Schwerlastverkehr Bad Berneck will nicht unter die Räder kommen

Alles dicht an der Rotherstraße in Bad Berneck: eines der vielen Bilder von Anlieger Wilhelm Münch, das die chaotische Lage vor einigen Wochen zeigt – trotz Einfahrverbots für schwere Lastwagen. Foto: Wilhelm Münch

BAD BERNECK. Die einen hoffen, dass mit der neuen Verkehrsführung auf der A 9 an der Lanzendorfer Brücke das Schlimmste überstanden ist. Die anderen fürchten, dass Bad Berneck wieder unter die Räder des Schwerlastverkehrs kommen könnte. Über einen Missstand, zu dem es von Rechts wegen nie hätte kommen dürfen.

In der Nacht zum Gründonnerstag war es wieder soweit. Ausweichverkehr von der Autobahn suchte sich seinen Weg über die kurvenreiche Ausweichstrecke nach Bad Berneck und dort über den historischen Marktplatz durch die Altstadt. Von 22 Uhr bis etwa drei Uhr hörte das Ehepaar Münch die Autos. Der Grund: Die A 9 war in dieser Nacht ab Bad Berneck/Himmelkron in Richtung Süden gesperrt, weil die Verkehrsführung geändert wurde.

Blechlawine rollt

Viele Fahrer bogen aber offenbar schon weiter nördlich in Marktschorgast oder Gefrees ab – wie immer bei einem Stau in diesem Abschnitt. Und Staus gibt es oft, zumal seit an der Lanzendorfer Brücke gebaut wird und sich die Fahrbahn Richtung Süden verengt. Jedes Mal das Gleiche: Stau nach Unfall oder hohem Verkehrsaufkommen – schon rollt eine Blechlawine auf Bad Berneck zu und hindurch.

Für Schwerlaster gesperrt

Für Schwerlastverkehr sind die schmalen Kopfstein gepflasterten Straßen der Altstadt von Bad Berneck gesperrt. Einfahrt verboten für Lastwagen über zwölf Meter Länge und über 15 Tonnen: diese Schilder stehen nicht nur an den Stadtgrenzen, sondern auch schon kilometerweit vorher. Aber viele Lastwagenfahrer kümmern sich nicht darum.

Außenspiegel in Gefahr

Wie sich das anfühlt, wenn ein Schwerlaster in der schmalen Ortsdurchfahrt von Wasserknoden entgegenkommt, beschreibt Anwohnerin Kathrin Hartmann: „Mangels Ausweichmöglichkeit riskiert man seinen Außenspiegel.“

Einfahrt verboten

Mehr als 400 Lastwagen am Tag seien dort einmal gezählt worden, berichtet Wilhelm Münch. An seinem Schreibwarengeschäft mit Postfiliale quält sich der Ausweichverkehr auf seinem Weg durch Bad Berneck vorbei. Darunter Schwerlaster, die in die Altstadt gar nicht hineinfahren dürfen.

Verstopfte Stadt

Vor einigen Wochen sei es besonders schlimm gewesen, berichtet Münch: Mehrere Tage hintereinander war die Stadt immer wieder verstopft, kein Durchkommen an der schmalen Schikane neben seinem Laden, weil die Sattelzüge dort fast feststeckten und die Rotherstraße in beide Richtungen blockierten. Münch hat sie fotografiert, zeigt Dutzende Bilder, hat mit Fernfahrern diskutiert, gestritten, bekam den Stinkefinger zu sehen, sogar bedroht sei er einmal worden, sagt er.

Hinweisschilder halfen

Kein Kunde habe mehr vor seinem Geschäft halten können, die Paketpost sei nicht planmäßig weggekommen. Erst als mehr Hinweisschilder auf das Durchfahrtsverbot für Schwerlaster aufgestellt wurden, auch schon auf der Autobahn, habe sich die Lage entspannt. Auch Bürgermeister Jürgen Zinnert hatte sich bei der Autobahndirektion Nordbayern beschwert.

Touristen beschweren sich

Im Schnitt zehn Schwerlaster jeden Tag rollten aber weiterhin an seinem Laden vorbei, schätzt Münch. Gerald Jung von der Touristinfo am Marktplatz drückt sich in Anspielung auf die Verbotstafeln drastisch aus: „Es gibt jeden Tag zehn Blöde, die nicht lesen können.“ Bei ihm hätten sich bereits Touristen beschwert. „Spazieren gehen oder draußen sitzen geht gar nicht, wenn solche Laster vorbeidonnern.“

Vibrierendes Lokal

Das Café Bad Berneck hat Tische im Freien am Marktplatz stehen. Wenn die Schwerlaster kommen, spürt sie die Vibrationen in ihrem Lokal, sagt Wirtin Beate Kriesche. „An Tempo 30 hält sich sowieso keiner, die kommen alle zu schnell das Gefälle runter, wo sie dann um die Kurve müssen.“ Vom Sattelschlepper bis zum Tanklastzug war schon alles dabei. „Als es ganz schlimm war vor einigen Wochen, habe ich die Polizei gerufen.“

Polizei: Wir können nicht ständig dort sein

Das Verkehrsaufkommen auf dieser Ausweichstrecke sei immer noch erhöht, bestätigt Thomas Linke, bei der Polizei Sachbearbeiter Verkehr für den Landkreis Bayreuth. Man könne nicht verhindern, dass einzelne Lastwagenfahrer diesen Weg trotz Verbots einschlagen. „Die Polizei kann sich nicht ständig dort postieren.“

Strafzettel zu billig?

Wilhelm Münch sagt, die Polizei sei in der heißen Woche teils schon vor Ort gewesen, aber nicht konsequent eingeschritten. Er habe mit Beamten deshalb gestritten. Sie hätten ihm erklärt, für einen Strafzettel über 15 Euro lohne sich der Aufwand nicht, die Fahrer anzuhalten. Linke weist den Vorwurf der Untätigkeit zurück. „Wir halten solche Lastwagenfahrer an.“ Allerdings könne man einen Sattelzug mitten in der Stadt aus Platzgründen nicht einfach umkehren lassen. Im übrigen seien bei Verstößen gegen das Durchfahrtsverbot in Bad Berneck nicht 15 Euro, sondern 65 Euro fällig.

Vorstoß der Freien Wähler

75 Euro Bußgeld sollen es künftig sein, wenn es nach den Freien Wählern geht. Zweiter Bürgermeister Alexander Popp stellte im Stadtrat den Antrag, Lastwagen die Fahrt durch die Altstadt und durch Wasserknoden generell zu verbieten. Zudem fordert er Tempo 30 in Wasserknoden sowie von der B 303 bis Ortsende Bad Berneck Richtung Neudorf. Es komme dort immer wieder zu gefährlichen und nicht tragbaren Situationen, begründet Popp den Antrag.

Verkehr soll flüssiger laufen

Verkehrspolizist Linke ist da skeptisch. Wegen der Lieferanten für die Stadt müsse man Anliegerverkehr für Laster erlauben, und dieses Schlupfloch würden andere nutzen. Überdies sei er sehr optimistisch, dass die neue Verkehrsführung auf der Lanzendorfer Brücke mit zwei breiteren Fahrstreifen Richtung Süden die Lage entschärfe, weil der Verkehr flüssiger laufen könne.

Popp reicht das nicht. Die Lastwagen-Fahrverbote und Tempo 30 sollten auf Dauer gelten, auch nach Fertigstellung der Lanzendorfer Brücke, fordert er. Denn der nächste Stau auf der A 9 kommt bestimmt.

 

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