Nur die Schließung öffentlicher Bäder zwingt zum Improvisieren: „Das Schwimmen findet gerade ohne Wasser statt, an selbst gebauten und immer wieder optimierten Zugseilkonstruktionen.“ Laufband und Fahrrad-Rolle gehören für die Langdistanz-Weltmeisterin ohnehin zum vertrauten Handwerkszeug.

Auch die Motivation ist für Haug offenbar kein Problem, obwohl gerade ihr mit großer Vorfreude erwartetes Debüt bei der Challenge Roth abgesagt worden ist und noch nicht einmal die Verteidigung des WM-Titels im Herbst auf Hawaii sicher erscheint: „Ich betreibe meinen Sport, weil ich ihn liebe und weil ich immer besser werden will. Das ist meine tägliche Motivation, und daran wird sich nichts ändern, solange ich Leistungssport betreibe.“

Sogar konkrete Aufgaben habe sie sich während der erzwungenen Wettkampfpause gestellt: „Ich habe gerade die Chance, an meiner Rad- und Laufform zu arbeiten sowie an athletischen Schwächen, für die vielleicht sonst wenig Zeit ist. Ich möchte meine Fitness auf einem so guten Level halten, dass ich jederzeit wieder Gas geben kann, wenn Wettkämpfe stattfinden.“ Aus vielen Rückschlägen in ihrer Laufbahn habe sie gelernt, „dass man dankbar, demütig und immer voller Hoffnung sein muss.“

Unmittelbarer finanzieller Schaden

Dabei verhehlt Anne Haug nicht, dass jede Absage eines Rennens unmittelbare finanzielle Auswirkungen für sie hat: „Meine Einkünfte sind natürlich hauptsächlich von meiner Leistung bei Wettkämpfen abhängig. Das wird dieses Jahr äußerst schwierig.“

Ebenso eingeschränkt sei die Möglichkeit, „den Sponsoren, die mir so treu die Stange halten, Präsenz in irgendeiner Weise auch außerhalb des Sports zu bieten“.

Dabei hatte sie nach ihrem WM-Triumph auch in dieser Hinsicht mit dem zweiten Platz bei der Wahl der deutschen Sportlerin des Jahres gerade erst einen neuen Höhepunkt erreicht.

Haug rechnet zudem damit, dass sich die Verhältnisse nach dem Ende der Krise nicht sofort wieder stark verbessern: „Wir sind ja direkt von Sponsoren und Veranstaltern abhängig. Ihre wirtschaftliche Situation entscheidet, ob es noch einen Profisport geben wird, wie wir ihn kennen.“

Eine gewisse Erleichterung der wirtschaftlichen Probleme verspricht die Professional Triathletes Organisation (PTO). Diese noch junge Interessenvertretung der Langdistanz-Profis stellt für das Ende des Jahres einen Hilfsfonds in Höhe von zwei Millionen US-Dollar in Aussicht, der Zahlungen an die Frauen und Männer auf den jeweils ersten 100 Plätzen der Weltranglisten vorsieht. Die Höhe der individuellen Unterstützung richtet sich nach der Position in der Weltrangliste, so dass die amtierende Weltmeisterin nicht ganz schlecht abschneiden sollte.