„Der Gang zur Schuldnerberatung lohnt sich immer“, sagt die Leiterin der Schuldner- und Insolvenzberatung der Caritas in Bayreuth, Veronica Specht. „Wir können aber nur denen helfen, die den Weg zu uns finden.“ Die Caritas habe ein niederschwelliges Angebot geschaffen, um den Betroffenen die Hemmungen zu nehmen. Nur drei bis vier Wochen betrage die Wartezeit, das sei verhältnismäßig kurz. Die Bayreuther Caritas, die Schuldnerberatung zudem in Kulmbach sowie Insolvenzberatung in den Außenstellen Hof und Wunsiedel anbietet, sei führende Beratungsstelle in Nordbayern. Alle vierzehn Tage gibt es dort kostenlose Informationsveranstaltungen. Geld ist oft Hauptstreitpunkt unter Partnern – bei der Caritas finden sie auch Eheberatung.

Der DGB rügt, Schuldner würden in den allermeisten Fällen mit ihren Problemen von den Kommunen alleingelassen. Laut einer Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) würden bundesweit nur rund 32.500 Betroffene durch Kommunen entsprechend beraten. In Bayreuth habe die Caritas gemeinsam mit dem Jobcenter Bayreuth-Stadt vergangenes Jahr das Projekt „Meine Kohle im Griff XXL“ gestartet, so Specht. Dabei wird der Umgang mit Geld trainiert. Zielgruppe sind vornehmlich Hartz-IV-Bezieher, die mit jedem Cent rechnen müssen. Oft hätten die Teilnehmer des Projektes schon Erfahrung mit Überschuldung, erklärt Specht. Daher gehe es nicht nur um vorbeugende Schritte, in Zukunft keine Schulden mehr zu machen, sondern auch um Regulierungsmöglichkeiten bestehender Schulden.

Die Privatinsolvenz sei nicht für alle Überschuldeten „der Masterplan“, sagt Specht. Es sei die Frage, ob der Betroffene die fünf bis sechs Jahre bis zur Entschuldung durchhalten könne, ohne neue Schulden zu machen. Dazu seien Einsicht und Motivation erforderlich. Beim Projekt „Meine Kohle im Griff XXL“ gehen die Berater zudem in Schulen, um bei jungen Leuten frühzeitig das Bewusstsein zu bilden, wie sie mit ihrem Geld umgehen sollten. So sei beim Autokauf stets ein finanzieller Puffer einzukalkulieren.

Die Zahl der Ratsuchenden ist bei der Bayreuther Caritas vergangenes Jahr um 17 Prozent auf 910 Bürger gestiegen. Der Anteil der Frauen wuchs stärker als der der Männer. Alleinerziehende Frauen waren überproportional von Überschuldung betroffen; sie zählten fast doppelt so häufig zur Klientel der Beratungsstelle als es ihrem Anteil an allen Haushalten entsprach. Die Chance eines Verbraucherinsolvenzverfahrens nutzten vergangenes Jahr bei der Caritas in Bayreuth 388 Personen. Fünf Gründe gelten als die häufigsten Auslöser für Überschuldung bei Privatpersonen: Arbeitslosigkeit, Trennung, Krankheit, gescheiterte Selbstständigkeit und falsches Konsumverhalten. Von den mehr als 900 Ratsuchenden waren die meisten (30 Prozent) zwischen 31 und 40 Jahre alt, über 60 Jahre waren nur neun Prozent der Überschuldeten.