sich vor Gericht betont einsichtig. „Ich will mich ändern“, sagte er mehrfach, was sein Verteidiger Walter Bagnoli bestätigte. Fünf Straftaten wurden bei P. auf Bewährung ausgesetzt, was laut Richter Gebhart „schwer nachvollziehbar“ sei. „Sie haben immer wieder Bewährungschancen bekommen zwischen 2004 und 2014 und sind danach straffällig geworden“, sagte Gebhart zum Angeklagten. „Einträge, die gezeigt haben: Die Bewährung bringt bei Ihnen nichts.“

Berufung der Staatsanwaltschaft erfolgreich

Von Februar bis April 2018 stellte der Hofer zuletzt Silke Launert nach, weil er dachte, sie sei verliebt in ihn. Er suchte ihre Nähe, versuchte Kontakt über „verschiedene Kommunikationsmittel aufnehmen“, wie Strafrichter Holger Gebhart ausführte. Er rief mit unterdrückter Nummer in Launerts Büro an und beleidigte dabei die Abgeordnete unter anderem als „Schlampe“, die „abgeschlachtet“ werden soll. Schließlich reiste er sogar mit dem Zug von Hof an und stand abends um kurz vor 23 Uhr vor der Haustür der „verängstigen“ Abgeordneten, die um P.s Gewaltdelikte wusste. Trotz eines Kontakt- und Aufenthaltsverbotes habe es „ständig wiederkehrende Kontaktversuche“ gegeben. Dafür war P. zu einer sechsmonatigen Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden. Ein Urteil, das die Staatsanwaltschaft so nicht stehen lassen wollte – sie legte Berufung gegen das Urteil ein und wollte bewirken, dass P. die sechs Monate im Gefängnis verbüßt.

P.s Lebenslauf ist turbulent. Bis zur neunten Klasse besuchte er ein Gymnasium, flog dann wegen zu vielen Verweisen von der Schule und wechselte auf die Hauptschule. Mit 17 Jahren war er zum ersten Mal in Untersuchungshaft, zog später nach Liverpool, um dort in einem Tante-Emma-Laden zu arbeiten. Zurück in Deutschland begann er eine Ausbildung als Assistent für Informatik, die er wieder abgebrochen hat. Bereits mit 13 Jahren konsumierte er regelmäßig Cannabis, gelegentlich schnupfte er Crystal.

Verurteilter verliert im Gerichtssaal die Beherrschung

„Seit 2014 habe ich versucht, mich ans Gesetz zu halten“, sagte P. bei der Verhandlung „Ich habe mich von Drogen ferngehalten, habe keine Straftaten begangen.“ Und weiter: „Wenn das mit Silke Launert nicht gewesen wäre, wäre ich seit 2014 straffrei.“ Entschuldigt habe er sich bei ihr. Verteidiger Bagnoli beteuerte ebenfalls, dass sein Mandant die Chance der Bewährung nutzen wolle. „Herr P. möchte endlich ein Leben ohne Straftaten führen.“ P. sagte: „Ich will mich ändern, ich habe keine Lust mehr auf dieses Leben. Ich will von mir aus keine Straftaten mehr begehen. Ich habe es satt.“

Dass er diese Beteuerungen wohl doch nicht so ernst meinte, zeigte P. am Ende des Verfahrens, als Richter Gebhart das Urteil von sechs Monaten Freiheitsstrafe ohne Bewährung verlas: Dijoni P. verlor die Beherrschung, schlug vor Wut mit der Faust auf den Tisch und rief laut im Gerichtssaal im Bezug auf Silke Launert: „Ich bin unschuldig! Ihr Kind hat gelacht, als es mich gesehen haben, es hatte keine Angst.“

 

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